Man liebt das Volksfest – oder man meidet es, weil man Menschenmengen und Bierzelte nicht mag. Haben Polizistinnen und Polizisten auch die Wahl?
Es ist nicht alles spaßig, was auf dem Wasen passiert. Wenn es besonders unlustig wird, kommt die Polizei ins Spiel: Schlägereien schlichten, aggressive Personen stoppen, Betrunkene einsammeln, auch das kann hier zum Alltag gehören, wenn sich die Karusselle drehen, die Achterbahn rast und die Mandeln mit Zucker im Kessel köcheln.
Kann man sich als Polizistin oder Polizist aussuchen, ob man hier mit im Team sein will? Oder gar sagen „Nein, Wasen mach ich nicht?“ Im Prinzip nicht – aber irgendwie dann doch ein wenig.
„Das Volksfest und das Frühlingsfest gehören zu den Aufgaben des sechsten Reviers“, sagt der Polizeisprecher Stephan Widmann. Das ist das in Bad Cannstatt an der Martin-Luther-Straße. Während der großen Feste am Neckarufer nicht der einzige Dienstsitz, dann ist zusätzlich die Wasenwache besetzt – untergebracht in dem Gebäude am Ende des Platzes zum Parkplatz hin. Ob man aufs Cannstatter Revier kommt, darauf haben die Beamtinnen und Beamten einen gewissen Einfluss. „Man kann Wünsche äußern, wo man hin möchte“, erläutert Widmann. Das ist dann auch nicht für die Ewigkeit – Wechsel sind im Laufe der Dienstzeit eher die Regel als die Ausnahme. Es könne ja schließlich auch sein, „dass es anders ist, als man es sich vorgestellt hat“.
Für die großen Feste und Fußballspiele ist das Revier Bad Cannstatt zuständig
Aber wer in Cannstatt Dienst tut, für den oder die gehören neben der Sicherheit rund um die Fußballspiele im Stadion des VfB Stuttgart eben auch Volksfest und Frühlingsfest dazu. „Aber dass jemand da ein Problem damit hat, das habe ich zumindest noch nie gehört“, sagt Widmann, der früher auch lange in Bad Cannstatt auf dem Revier war. Und nicht zuletzt seien Beamte ja auch an die Weisungen ihrer Vorgesetzten gebunden.
Die Beamtinnen und Beamten aus Bad Cannstatt könnten aber den Dienst während der Wasenzeit auch nicht ganz alleine stemmen – so viel Personal hat das Revier nicht. Und schließlich muss sich auch noch jemand um den Rest von Bad Cannstatt kümmern. Daher komme Unterstützung von der Einsatzhundertschaft und der Bereitschaftspolizei, auch die Verkehrspolizei ist rund um den Wasen im Einsatz. Da allein durch die Schichtzeiten das Soll an Arbeitszeit von 41 Stunden bei der Polizei noch nicht erfüllt ist, machen viele Polizistinnen und Polizisten zusätzliche Dienste, auch das helfe, um für Sicherheit zu sorgen.
Gegenüber den zurückliegenden Festen habe sich „weder an der Sicherheitslage noch an unserem Konzept“ viel geändert. Die Polizei setzt dabei nicht nur auf hohe Präsenz, sondern auch auf Videoüberwachung. Vom Bildschirm aus können die Kolleginnen und Kollegen die Kräfte auf dem Platz steuern, wenn sie ein Getümmel entdecken, das unfriedlich wirkt. Für die Lage gilt, was auch an den Festen zuvor traurige Realität war: Es herrscht eine „abstrakt hohe Gefährdungslage“. Das bedeutet, dass man zwar keine konkreten Hinweise auf dräuende Anschläge oder dergleichen habe. Aufgrund der allgemeinen Situation und der Erfahrung von Fällen wie in Solingen oder Magdeburg könne man sie aber auch nicht ausschließen. Deswegen ist auch der Wasen mit Pollern gegen Anschläge mit Fahrzeugen geschützt.