Polizei-Hubschrauberstaffel Fliegende Polizisten im Anflug

Von Wolf-Dieter Obst 

SEK als Trittbrettfahrer am Polizeihubschrauber: So sah eine Vorführung  am letzten Tag der offenen Tür der Staffel im Juli 2007 aus Foto: StN
SEK als Trittbrettfahrer am Polizeihubschrauber: So sah eine Vorführung am letzten Tag der offenen Tür der Staffel im Juli 2007 aus Foto: StN

Wenn es knattert, ist’s ein Bussard: Die Polizei-Hubschrauberstaffel hat von oben den besten Blick. Am Sonntag gibt es auch unten was zu sehen – etwa den künftigen Super-Helikopter.

Stuttgart - Ziemlich steif stehen sie da Spalier, die ersten sechs Beamten der Polizei-Hubschrauberstaffel. Im Juni 1965 war’s, als die ersten Helikopter des französischen Typs Alouette (zu Deutsch: „Lerche“) vom damaligen Innenminister Hans Filbinger feierlich getauft wurden.

Ganz so steif wird es am Sonntag nicht zugehen. Zu spektakulär ist das Programm zum 50-Jahr-Jubiläum der fliegenden Polizisten, die auf den Funkruf „Bussard“ hören. Auf dem südlichen Flughafengelände beim US Airfield werden beim Tag der offenen Tür bis zu 20 000 Besucher erwartet. Geboten wird eine Premiere: Der weltweit erste Polizeihubschrauber der neuesten Generation wird zu sehen sein. Der H 145 von Airbus Helicopters soll zuerst bei den fliegenden Polizisten in Stuttgart eingesetzt werden – voraussichtlich von Anfang 2016 an.

Sechs neue Maschinen des Typs sollen bis Ende nächsten Jahres angeschafft sein – das Land lässt sich das 60 Millionen Euro kosten. „Ein wichtiger Beitrag zur Sicherheitsarchitektur in Baden-Württemberg“, sagt Landesinnenminister Reinhold Gall, „ob bei Verbrecherjagd oder Vermisstensuche hat man den besten Blick immer von oben.“ Dabei soll die Flotte der modernen Helikopter nicht allein dem Ansehen dienen. Sondern auch Kosten sparen: Verschiedene Helikoptermodelle erwiesen sich für den Landesrechnungshof als zu teuer bei Wartung und Schulung. Mit der Ein-Modell-Flotte soll alles wie aus einem Guss fliegen.

Schwerpunkte sind Vermisstensuche und Fahndung

Neuer Schwung also für die Hubschrauberstaffel, die sich in den letzten 50 Jahren stark gewandelt hat. Schwerpunkte sind Vermisstensuche und Fahndung. Verkehrspatrouillen über der Autobahn, einst Hauptaufgabe, haben deutlich nachgelassen. Wie auch die sogenannten Vip-Flüge. Der Staffelchef der 80er Jahre musste sich noch als „Leiter der Späth-Airlines“ verspotten lassen. Eine Anspielung auf den damaligen Ministerpräsidenten Lothar Späth, der wie viele andere Prominente das Einsatzmittel Bussard reichlich nutzte.

Bis es 1998 zu einer der dunkelsten Stunden der Staffel kam. Am 7. Dezember machte ein Hubschrauber vom Typ Bell 212 auf dem Stuttgarter Flughafen eine Bruchlandung. Passagier an Bord: Der damalige FDP-Wirtschaftsminister Walter Döring. Er wurde schwer verletzt – ebenso die beiden Besatzungsmitglieder. Der Pilot hatte im aufwirbelnden Schneegestöber die Kontrolle verloren. Später stellten die Experten außerdem fest, dass das Hallenvorfeld als Landeplatz eine unzulässige Neigung hatte. Die Flüge mit Landespolitikern gingen nach 1999 deutlich zurück – von 91 auf 54. Auch heute gibt es weniger Vip-Flüge, heißt es.

Dafür werden auch mal Straftäter transportiert. Ein 32-jähriger Mordverdächtiger, der 2001 in Stuttgart-Rot ein Fotomodel umgebracht hatte, wurde in Frankfurt/Main dingfest gemacht und von Beamten der Mordkommission umgehend im damals nagelneuen Eurocopter-Hubschrauber zurück nach Stuttgart gebracht. Auch das Spezialeinsatzkommando (SEK) nutzt den schnellen Hubschraubertransport. Am Sonntag gibt es beim Tag der offenen Tür zwei Vorführungen – die Beamten präsentieren sich als Trittbrettfahrer.

Die fliegenden Polizisten geraten aber auch selbst ins Visier. Im Januar 2012 fahndeten sie in Esslingen nach einem Drogeriemarkt-Räuber – als die Besatzung plötzlich mit einem Laserlichtstrahl geblendet wurde. Die Beamten lotsten Polizeistreifen zur Quelle. Das Motiv des 38-jährigen Täters: Er hatte sich über den Fluglärm geärgert.

Wer feiert? Die Hubschrauberstaffel der Polizei präsentiert sich am Sonntag, 26. Juli, von 11 bis 17 Uhr auf dem südlichen Teil des Flughafens beim US Airfield.

Was läuft? Als Höhepunkt gilt eine SEK-Einsatzvorführung um 12.45 und 15.15 Uhr. Der Flugverkehr ruht für 20 Minuten. Präsentiert werden auch Polizeihunde und Polizeipferde und der künftige Dienst-Hubschrauber H 145.

Wo parken? An den Messe-Parkplätzen P 25/34 und P 26 (Westeingang) sowie Real- und Selgros-Parkplätzen in Bernhausen gibt’s einen Buspendelverkehr.

 

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