Ursula von der Leyen beim Politischen Aschermittwoch in Fellbach. Foto: Patricia Sigerist

Das Zugpferd beim Politischen Aschermittwoch in der Alten Kelter, Arbeitsministerin Ursula von der Leyen, wetterte auch auf schwäbisch.

Fellbach - Der erste Mann der Südwest-CDU kam am Aschermittwoch nicht als Ministerpräsident, sondern als Oppositionsführer in die Alte

Kelter. Thomas Strobl ließ sich trotzdem feiern. Wie ein stolzer König lief er durch die Zuschauermenge. Menschen schwenkten orangefarbene Fahnen und streckten ihre Hände nach dem CDU-Landesvorsitzenden aus.

Später sagte Strobl, man habe im Vorfeld des Politischen Aschermittwochs die Sorge gehabt, ob nach der verlorenen Landtagswahl der Saal überhaupt noch voll zu kriegen sei. Die Sorge war unbegründet. „Die Alte Kelter kracht aus allen Fugen“, sagte Strobl. In seiner Euphorie begrüßte er „2000 Freunde der CDU“.

Doch so viele waren es dann doch nicht. „Wir hatten 1900 Anmeldungen für 1600 freie Plätze“, sagte Ines Aßfalg , die stellvertretende Vorsitzende des CDU-Stadtverbands Fellbach. Wegen der großen Nachfrage hatte das Organisationsteam extra ein beheiztes Zelt auf dem Parkplatz aufgebaut. Die Redner wie Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen sollten dort via Direktübertragung auf der Leinwand flimmern. Beim Blick ins Zelt wurde eines sofort klar: Dort sitzt niemand.

Also waren es etwas mehr als 1600 CDU-Anhänger, die in der Alten Kelter den Politikern lauschten. Die ließen mal wieder die Muskeln spielen und trällerten ein Loblied nach dem anderen auf Baden-Württemberg. Niemand dürfe die Kraft von mehr als 70 000 Mitgliedern unterschätzen, sagte Strobl. Man werde „allerspätestens 2016“ wieder die Macht im Land übernehmen.

„Kuschelige Drückebergerzeit vorbei“

Auch wenn Strobl in einem Janker steckte, seine Rede erinnerte nicht an die Gaudi zum Faschingsende, wie sie in Passau bei der CSU gepflegt wird. So dürfte es beispielsweise niemanden in der Alten Kelter gegeben haben, der das Wort „Verkehrsverhinderungsminister“ im Zusammenhang mit Winfried Hermann (Grüne) nicht schon öfter gehört hat.

Parteichef Strobl erklärte die grün-rote Schonzeit für beendet. „Wenn man ein Land führen will, muss nicht die Klappe, sondern die Kasse stimmen.“ Aber auch das Thema Länderfinanzausgleich erregte seinen Unmut: „Wir sind nicht die nützlichen Idioten der Bundesrepublik.“

Ursula von der Leyen war natürlich das Zugpferd der Veranstaltung. „Ich komme gerne nach Baden-Württemberg, denn da gibt’s nichts für mich zu tun“, sagte die Bundesarbeitsministerin zur Begrüßung. Die Niedersächsin sparte nicht mit Wortwitz: „Ich bin aus Hannover, wo man nichts kann außer Hochdeutsch.“ Selbst an den schwäbischen Dialekt traute sie sich ran: „Gell, da sagscht nix mehr“, zitierte sie einen Politikerkollegen.

Die stellvertretende CDU-Bundesvorsitzende knöpfte sich als Gastrednerin in Fellbach die Landesregierung vor. „Die kuschelige Drückebergerzeit der Grünen ist vorbei“, sagte Ursula von der Leyen. Sie kritisierte vor allem die Bildungs- und die Verkehrspolitik. So forderte sie Verkehrsminister Winfried Hermann wegen seines früheren Widerstands gegen Stuttgart 21 zum Rücktritt auf. Es sei ein Unding, dass der Grüne nun das Bahnprojekt umsetzen solle. „Da kann man ja gleich die Elefanten aus der Wilhelma in den Porzellanladen schicken. Das ist genauso wirksam“, sagte Ursula von der Leyen. Dafür gab es kräftigen Applaus. Joachim Pfeiffer, der Kreisvorsitzende der CDU Rems-Murr, zollte der Arbeitsministerin Respekt: „Sie sind Aschermittwochtauglich“, sagte er.

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