Die Polizei testet Taser. Beamte einer Einheit des Polizeipräsidiums Göppingen sind bei dem Pilotprojekt dabei. Am Schießstand gab es Einblicke.
Vier Beamte in Schutzausrüstung verschaffen sich Zutritt zu einer Wohnung. Ein gewaltbereiter, erprobter Kampfsportler soll hier festgenommen werden. Die Kripo hatte für diesen besonderen Fall um Unterstützung der Beweissicherungs- und Festnahmeeinheit, kurz BFE, gebeten. Der Mann verhält sich aggressiv, die Polizisten halten Abstand und fordern ihn auf, sich auf den Boden zu legen.
Noch leistet der mutmaßliche Straftäter lautstark Widerstand, in der Nähe steht ein Baseballschläger. Allein die Androhung, eine Elektroimpulswaffe zu benutzen, führt zur Deeskalation. Der Kampfsportler hebt die Hände, legt sich auf den Fußboden und lässt sich widerstandslos festnehmen.
Startschuss für ein Pilotprojekt
Dieses Szenario zeigt, in welchen Situationen diese Geräte, auch als Taser bekannt, künftig eingesetzt werden. In diesem Fall war der Einsatz gespielt – und zwar am Schießstand des Polizeipräsidiums Einsatz in Göppingen. Hier wurde am Montag der Startschuss für ein Pilotprojekt gegeben. Sowohl beim Polizeipräsidium Einsatz als auch beim Polizeipräsidium Freiburg sollen diese Elektroschockpistolen getestet werden. Insgesamt werden 250 Beamtinnen und Beamte in der Handhabung dieser Geräte geschult, etwa 40 von ihnen sind in Göppingen bei einer Beweissicherungs- und Festnahmeeinheit beschäftigt. Im Fokus stehen hier Einsätze zur Unterstützung der regionalen Präsidien. Beim Polizeipräsidium Freiburg sollen die Elektroimpulsgeräte im Streifendienst getestet werden.
Zum Start des Pilotprojekts kam auch Innenminister Thomas Strobl nach Göppingen. Er machte deutlich: „Der Taser ist keine Wunderwaffe und auch kein Allheilmittel.“ Er könne aber vor allem in statischen Einsatzlagen hilfreich sein, in dynamischen hingegen weniger. „Vor allem, wenn ein Messer im Einsatz ist, ist der Taser nicht das Mittel der Wahl“, betonte Strobl. Greife das Gegenüber einen Polizisten mit einem Messer an, werde dieser zur Verteidigung immer die Schusswaffe gebrauchen. Bei Tasern sei es bisher nie zu Verletzungen oder gar tödlichen Vorfällen gekommen. Die Elektroimpulsgeräte werden bei den Spezialeinheiten bereits seit vielen Jahren eingesetzt. Seit der Einführung 2007 wurden die Taser laut Innenministerium 86 Mal abgefeuert (Stand 31. Dezember 2025).
Es gibt Kritiker und Befürworter
Der Minister machte kein Hehl daraus, dass sich unter den Praktikern der Polizeiarbeit Kritiker und Befürworter dieser Distanz-Elektroimpulsgeräte befinden. Die zweijährige Test- und Erprobungsphase soll Aufschluss darüber geben, wie alltagstauglich diese umgangssprachlich auch Elektroschockpistole genannte Waffe ist und ob sie die bisherige Ausstattung gut ergänzt. „Wir testen sie aus der Praxis für die Praxis“, sagte Strobl.
Das Projekt werde wissenschaftlich begleitet, und zwar von der Hochschule der Polizei. Zudem sei das Präsidium mit Technik, Logistik, Service mit an Bord. Auch Erfahrungen anderer Bundesländer fließen ein. 40 Geräte wurden für die Erprobung angeschafft, eines kostet 2500 Euro, stellte Uwe Oldenburg, Vizepräsident des Präsidiums Freiburg, den finanziellen Aufwand dar.
„Es werden auch die kritischen Dinge abgeprüft“, unterstrich Strobl. Er will die Evaluierung und spätere Entscheidung, wer zusätzlich mit diesen Geräten ausgestattet wird, „ohne jegliche Ideologie“, sondern aus rein pragmatischen Gesichtspunkten verstanden haben. Das Polizeigesetz ermögliche jedenfalls den Einsatz von Tasern auch im Streifendienst. Letztlich sei die Arbeit der Polizei, egal was die technische und personelle Ausstattung, aber auch die Gesetzgebung betreffe, ein stetiger Prozess, „bei dem man nie am Ziel sein und bei dem man nie einen optimalen Zustand erreichen wird“.
„Jeder Einsatz von Tasern wird gut überlegt“
Bernd-Michael Sorg, Vizepräsident des Polizeipräsidiums Einsatz mit Sitz in Göppingen, wies darauf hin, dass der Schutz und die Fürsorge der Kolleginnen und Kollegen an oberster Stelle stehe. Die Polizei sei häufig dort im Einsatz, wo „soziale Bruchkanten“ besonders sichtbar seien, wo Emotionen im Spiel seien, wo Menschen sich in einem psychischen Ausnahmezustand befänden. Nicht selten sei das Gegenüber der Polizisten gewaltbereit. Aber: „Jeder Einsatz von Tasern wird gut überlegt, selbst in Millisekunden.“