Die Polizei warnt vor den Maschen der Betrüger: Kein echter Polizist holt Geld ab. Foto: dpa

Eine Welle betrügerischer Anrufe bereitet der Kriminalpolizei Kopfzerbrechen. Bereits seit zwei Wochen treiben die Täter in der Stadt ihr Unwesen.

Stuttgart - Die aktuelle Welle der betrügerischen Anrufe hat das Zeug, sogar Experten der Kriminalpolizei zur Verzweiflung zu bringen: Seit dem Mittwoch vor Christi Himmelfahrt kommen täglich Meldungen von zahlreichen Anrufen. Alleine am Donnerstag waren es schon wieder fast 50, sagt die Polizeisprecherin Monika Ackermann. Auch ist der Schaden immens: Bei drei Senioren in der Stadt haben die Täter in dieser nicht abreißenden Welle schon eine halbe Million Euro erbeutet. Im jüngsten Fall verlor ein Ehepaar Bares und Wertsachen im Wert von rund 200 000 Euro an die Betrüger.

Die Anrufer meldeten sich am Dienstag bei den 78 und 79 Jahre alten Eheleuten. Sie gaben sich zunächst als Vertreter der Staatsanwaltschaft aus und behaupteten, in der Nachbarschaft sei eine Frau in der Wohnung überfallen, gefesselt und geknebelt und ausgeraubt worden. Drei Täter habe man gefasst, zwei seien noch auf der Flucht. Deswegen seien die Wertsachen und Erspartes des Ehepaares nicht sicher. Die Polizei würde die Sachen in Sicherheit bringen, behaupteten die Anrufer.

Die Betrüger überreden die Senioren, Wertsachen vors Haus zu stellen

Weil die Betrüger ihre Räubergeschichte überzeugend erzählten und nicht locker ließen, glaubte das Ehepaar ihnen. Sie verstauten Geld, Münzen und wertvolle Briefmarken in einem Koffer und mehreren Einkaufstaschen, welche sie – wie von den Betrügern angewiesen – vor ihrem Haus abstellten. Natürlich kam nicht die echte Polizei, um den Koffer in Sicherheit zu bringen, sondern die falschen Beamten entwendeten die Wertsachen. Das Paar schöpfte erst am Mittwoch Verdacht, weil ein in Aussicht gestellter Rückruf eines angeblichen Polizisten ausblieb. Daraufhin verständigten sie die echte Polizei.

Die Polizei warnt vor betrügerischen Anrufern, die sich gezielt Personen mit altmodischen Vornamen im Telefonbuch aussuchen, um Senioren zu erwischen. Wer einen Anruf erhält, bei dem jemand behauptet, Vertreter der Polizei oder einer anderen Sicherheitsbehörde – im vorliegenden Fall der Staatsanwaltschaft – zu sein und Geld fordere, solle umgehend auflegen. So arbeite die echte Polizei niemals. Weder würde sie Geld abholen, noch am Telefon vor Verbrechern warnen, die in der Nachbarschaft unterwegs seien. Wenn Gefahr bestehe, komme die Polizei zum direkten Gespräch vorbei.

Um über die Betrugsmaschen aufzuklären, mit denen ältere Menschen um ihr Vermögen gebracht werden sollen, ist die Polizei zurzeit mit einer Infokampagne in der Stadt unterwegs: Am Freitag in Sillenbuch und Weilimdorf, am Samstag auf dem Stuttgarter Marktplatz.

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