Erst vor Kurzem hat Thomas Jakob (links) das sanierte historische Rathaus eingeweiht. Foto: Michael Steinert

Thomas Jakob, der Bezirksvorsteher von Bad Cannstatt, wird Bürgermeister: Reaktionen auf den Wechsel nach Hockenheim.

Bad Cannstatt - Den 20. Juli 2014 dürfte sich Thomas Jakob schon mit Rotstift im Kalender markiert haben. „Beim nächsten Formel-1-Rennen am Hockenheimring bin ich live dabei.“ Das Rennen wird direkt vor seiner neuen Haustür stattfinden: Zum 1. Januar 2014 tritt Jakob die Nachfolge von Bürgermeister Werner Zimmermann an. Als Beigeordneter des Hockenheimer Gemeinderats wird er für Finanzen, Ordnungsangelegenheiten, Soziales, Bildung, Kultur und Sport verantwortlich sein.

Der Zeitpunkt, Bad Cannstatt zu verlassen, sei günstig

„Die Stellung ist politisch interessanter, bietet mehr Einfluss und Verantwortung“, begründet Jakob seine Entscheidung, sich auf die Position beworben zu haben. Am Mittwochabend hat sich der 54-Jährige im ersten Wahlgang gegen zwölf Mitbewerber durchgesetzt. Die Möglichkeit, Einfluss zu nehmen, habe er im Bezirksbeirat vermisst, der ein beratendes Gremium ist: „Für einen politisch denkenden und arbeitenden Menschen ist es nicht die Erfüllung, Bezirksvorsteher zu sein“, sagt Jakob. Er schließe sich der Forderung seines Kollegen Martin Körner an. Der Bezirksvorsteher von S-Ost hatte gefordert, die Bezirksbeiräte direkt wählen zu lassen und mit den Befugnissen auszustatten, selbst Entscheidungen für ihre Bezirke treffen zu können. Als Erster Bürgermeister, so Jakob, sei nun „viel mehr möglich“. Er freue sich auf die Herausforderung, die Geschicke der Stadt mitzubestimmen, die durch den Hockenheimring und vier Partnerstädte internationales Flair versprühe. Der Zeitpunkt, Bad Cannstatt zu verlassen, sei günstig: „Ich freue mich, dass die Bürger nach einem langen und schweren Kampf nun die Chance haben, im Kursaal ein Zentrum zu bilden“, sagt Jakob.

Nachvollziehen kann er den Entschluss nicht

Sein Parteifreund Roland Schmid hält den Zeitpunkt kurz vor den 2014 anstehenden Kommunalwahlen für weniger optimal. „Bad Cannstatt ist ein wichtiger Stadtbezirk und die Cannstatter CDU hätte gerne noch länger mit Thomas Jakob zusammengearbeitet.“ Wirklich überrascht habe ihn die Nachricht allerdings nicht: „Es war klar, dass Thomas Jakob mit einer neuen beruflichen Herausforderung liebäugelt“, sagt Schmid. Jakob hatte in der Vergangenheit bereits mit dem Gedanken gespielt, für die Oberbürgermeister-Posten in Bad Mergentheim und Göppingen zu kandidieren, vor den Wahlen jedoch zurückgezogen. Roland Schmid und seine Frau, die Stadträtin Beate Bulle-Schmid, wünschen Jakob persönlich alles Gute – auch wenn Roland Schmid selbst nicht nach Hockenheim gegangen wäre: „Es ist eine relativ kleine Stadt“, begründet der Sprecher der CDU-Bezirksbeiratsfraktion.

Anders als für Schmid kam die Neuigkeit für den Grünen-Bezirksbeirat Peter Mielert „ziemlich überraschend“. Er habe erst am Donnerstagmorgen aus der Zeitung davon erfahren. Nachvollziehen kann er den Entschluss nicht. „Ich verstehe das nicht“, so Mielert. Schließlich habe Jakob viele wichtige Dinge, wie die Fertigstellung des Alten Rathauses oder die Eröffnung des Kursaals als Bürgerhaus, mit auf den Weg gebracht. Ganz ähnlich empfindet auch Stefan Conzelmann (SPD). Natürlich habe sich immer wieder angedeutet, dass Jakob nach neuen Aufgaben suche. Aber gerade in jüngster Zeit habe er den Eindruck gehabt, dass er in der Aufgabe als Bezirksvorsteher angekommen sei. „Ich dachte, das Thema ist vom Tisch“, so der Sprecher der SPD-Bezirksbeiratsfraktion.

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