Lázló Peters, Gerhard Hütter und Jochen Buchholz (von links) ziehen politisch neuerdings an einem Strang. Foto: Judith A. Sägesser

Dank der stadtweiten Fraktionsgemeinschaft haben SÖS, Linkspartei und Piraten einen Sitz im Bezirksbeirat Plieningen und Birkach ergattert. Doch kann die Zusammenarbeit überhaupt funktionieren? Ein Besuch an der Basis.

Birkach/Plieningen - Gerhard Hütter ist ein Mann des Papiers. Bevor die Piraten gekommen sind, hat er sich mit Kugelschreiber Gedankenstützen auf ein Blatt gekritzelt. Und wenn die mal nicht mehr reichen, durchstöbert er die drei Mappen, die neben ihm liegen. Sie sind sein Archiv für die Themen in Birkach und Plieningen. Gerhard Hütter ist ein alter Hase. So nennt er sich selbst, und es ist etwas Wahres dran.

Der Steckfelder saß acht Jahre für die SPD im Plieninger und von 1978 bis 1994 im Degerlocher Bezirksbeirat. Nach einer Pause wegen des Austritts bei den Genossen 2011 ist er nun wieder zurück im Plieninger Gremium. Als Vertreter des parteifreien Bündnisses SÖS, kurz für Stuttgart Ökologisch Sozial. Weil es SÖS, Linkspartei, Piraten und Studentische Liste jeweils für sich nach der Kommunalwahl nicht auf Fraktionsstärke gebracht hätten, haben sie sich zusammengetan. In Birkach und Plieningen hat die Fraktionsgemeinschaft mit Hilfe dieser Fusion jeweils einen Sitz ergattert. In Birkach ist Sebastian Exner (Linke) ordentlicher Bezirksbeirat, und in Plieningen eben Gerhard Hütter (SÖS). Die Piraten Lázló Peters aus Birkach und Jochen Buchholz aus dem Steckfeld sind Stellvertreter. Die Studentische Liste ist in den beiden Filderbezirken nicht vertreten.

Es geht freundschaftlich zu, man duzt sich

Doch wie arbeitet dieses Trüppchen an der Basis eigentlich zusammen? Am Esstisch von Gerhard Hütter geht es recht freundschaftlich zu, man duzt sich. Sebastian Exner von der Linken lässt sich entschuldigen, er muss aufs Kind aufpassen. Deshalb wird der Hausherr an jenem Abend nur von den beiden Piraten Peters und Buchholz flankiert. Die beiden jüngeren Männer sind erst seit vergangenem Jahr Piraten. Peters arbeitet als Software-Berater, Buchholz als Informatiker. Letzterer grinst, weil das ins Bild passt. Nur lange Haare hat hier keiner.

Hütter, Peters und Buchholz bereiten sich auf die Sitzung des Bezirksbeirats am nächsten Montag vor. Den vollen Mappen Hütters liegen die unbeschriebenen Blätter der Piraten gegenüber. Was haben diese drei Männer gemeinsam, außer dass sie alle eine Brille tragen?

Wird der 37-jährige Jochen Buchholz gefragt, ob er je gedacht hätte, dass er mal etwas mit der Linken anfängt, kommt die Antwort prompt: „Definitiv nicht.“ Unter dem Strich glauben die Kleinkoalitionäre aber, dass sie sich politisch in den nächsten fünf Jahren nicht bis selten in die Haare bekommen werden. „Auch deshalb, weil wir als Bezirksbeiräte nur wenig mitzubestimmen haben“, sagt Hütter.

Reibereien beim Thema Mobilfunk?

Der Bezirksbeirat ist ein beratendes Gremium, nicht mehr und nicht weniger. „Reibereien könnte es am ehesten beim Thema Mobilfunk geben“, sagt Buchholz. Aus seiner jahrelangen Erfahrung weiß der alte Hase Hütter zu berichten, dass Reibereien auch in den besten Parteien vorkommen. Er spielt auf die SPD an und dass sich die Mitglieder auch nicht einig waren, ob die Körschtalschule eine Gemeinschaftsschule werden soll. „Deshalb gibt es ja solche vorbereitenden Treffen“, sagt er und meint die abendliche Besprechung in seiner guten Stube. „Man redet über die Unterschiede“, sagt Buchholz, „das finde ich schon mal gut“. Das ist Demokratie im Miniaturformat.

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