Auf dem Wasengelände sorgt die Polizei für Sicherheit, im Zelt die Wirte. Foto: Lg/Kovalenko

Wasen, Weihnachtsmarkt oder Weindorf: Nicht nur beim Fußball ist die Polizei gefordert. Auch andere große Veranstaltungen brauchen Schutz. Rechnungen dafür sollen die Veranstalter nicht erhalten.

Stuttgart - In Baden-Württemberg und damit auch in der Landeshauptstadt steht es nicht zur Diskussion, Fußballvereine und andere Veranstalter zur Kasse zu bitten, wenn ein großes Polizeiaufgebot zum Schutz notwendig ist. Das sagte der Innenminister Thomas Strobl (CDU) am Dienstag, als in Bremen die Gerichtsentscheidung über Polizeieinsätze bei Fußballspielen fiel. Das Gericht entschied, dass die Kosten der Deutschen Fußballliga (DFL) in Rechnung gestellt werden können. Strobl will so eine Regelung für Baden-Württemberg nicht.

In Bierzelten arbeiten private Sicherheitsleute

Der Innenminister ist mit seiner Meinung nicht allein. Auch im Rathaus ist man zufrieden mit der Aufgabenverteilung: „Was im öffentlichen Raum stattfindet, liegt in der Zuständigkeit der öffentlichen Hand“, sagt Hermann Karpf, der Referent des Ordnungsbürgermeisters Martin Schairer (CDU). Der Sprecher der Veranstaltungsgesellschaft in.Stuttgart, Jörg Klopfer, argumentiert ebenso, etwa im Blick auf Volksfest und Frühlingsfest: „Es geht ja um die öffentliche Sicherheit“, sagt Klopfer. Der Wasen sei schließlich ein öffentliches Gelände. In den Zelten seien eigene Sicherheitsmitarbeiter im Einsatz. „Da haben die Wirte das Hausrecht, deswegen stellen sie auch das Sicherheitspersonal“, erläutert der Sprecher der in.Stuttgart. Neben dem Schutz des öffentlichen Raums sei die Polizei auf dem Wasen natürlich auch für die Verfolgung der Straftaten zuständig, ob diese sich in den Gassen zwischen den Schaustellerbuden oder in den Zelten zutragen. „Wir tauschen uns vor den großen Veranstaltungen mit der Polizei aus und haben eine gute Zusammenarbeit“, fügt Jörg Klöpfer hinzu.

Ähnlich ist es beim VfB Stuttgart: Die Polizei sorgt draußen für Sicherheit, der Verein im Stadion. „Bei einem durchschnittlichen Bundesliga-Spiel haben wir rund 800 Ordner im Einsatz, die uns etwa 120 000 Euro kosten“, sagt Tobias Herwerth, der Sprecher des VfB. In Bad Cannstatt setze man beim Verein auf die Revisionsverhandlung: „Wir sind überzeugt, dass das Urteil so nicht haltbar ist“, so Herwerth.

Polizei hat in Stuttgart besondere Aufgaben

„Wir konzentrieren uns auf die Sicherheit“, sagt der Pressesprecher Renato Gigliotti vom Innenministerium. Beim Fußball wie auch bei gewaltbereiten Festzeltbesuchern, die unter Alkoholeinfluss handgreiflich werden können, gehe es darum zu ergründen, woher die Gewalt rühre. „Das ist unser Ansatz“, betont Gigliotti.

Bei der Berechnung, wie viel Polizei in welcher Stadt eingesetzt wird, seien Großveranstaltungen und andere Ereignisse und Gegebenheiten berücksichtigt. Grundsätzlich werde die Stärke der Polizei für eine Stadt aufgrund von drei Faktoren berechnet, erläutert Gigliotti: der Einwohnerzahl, der Kriminalitätsrate und der Zahl der Verkehrsunfälle. In Stuttgart sei aber eingerechnet, dass ein paar mehr Aufgaben hinzukommen. Dazu zähle etwa der Objektschutz rund um den Landtag oder der amerikanischen Liegenschaften. „Dem wird natürlich Rechnung getragen“, sagt Gigliotti.

Außerdem sei berücksichtigt, dass in einer Landeshauptstadt mehr Demonstrationen stattfinden, ebenso sei an den Fußball gedacht. Genaue Zahlen dazu gebe es nicht. Aber zum Beispiel habe Stuttgart eine eigene Einsatzhundertschaft, die ständig in der Stadt zur Verfügung stehe. Bei großen Einsätzen kommt das Polizeipräsidium Stuttgart dennoch nicht ohne auswärtige Kräfte und Überstunden aus.

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