Wie ist es um die Vereinbarkeit von Beruf und Familie in den Ministerien und im Stuttgarter Landtag bestellt? Und welche Rolle spielen Familienzimmer und Tagesmütter?
Stuttgart - Auf 20 Kinder bringt es das Kabinett von Winfried Kretschmann: Der Ministerpräsident (73) selbst hat drei Kinder, genau wie Landwirtschaftsminister Peter Hauk (60) und Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut (48). Jeweils zwei Kinder haben Sozialminister Manfred Lucha (60), Kultusministerin Theresa Schopper (60), Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (56) und Umweltministerin Thekla Walker (52). Ein Kind bringen Verkehrsminister Winfried Hermann (69), Justizministerin Marion Gentges (50) und Finanzminister Danyal Bayaz (37) mit. Das dreieinhalb Monate alte Baby von Bayaz ist das jüngste Kind, alle anderen sind Teenies oder erwachsen.
Wie steht es um die Karrierechancen bei Frauen?
Das Thema Kinderbetreuung spielt in den Ministerien dennoch eine Rolle. Für „Stami-Kinder“ steht die Kita Villa Reitzensteinle bereit. Auch im Innenministerium bietet das Kinderhaus Die Willys 21 Plätze an. Bis auf drei werden derzeit alle von Eltern in Anspruch genommen, die in den umliegenden Ministerien oder Behörden arbeiten. Im Kultusministerium dürfen Eltern ihre Kinder „im Ausnahmefall“ auch am Arbeitsplatz betreuen. Theresa Schopper lässt dafür ein Eltern-Kind-Zimmer einrichten.
Der Anteil der Teilzeitbeschäftigten liegt in den meisten Ministerien bei mehr als 20 Prozent, im Sozial- und Kultusressort bei mehr als 30. Bei Schopper arbeiten fünf von 60 Mitarbeitern mit Leitungsaufgaben in Teilzeit. Das entspricht eine Quote von acht Prozent, im Umweltministerium liegt die bei rund zehn Prozent. Um Karrierechancen von Frauen zu verbessern, haben einige Ministerien Chancengleichheitspläne erarbeitet.
Wie viele Babys waren bisher schon im Landtag?
Der Landtag hat in Sachen Vereinbarkeit von Beruf und Familie im Jahr 2014 eine Vorreiterrolle übernommen. Abgeordnete können bei laufenden Bezügen für sechs Monate eine Befreiung von Teilnahmepflicht an Plenar- und Ausschusssitzungen beantragen. Nur sechs Abgeordnete haben dies bisher in Anspruch genommen. Vertreten wurden sie nicht, stattdessen gehört es zum fairen Umgang, dass bei einer Abstimmung auch ein Parlamentarier der Gegenseite auf seine Stimmabgabe verzichtet.
Für die Kinderbetreuung der Abgeordneten steht ebenfalls die Kita im Innenministerium bereit. Außerhalb derer Öffnungszeiten kümmert sich an ganztägigen Plenarsitzungstagen eine Tagesmutter um die Kleinen. Bisher haben nur zwei Abgeordnete ihr Baby mit in den Plenarsaal gebracht. Die Sitzungsleitung hat dies anstandslos gestattet.
Lesen Sie aus unserem Plus-Angebot: Vater und Minister? Interview mit Danyal Bayaz