Die einen bewundern sie, die anderen ärgern sich: Graffiti-Werk am Stuttgarter Hauptbahnhof. Foto: 7aktuell.de/ MG/7aktuell.de | MG

Während des Coronakrise wurden in den Bahnhöfen weniger Straftaten begangen. Doch es gibt Ausnahmen: So registrierte die Polizei deutlich mehr Anzeigen gegen Graffiti-Sprüher.

Stuttgart - Die Zahl der Straftaten im Bereich der Bahnhöfe und an den Bundesgrenzen in Baden-Württemberg sind im ersten Halbjahr im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 23 Prozent gesunken. Das „ist auf die coronabedingten Einschränkungen zurückzuführen“, sagte ein Sprecher der Bundespolizei unserer Zeitung. Zählten die Ermittler im ersten Halbjahr 2019 noch 26 815 Straftaten in ihrem Zuständigkeitsbereich, der unter anderem 770 Bahnhöfe im Land umfasst, waren es in diesem Jahr 20 646.

Ein großer Rückgang ist laut der polizeilichen Eingangsstatistik, die unserer Zeitung vorliegt, im Bereich der Eigentumsdelikte zu verzeichnen. Demnach wurden mit 1233 angezeigten Diebstählen 504 weniger registriert. Die Zahl der Körperverletzungen ging um 76 Vergehen auf 594 zurück.

In der Statistik sind jedoch nicht nur Rückgänge verzeichnet. Graffiti-Sprüher haben den Corona-Lockdown für ihre Straftaten vermehrt genutzt. Die Bundespolizei stellte in Baden-Württemberg mit 1249 Anzeigen im ersten Halbjahr rund 20 Prozent mehr Graffiti-Vergehen fest als im Vorjahreszeitraum.

Geparkte Züge als Gelegenheit

Die Bundespolizei geht davon aus, dass die erhöhte Aktivität der Sprayer auf den Lockdown zurückzuführen ist, weil in dieser Zeit mehr Züge geparkt waren – etwa an Endhaltestellen. Das habe die „Tatgelegenheiten zum Besprühen der Bahnen signifikant erhöht“. Den Schaden kann die Bahn nicht beziffern. Es kursieren jedoch Zahlen, nach denen in normalen Jahren allein bei der S-Bahn Stuttgart durch Graffiti ein Schaden von einer Million Euro entsteht.

Besonders aktiv waren die Sprayer laut Polizeistatistik in der Region Stuttgart. Dort wurden 115 Graffiti mehr als im ersten Halbjahr 2019 registriert. Im Bereich um Offenburg waren es neun mehr, im Bereich um Weil am Rhein 17. Um Karlsruhe und Konstanz nahmen die Vergehen um 34 beziehungsweise 30 zu.

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