Max Uthoff zeigt sein Programm „Alles im Wunderland“ in Deutschland. Foto: IMAGO/Funke Foto Services/IMAGO/ErwinxPottgiesser

Max Uthoff überbrückt die Sommerpause in der ZDF-„Anstalt“ mit zwei Abenden im Renitenztheater Stuttgart. An diesem Mittwochabend kann man ihn noch einmal erleben. Es gibt noch vereinzelte Restkarten.

Derweil „Die Anstalt“ wie viele öffentlich-rechtliche Formate in die wohlverdiente Sommerpause entschwunden ist, hat Max Uthoff, der seit Juni Maike Kühl als neues Mitglied der ZDF-Kabarettsendung an seiner Seite hat, Zeit, auf der Bühne zu stehen. Wobei: So viel Zeit hat der in Stuttgart gern gesehene Münchner nicht mehr. Im Gegensatz zu den meist monothematischen „Anstalts“-Sendungen, die nur 45 Minuten dauern, packt er so viel rein in sein fünftes Soloprogramm „Alles im Wunderland“, als ob es sein letztes sein könnte.

 

Noch 7655 Tage zu leben

Gleich zu Beginn der zwei Stunden rechnet Uthoff vor: Die durchschnittliche Lebenserwartung des deutschen Mannes betrage 78 Jahre. Er sei jetzt 56 und habe also noch 7655 Tage, wenn pünktlich Schluss sein sollte. Sicherheitshalber stellt er sich schon mal die Playlist für seine Beerdigung zusammen, damit nicht wie bei so vielen am Ende „I did it my Way“ läuft, so wie er auch daran denkt, die Grabrede selbst zu schreiben.

Grundsätzlich aber ist Max Uthoff trotz sich einschleichender Altersermüdungen viel zu wach, als dass er sich nur um seine persönlichen Befindlichkeiten im Kreis drehen würde. Viel mehr treiben ihn die großen Themen um, auch die drei K-Fragen Krieg, Klima, Kapitalismus. Und natürlich der Rechtspopulismus. Aus seiner ziemlich linken Position heraus werden aber eigentlich fast alle Parteien in ihren schrecklichsten Farben ausgemalt.

Am meisten arbeitet sich Uthoff dabei an der FDP und ihrem Personal ab, die immerhin so ehrlich war, ihre Spitzenkandidatin „Marie-Agnes Flak-Zimmermann“ für die Europawahl als „Mutter Courage“ zu plakatieren, „als eine Kriegsgewinnlerin also“. Auch Markus Söder, der Franz-Josef Strauß immer ähnlicher werde, „nur ohne Latein und Intelligenz“, liefert dem Kabarettisten viel Futter. Zu Olaf Scholz hingegen fällt ihm, kein Wunder, nicht viel mehr ein als „statt Richtlinienkompetenz eher Linienrichterkompetenz“. Die Grünen derweil seien für viele Reizfiguren, „weil sie eine Form der Veränderung symbolisieren, die aber nicht stattfindet“. Und was die anderen angeht: Es mag Millionen Gründe geben, unzufrieden zu sein, von denen auch einige aufgezählt werden, „aber kein einziger rechtfertigt die Wahl von Faschisten!“

Die Freiheit des Kabaretts

Irgendwann sei die „Ambiguitätstoleranz“ eben am Ende, sagt Uthoff, der sich in einem Interview auf „die Freiheit des politischen Kabaretts“ berief, „nicht ständig Pointen machen zu müssen“. Und ja, zwischen Flüchtlingsdramen und Asylpolitik kann nicht alles lustig sein in „Alles im Wunderland“, in dem man sich nicht zu bequem einrichten sollte. Und doch ist man dankbar, wenn der atemlose Redner einfach mal nur einen Kalauer raushaut wie in einer längeren Passage, in der es um schwarze Pädagogik und künstliche Intelligenz geht: Er verliere im Schach selbst gegen seinen Staubsaugerroboter, behauptet Uthoff, vielleicht auch, weil er immer mit dem Läufer ziehe.