Peter Kolwens Job ist vor allem einer Im Büro, aber er will trotzdem für die Menschen da sein Foto: Tilman Baur

Das zwischen Peter Kolwe und der Polizei hat einst als Zufall begonnen, wurde dann aber zu einer Leidenschaft. Heute ist der 59-Jährige neuer Revierleiter auf den Fildern in Stuttgart-Möhringen.

Möhringen - Auf Peter Kolwes Kaffeetasse prangt das blau-weiße Logo eines Fußballvereins. Die Kickers sind es nicht – sondern Hertha BSC Berlin. Trotz vieler Jahrzehnte im Südwesten hält der 59-Jährige dem Klub seiner Kindheitsjahre die Treue. Der neue Leiter des Polizeireviers 4 in Möhringen ist zwar in Hannover geboren, kam aber bereits als Säugling ins damals bürgerliche Kreuzberg in West-Berlin, wo er die Grundschule besuchte.

Anfang der 1970er Jahre zog es die Familie schließlich ins idyllische Südbaden, wo die Großeltern ein Ferienhaus besaßen. Dort verbrachte Kolwe eine behütete Kindheit und Jugend. Zur Polizei kam er eher zufällig. „Meine Kumpels und ich wussten nicht so recht, was wir mit uns anfangen sollen“, erzählt Peter Kolwe. Das änderte sich, als eines Tages ein Werbebus der Polizei ins Städtchen Todtnau einfuhr. Die Besatzung stellte den jungen Männern eine verheißungsvolle Zukunft im Polizeidienst in Aussicht. „Damals hieß es, wir könnten in vier Jahren Kommissar werden“, erinnert sich Kolwe und wirkt amüsiert. Das stimmte zwar nicht. Seine Entscheidung, Polizist zu werden, hat er dennoch nie bereut. „Es gibt keinen schöneren Beruf, denn er hat so viele Facetten. Bei der Polizei findet jeder etwas, das ihm liegt und wo er seine Fähigkeiten zur Geltung bringen kann.“ Seine preußischen Wurzeln erleichterten ihm die Berufswahl zusätzlich, denn Kolwes Urgroßvater diente schon bei der Berliner Kriminalpolizei.

Wimpeln und Polizeihelme aus aller Herren Länder

Ohnehin reicht ein Blick ins Büro des Revierleiters, um festzustellen, dass hier jemand seinem Beruf mit Leidenschaft nachgeht. Wimpel und Polizeihelme aus aller Herren Länder hängen dort: britische Bobby-Helme, ein französischer Einsatzhelm aus den 1950er Jahren, ein weißer „Tropenhelm“ der monegassischen Polizei, eine Mütze der DDR-Volksmarine und eine der amerikanischen Polizei aus Washington (Missouri), einer Partnerstadt Marbachs, wo Kolwe zuletzt als Revierleiter diente. Nur eine preußische Pickelhaube findet sich noch nicht in der Sammlung, „da bin ich noch auf der Suche“, sagt er.

Kolwe hat ein Faible für Geschichte. Die Sammlung konnte er auch aufgrund seiner guten Kontakte zu ausländischen Polizeiorganisationen aufbauen, die er seiner Mitgliedschaft in der International Police Association (IPA) verdankt. Diese Erfahrung dürfte ihm auch bei der Kommunikation mit den Vertretern der Patch und Kelley Barracks zugute kommen, deren Pflege zu den Aufgaben des Revierleiters an der Balinger Straße gehört. Bereits in den 1990er Jahren arbeitete Kolwe in der Dienststelle „Internationale Rechtshilfe“ beim Landeskriminalamt (LKA) in Stuttgart und hatte es täglich mit französischen Kollegen zu tun – die Sprache des Nachbarlands beherrscht er fließend.

Er bleibt bis zur Pensionierung, wenn alles nach Plan läuft

Nach acht Jahren als Leiter der Personenfahndung im Kriminal-Dauerdienst in Stuttgart wechselte Kolwe 2009 als Revierleiter nach Marbach. Auf den Fildern wird er, wenn alles nach Plan läuft, die verbleibenden drei Jahre bis zu seiner Pensionierung bleiben.

Mit dem neuen Revier ist Kolwe zufrieden. „Mir gefällt das Gesamtpaket hier gut, weil es eine interessante Mischung bietet aus urbanen und ländlichen Gegenden“, sagt er. Viel von diesen Gegenden wird er im Alltag aber nicht zu sehen bekommen. Denn als „Manager der Dienststelle“ besteht sein Alltag größtenteils aus Schreibtischarbeit: Dienstpost und Mails abarbeiten, Personalgespräche führen und das Revier mit den Bezirksämtern vernetzen zum Beispiel.

Trotzdem zieht es den seit 33 Jahren verheirateten Vater zweier erwachsener Kinder zu den Menschen, weshalb er sich gerne bei öffentlichen Anlässen zeigt. Menschenfreundlichkeit und Offenheit seien Werte, die es als Polizist zu leben gelte, sagt Peter Kolwe. „Meine Prämisse ist: Die Polizei ist für die Bürger da.“

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