Polizeihubschrauber Bussard im Einsatz – hier bei Tageslicht. Foto: 7aktuell.de/Moritz Bassermann

Wenn nachts Einbrecher aufzuspüren sind, dann kommt Hilfe von oben gerade recht. Der Polizeihubschrauber Bussard war wieder einmal erfolgreich – doch dieses Mal waren es gar keine Einbrecher im herkömmlichen Sinn.

Stuttgart - Irgendetwas kann da nicht stimmen. Ein Spaziergänger, der am frühen Dienstagmorgen im Inneren Nordbahnhof unterwegs ist, hört verdächtige Geräusche auf einem Gerüst und wählt auf seinem Handy die 110. Der Einsatzzentrale der Stuttgarter Polizei meldet er verdächtige Männer auf den Dächern der Wagenhallen. Die Beamten rücken um 2.30 Uhr zur Fahndung aus. Dann werden zahlreiche Stuttgarter durch Hubschrauberlärm geweckt.

Vielleicht hätten sich die Täter in der Dunkelheit irgendwie verstecken können. Doch den Kameras und Bildverstärkerbrillen der Hubschrauberbesetzung der Polizei entgehen sie nicht. Die Besatzung von Bussard, so der polizeiinterne Rufname, spürt ein Trio auf – doch bei diesem handelt es sich nicht um Einbrecher im herkömmlichen Sinn.

Denn die drei jungen Männer im Alter von 19, 21 und 21 Jahren hatten ersten Ermittlungen zufolge gemeinsam mit weiteren Personen im Bereich Innerer Nordbahnhof Alkohol getrunken. Als dieser zur Neige geht, gibt ein Begleiter den rettenden Tipp, dass auf dem Dach des Gebäudes eine Kiste Bier stehen würde.

Neben den drei Männern entdecken die Beamten dann auch tatsächlich die Kiste mit dem Gerstensaft. Das polizeilich bisher unbeschriebene Trio wird nach der Anzeigenaufnahme wieder in die Freiheit entlassen, doch einer Anzeige wegen Hausfriedensbruchs entgehen die durstigen Männer dann doch nicht – und das Bier, das Polizeiangaben zufolge vermutlich von Bauarbeitern dort abgestellt worden war, müssen sie auch stehen lassen.

Hubschrauber auf Rekordkurs

Wenn das Trio auch nichts wirklich Böses im Sinn hatte, ist dies ein weiterer Erfolgsfall der Hubschrauberstaffel. „Im vergangenen Jahr hatten wir ein Rekordjahr bei den Such- und Fahndungseinsätzen“, sagt Roland Fleischer vom Polizeipräsidium Einsatz, dem die Staffel zugeordnet ist. 2019 scheint es so weiterzugehen: „Nach dem bisherigen Trend könnten die Bilanz noch einmal getoppt werden“, sagt Fleischer.

Offensichtlich haben sich die sechs neuen Hubschrauber des Typs H 145 und das 24-Stunden-Einsatzkonzept bewährt. Michael Bantle, Leiter der Hubschrauberstaffel, verweist außerdem auf eine „hoch motivierte und professionell agierende Mitarbeiterschaft“. 75 Vermisste konnten letztes Jahr gefunden werden. Freilich gibt es bei den Einsätzen nicht immer ein Happy End: Im März dieses Jahres beispielsweise konnte ein vermisster 56-Jähriger in Untertürkheim zwar gefunden werden – doch der Gesuchte war schon nicht mehr am Leben.

Warum nachts geflogen wird

2018 gilt als das erfolgreichste Jahr der Hubschrauberstaffel seit ihrer Gründung im Jahr 1965. Obwohl das Vorjahr schon ein Rekordjahr war. Die Zahl der Fahndungserfolge nach Personen und Fahrzeugen stieg von 29 auf 46. Die Zahl der Flugstunden steigerte sich von 2999 auf 3248, und auch nachts ging Bussard immer öfter in die Luft. Die Zahl der Nachteinsätze stieg von 703 auf 777. Das Problem nachts ist freilich der Lärm, der die Anwohner aus den Betten schreckt. Der Präsident des Göppinger Präsidiums wirbt um Verständnis: „Die Nachtflüge sind stets von höchster Dringlichkeit“, stellt Ralph Papcke fest, „die Rettung von Menschenleben oder die Festnahme von Straftäter hat oberste Priorität.“

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: