Andreas Schwarz, Winfried Hermann, Köngens Bürgermeister Ronald Scholz und Landrat Marcel Musolf (von links)Foto: kd Foto:  

Nahverkehr, Tempolimit, Expresszug: Die Wunschliste von Bürgermeistern und Landrat ist lang. Der Verkehrsminister hat nur bedingt gute Nachrichten.

Die Zukunft der Mobilität ist von großer Bedeutung – deswegen stand das Thema auch ganz oben auf der Agenda einer kommunal- und landespolitischen Runde in der Köngener Zehntscheuer.

 

Der Treff auf Einladung des Kirchheimer Landtagsabgeordneten Andreas Schwarz (Grüne) hat Tradition – bereits seit acht Jahren findet die Veranstaltung kurz vor der Sommerpause statt. Dabei waren fast alle Bürgermeister aus dem Kreis sowie Landrat Marcel Musolf, die die Möglichkeit zum Austausch mit Landes-Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) nutzten. „Die rege Teilnahme zeigt, wie wichtig es ist, relevante Themen zu besprechen“, sagte Schwarz.

Anstrengende Baustellen auf Brücken

Viel Raum nahm demnach der öffentlichen Nahverkehr ein. Dabei, so Schwarz, sei klar geworden, dass in Sachen Schienenverkehr eine höhere Zuverlässigkeit nötig ist. Doch zumindest für die nächsten einhalb Jahre ist Besserung nicht in Sicht, bedauerte Verkehrsminister Hermann, was den S21-Baumaßnahmen geschuldet sei.

Auch bei Brücken brauchen Verkehrsteilnehmer einen langen Atem – Hermann kündigte an, dass die Sanierung von Brücken vom Land priorisiert werde: „Brücken sind die Achillesfersen im Verkehr, aber es geht nicht anders. Die Kommunen werden einige Baustellen in Kauf nehmen müssen.“

Eine klare Absage erteilte der Verkehrsminister, dem Wunsch den Expresszug von Wendlingen nach Ulm beizubehalten: „Das ist bitter, persönlich fände ich die Anbindung sinnvoll, aber aus Sicht von Bahn und Land ist das leider nicht möglich.“ Besser sieht es in Sachen S-Bahn-Verlängerung nach Weilheim aus. Nachdem eine Studie dem Projekt seine Wirtschaftlichkeit bescheinigt hat, sei die Ausgangsposition so gut wie nie zuvor, sagte Schwarz. Er betonte aber auch, dass auch die Elektrifizierung der Strecke nach Oberlenningen nötig sei: „Hier steht noch viel konzeptionelle Arbeit an.“

Minister will Bittsteller in Berlin sein

Weiter verfolgen will Schwarz die Idee, das Neckartal und die Filderebene per Schiene zu verbinden – auch ein großer Wunsch der Verwaltungschef im Kreis. „Bisher haben sich hierbei alle Vorschläge zerschlagen“, bedauerte Schwarz und kündigte an, dass man weiter nach anderen Lösungen suchen werde. „Das Thema bewegt uns seit vielen Jahren“, bestätigte Landrat Musolf. Der Landkreis habe deswegen eine Machbarkeitsstudie, ob eine Verlängerung der U7 von den Fildern nach Esslingen wirtschaftlich sein, in der Mache.

Ein anderer großer Wunsch der Bürgermeister ist ein Tempolimit auf der A8 – nicht nur in puncto Lärm, auch unter dem Sicherheitsaspekt. Die Bürgermeister der Anrainerkommunen untermauerten das mit den Einsatzzahlen ihrer Feuerwehren bei Unfällen. „Ein Tempolimit auf der A8 ist schon lange mein Anliegen“, stimmte Hermann uneingeschränkt zu. Allerdings sei hier der Bund und nicht das Land zuständig. Der Minister versprach aber, alle Hebel ansetzen zu wollen: „Ich bin bereit als Bittsteller auf den Bund zuzugehen.“ In Sachen innerörtlicher Temporegulierung, etwa vor Schulen oder Seniorenheimen, versprach Hermann Erleichterungen für die kommunale Hand.

Leidige Diskussionen beim Radschnellweg

Ein leidiges Thema sei indes der Bau neuer Radschnellwege: „Alle wollen einen haben, wenn es aber an die Trassenführung geht, gibt es endlose Diskussionen“, bedauerte Hermann. „Da müssen wir schneller weiterkommen“, forderte auch Schwarz und wünschte sich, mit Blick auf die geplante Trasse über Plochingen nach Stuttgart: „Der Plochinger Stadtrat muss hier konstruktiver werden.“

Mittlerweile liegen drei Varianten zur Auswahl beim Land, im Herbst soll ein Entscheidung fallen. Der Gastgeber, Köngens Bürgermeister Ronald Scholz, lobte den konstruktiven Austausch des Treffs und versprach: „Der Ausbau von Schienen- und Radverkehr wird von den Kommunen unterstützt.“

In der zunächst veröffentlichten Version dieses Artikels lautete die Überschrift „Tempo 80 auf der A 8: Minister Hermann ist dafür“. Das ist falsch: Bei dem Termin waren keine genauen Angaben zur Höhe eines Tempolimits genannt worden.