Ein seltener Anblick: die Sternwarte in Welzheim mit Polarlichtern. Foto: Bernd Würsching

Knalliges Rot, Orange und intensive Grüntöne: Um Polarlichter zu sehen, muss man derzeit nicht weit reisen. Unser Leser Bernd Würsching hat in Welzheim faszinierende Fotos gemacht.

Die Nacht von Montag auf Dienstag war für Bernd Würsching aus Welzheim (Rems-Murr-Kreis) recht kurz. Erst morgens gegen 1 Uhr ist er ins Bett gekommen – nach einer spontanen abendlichen Fototour rund um Welzheim. „Ich habe eine App, die am Montagabend angeschlagen und Polarlichter angesagt hat“, erzählt der Welzheimer. Beim genaueren Blick darauf zeigte sich jedoch, dass zwar für den skandinavischen Raum Polarlichter in Aussicht gestellt wurden, nicht aber für Welzheim: „Bei uns waren null Prozent vorhergesagt.“

 

Bernd Würsching ist trotz dieser eher entmutigenden Vorhersage und trotz frostiger Temperaturen nochmal los gezogen – und wurde belohnt: An der Sternwarte in Welzheim und am Limeswall sind ihm faszinierende Fotos der in unseren Breiten seltenen Polarlichter gelungen. Die vertrauten Orte erscheinen darauf in ganz neuem Licht. Die Farbpalette reicht von Giftgrün über Orange bis hin zu einem satten Dunkelrot. „Ich versuche immer im Kontext zu fotografieren“, sagt der Welzheimer, der im vergangenen Jahr in Sachen Polarlichter schon einmal Glück hatte: damals glückte ihm eine farbenprächtige Aufnahme beim Welzheimer Ostkastell.

„Das sind keine KI-Bilder, ich habe nichts manipuliert“, versichert Bernd Würsching. Fotografiert hat er mit einer Spiegelreflexkamera auf einem Stativ. Offene Blende, Langzeitbelichtung und als zusätzliche Lichtquelle das Handy – so sind die spektakulären Bilder entstanden. Das nötige Wissen und Handwerkszeug hat Bernd Würsching noch aus seiner Zeit als Student: „Ich habe mir mein Studium als Fotograf beim Mannheimer Morgen verdient.“ Inzwischen arbeitet er seit vielen Jahren als Ingenieur in der Automobilbranche, hat aber auch noch ein Studium der Fotografie absolviert.

Blutroter Himmel am Limeswall

Der Limes (links) und die Sternwarte Welzheim mit Polarlichtern. Foto: Bernd Würsching

Die Voraussetzung für Polarlichter sind laut dem Deutschen Wetterdienst (DWD) „geomagnetische Stürme“. Stark vereinfacht erklärt sind damit heftige Schwankungen des irdischen Magnetfeldes gemeint, die durch Sonnenwind entstehen. Dessen elektrisch geladene Teilchen, die in die Erdatmosphäre eindringen, regen verschiedene Arten von Molekülen und Atomen dazu an, Licht abzugeben. Je nachdem, bei welcher Art und in welcher Höhe das geschieht, entstehen grüne, rote, violette oder blaue Polarlichter.

Nach der Einschätzung des Deutschen Wetterdiensts ist das Naturschauspiel vorerst beendet, die Experten erwarten in den kommenden Tagen keine weiteren Leuchterscheinungen am Himmel. Bernd Würsching wird am Dienstagabend aber vielleicht trotzdem nochmals mit seiner Kamera losziehen – auf der Suche nach Polarlichtern.