Die Waiblinger Polizei überwacht in der Zeit nach den Sommerferien verstärkt die Schulwege und kontrolliert auch Autofahrer. Dabei zeigt sich: Die eine oder andere gefährliche Situation bleibt nicht aus. Was tun?
Es ist 7.40 Uhr, kurz vor Schulbeginn. Ein Mädchen, es muss in der ersten oder zweiten Klasse sein, überquert zusammen mit einem älteren Kind eine 30er-Zone vor der Korber Gesamtschule. Die beiden sind in ein Gespräch vertieft, als sie in Richtung des Haupteingangs gehen. Sie bemerken nicht, dass ein Auto heranrollt. Erst, als die beiden mitten auf der Straße auf Höhe des Fahrzeugs stehen, registriert das Mädchen den Wagen. Es erschrickt und rennt auf die andere Seite. Wäre der Fahrer nicht langsam und sehr aufmerksam unterwegs gewesen, hätte die Situation weniger glimpflich enden können.
Um Autofahrer für genau solche Gefahren zu sensibilisieren und die Sicherheit von Kindern zu erhöhen, kontrolliert die Waiblinger Polizei jedes Jahr nach den Sommerferien die Schulwege in ihrem Zuständigkeitsgebiet: Halten sich die Fahrer an die Geschwindigkeitsbegrenzungen? Wird während der Fahrt telefoniert? Sind die Kinder im Auto angeschnallt? Im Fokus der Schulwegüberwachung stehen Grundschulen, weil Erstklässler in der Regel noch wenig Erfahrung im Straßenverkehr haben.
Autos parken teilweise kreuz und quer
Eine der Schulen, bei der die Beamten kürzlich eine solche Kontrolle gestartet haben, ist die Korber Gesamtschule. Der Grund für diesen Ort: Auf der Straße vor dem Haupteingang kann es schnell gefährlich werden. Denn in der 30er-Zone ist wenig Platz, im gesamten Abschnitt vor dem Haupteingang ist zudem ein Parkverbot. Eltern, die ihre Kinder zur Schule bringen, fahren die Straße hoch, lassen ihr Kind aussteigen und fahren wieder runter, während stetig neue Autos ankommen.„Manche Eltern bringen ihre Kinder bis ins Klassenzimmer“, sagt eine Mutter, die ihren Nachwuchs zu Fuß zur Schule begleitet. Die Eltern blockierten dann unnötig lange die Parkplätze.
Das hat Konsequenzen: Einige Fahrer parken gar in den Einfahrten von Anwohnern, andere versuchen, dort zu wenden. Inmitten des Verkehrs überqueren die Schulkinder die Straße, die entweder zu Fuß oder mit dem Bus gekommen sind.
Je näher der Unterrichtsbeginn ist, desto häufiger kommen sich Autos in die Quere, auch kommt es zu Verkehrsverstößen. Ein weißer Transporter hält auf einem kleinen Platz direkt vor dem Haupteingang – im Halteverbot, obwohl die Polizisten direkt daneben stehen. Carolin Weible geht auf den Parkenden zu und spricht ihn auf das Verbot an. „Ich muss nur kurz mein Kind rauslassen“, erklärt er, er sei am Morgen knapp dran gewesen. Das Kind, mutmaßlich ein Erst- oder Zweitklässler, ist ohne Kindersitz im Auto. „Er hat sich damit entschuldigt, dass es ein Geschäftsauto sei und er darin keinen habe“, sagt die Polizistin später. Sie habe ihn verwarnt und nochmals auf die Notwendigkeit des Kindersitzes hingewiesen. „Es geht darum zu sensibilisieren und auf die Gefahren aufmerksam zu machen“, sagt die Beamtin. Schließlich schauten sich die Kinder das Verhalten der Eltern ab.
Zehn Prozent der Eltern halten sich nicht an das Parkverbot
Das Problem ist in der Schule bekannt. Der Hausmeister Karl Stelz setzt sich dafür ein, dass sich die Eltern an das Parkverbot halten. „Es wird jeden Elternabend angesprochen“, sagt Stelz, aber es habe sich bisher wenig geändert. „Man muss aber auch sagen, dass sich 90 Prozent der Eltern daran halten, dafür sind wir dankbar“, fährt er fort. Bei rund 400 Schülern seien zehn Prozent aber immer noch eine Menge.
Die Situation an Korber Schule ist dabei keineswegs eine Ausnahme. Bei einer Kontrolle an der Waiblinger Salier-Gemeinschaftsschule hat sich für die Polizei ein ähnliches Bild ergeben. Auch hier sei ein „erhöhtes Verkehrsaufkommen“ festgestellt worden, berichtet die Revierleiterin Barbara Petersen. „Die Kinder werden immer häufiger zu Schule gefahren“, ergänzt Carolin Weibles Kollege Tobias Koslowski.
21 Unfälle auf dem Schulweg gab es im Jahr 2023
Das für den Rems-Murr-Kreis zuständige Polizeipräsidium Aalen rät dazu, die Kinder den Schulweg zu Fuß bestreiten zu lassen, damit sie Sicherheit und Routine im Straßenverkehr bekommen. Im Rems-Murr-Kreis seien im vergangenen Jahr 21 Unfälle auf dem Schulweg passiert, vier mehr als im Jahr davor, vermeldet die Behörde. Dazu, ob und in welchem Zusammenhang diese Zahlen mit den Elterntaxis stehen, gibt es aber keine Angaben. Besonders gefährlich seien vor allem Situationen, in denen die Kinder noch schnell einen Bus erreichen wollen und die Straße unaufmerksam kreuzen. Grundsätzlich sei es zu empfehlen, den Schulweg mit den Kindern vorab zu üben.
Das rät auch Tobias Koslowski. Wichtig sei, den Kindern beizubringen, auf dem gelernten Schulweg zu bleiben und keine Abkürzungen auszuprobieren. Die Autofahrern mahnt er zur Vorsicht. „Bei Kindern muss man mit allem rechnen“, sagt er. Und zu den Eltern: „Egal, wie oft die Kinder es schon gehört haben, man kann es nicht oft genug zu ihnen sagen: ‚Seid vorsichtig’.“
Verkehrsverbund VVS unterstützt auch Aktion der Backnanger Schillerschule
Orangene Mützen
Auch der Verkehrsverbund Stuttgart (VVS) hat eine Aktion für mehr Sicherheit für Schulkinder im Straßenverkehr gestartet. An verschiedenen Grundschulen im Verbundgebiet verteilt der VVS orangefarbene Baseball-Caps mit reflektierenden Sicherheitsstreifen an Erstklässler. Diese sollen bewirken, dass Kinder im Straßenverkehr besser gesehen werden, heißt es. „Die Mützen mit den reflektierenden Streifen sollen dazu beitragen, dass die Kinder auf ihrem Schulweg besser gesehen werden, insbesondere in den dunkleren Monaten des Jahres“, erklärt dazu der VVS-Geschäftsführer Thomas Hachenberger.
„Zu Fuß zur Schule“
Der VVS unterstützt dieses Jahr nach eigenen Angaben außerdem die Aktion „Zu Fuß zur Schule“, die seit mehreren Jahren an der Backnanger Schillerschule läuft. Das Ziel sei, dass möglichst viele Schulwege ohne Auto zurückgelegt werden, um somit gefährliche Verkehrssituationen an der Schule zu entschärfen. Jede Woche wird gezählt, wer zu Fuß in die Schule gekommen ist – die beste Klasse erhält einen Pokal.