Halt! Wie erkennt man eigentlich die richtige Polizei? Foto: dpa

Nach einer Welle von Betrugsfällen durch falsche Polizisten am Telefon wächst die Unsicherheit: Wie erkennt man eigentlich die richtigen Beamten?

Stuttgart - Soll man das jetzt glauben oder nicht? Diese Frage stellt sich am Dienstag eine betagte Dame in Birkach, als es überraschend an der Haustür klingelt. Zwei Polizisten stehen draußen und behaupten, im Auftrag einer Bekannten aus Möhringen nach dem Rechten schauen zu wollen. Aber nicht mit mir, sagt die Frau über 90 – und knallt die Tür zu. Man kennt ja diese Geschichten von den Betrügern, die es auf Schmuck und Bargeld abgesehen haben.

So weit ist es also schon gekommen. Nach einer Welle von Betrugsfällen durch falsche Polizisten am Telefon, die älteren Menschen jährlich Millionensummen an Erspartem abnehmen, wächst die Unsicherheit: Wie erkennt man eigentlich die richtigen Beamten? Das fragen sich zunehmend auch echte Polizisten: „Noch nie musste sich so oft meinen Dienstausweis vorzeigen wie jetzt“, sagt ein Kripobeamter am Rande einer Gerichtsverhandlung gegen zwei angeklagte falsche Polizisten im Landgericht.

Und dann knallt die Tür zu

Das Misstrauen wächst – zum Glück, angesichts der Tatsache noch immer viele Opfer auf die Masche hereinfallen. Am Dienstag erwischte es eine Streife des Reviers Balinger Straße, die eigentlich nur Gutes tun wollte. Eine Frau aus Möhringen hatte die Polizei um Hilfe gebeten, weil sich ihre in Birkach wohnende Bekannte schon länger nicht mehr gemeldet habe. Ob ihr etwas zugestoßen ist? Ein Routinefall für die Revierbeamten. Sie fahren mit einem Streifenwagen zu der genannten Adresse in Birkach fahren und klingeln an der Tür. Als sie der älteren Dame den Grund nennen, wirft diese ihre Tür mit einem lauten Knall zu.

Die Frau verweigert jede weitere Kontaktaufnahme. Die Beamten rücken unverrichteter Dinge wieder ab. Immerhin wissen sie, dass die Birkacherin wohlauf ist. Die Anzeigeerstatterin bedankt sich später bei der Polizei und entschuldigt sich für das unhöfliche Verhalten. Die Bekannte habe sie wenig später angerufen und erklärt: „Stell dir vor was passiert ist! Da standen zwei Abzocker vor der Tür und wollten mich mit Polizeiuniformen hinters Licht führen!“

Lieber einmal zu oft misstrauisch....

Und doch: „Alles richtig gemacht“, sagt Polizeisprecherin Monika Ackermann. Wie aber findet man heraus, ob die Polizei echt ist? Mit Fragen, sagt die Polizistin: Wo steht denn der Streifenwagen? Von welchem Revier kommen Sie? „Oft werden Dienststellen genannt, die es gar nicht gibt“, sagt Sprecherin Ackermann. Grundsätzlich gilt: „Lieber einmal zu oft unfreundlich und misstrauisch, als einmal zu oft hereingelegt.“

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