Am DGB-Haus musste vor kurzem die Polizei eingreifen – jetzt wurde sie auch zum Katharinenhospital gerufen. Foto: 7aktuell/ Andreas Werner

Mitglieder der rechtsextremistischen Identitären Bewegung haben vor wenigen Wochen ein provozierendes Banner am Stuttgarter Gewerkschaftshaus entrollt. Jetzt scheint sich die Aktion wiederholt zu haben. Schon zuvor hatte es Hinweise darauf gegeben.

Stuttgart - Ein Nachbargebäude des Stuttgarter Katharinenhospitals ist am Freitag zum Schauplatz einer weiteren Aktion mutmaßlich aus der rechten Szene geworden. Bereits vergangene Woche ging bei der Polizei ein Anruf ein. Demnach waren mehrere Personen unerlaubt auf das Gelände der dortigen Baustelle eingedrungen. „Sie sollen auf dem Gerüst bis zum fünften Stock geklettert sein“, sagt ein Polizeisprecher. Warum, das sei nicht klar. Zwei Streifenwagenbesatzungen durchsuchten das Gelände, konnten aber niemanden antreffen.

In der linksextremen Szene der Stadt wird behauptet, Autonome hätten zum genannten Zeitpunkt an der Baustelle Mitglieder der Identitären Bewegung gesichtet. Sie gehen von einer Ortserkundung der Rechten für das Anbringen eines Banners aus. Offenbar kam es im Anschluss zu einer gewalttätigen Auseinandersetzung mit einem der Baustelleneindringlinge, von der die Polizei jedoch nichts weiß.

Polizei holt Transparent vom Dach

Am Freitag gegen 15.30 Uhr war dann tatsächlich ein Transparent auf dem Dach eines Nachbargebäudes des Katharinenhospitals angebracht. Ein Polizeisprecher: „Wir haben es schnell sichergestellt.“ Die Polizei mutmaßt, dass auch diesmal die Täter der Identitären Bewegung angehören. Bei den Namen auf dem Transparent handelt es sich um Namen von Opfern von Tätern mit Migrationshintergrund.

Bereits vor vier Wochen hatten Mitglieder der vom Verfassungsschutz als rechtsextremistisch eingestuften Identitären Bewegung mittels Autokran das Dach des Stuttgarter Gewerkschaftshauses besetzt und dort ein Banner entrollt. „DGB hat mitgeschossen“ war dort zu lesen. Eine Anspielung auf eine Gewalttat am Cannstatter Wasen, bei der ein Mitglied der rechtsgerichteten Arbeitnehmervertretung Zentrum Automobil von mutmaßlich linksextremistischen Tätern schwer verletzt worden war und danach im Krankenhaus um sein Leben kämpfen musste. Der Coup war in der Stadt mit Entsetzen, in rechten Kreisen mit viel Applaus aufgenommen worden. Das könnte die Aktivisten zu neuen Aktionen ermutigt haben. Zuletzt sind in Stuttgart immer häufiger Rechte und Linke aufeinandergetroffen.

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