Trainer Sandro Schwarz sieht im Pokalspiel gegen den VfB eine große Chance für seinen Club. Foto: dpa

Die Rheinhessen haben nicht nur im Pokalspiel gegen den VfB mit geringem Faninteresse zu kämpfen. Dagegen werden die Stuttgarter von 4500 Fans im gegnerischen Stadion unterstützt.

Mainz - Es hat am Montag zur Mittagszeit etwas gedauert, bis auch Rouven Schröder auf der obligatorischen Pressekonferenz des FSV Mainz 05 an der Reihe war. Seine Worte zum anstehenden DFB-Pokal-Achtelfinale gegen den VfB hatte sich der Sportvorstand da längst überlegt. „Wir fiebern alle darauf hin. Wer Mainz 05 im Herzen trägt, kommt ins Stadion.“ Und damit es auch wirklich jeder verstanden hatte, legte der gebürtige Sauerländer noch einmal nach: „Das ist ein Appell an alle, die noch keine Karte haben.“

Erst 20 000 Karten sind vergriffen

Imaginäre Ausrufezeichen begleiteten seinen emotionalen Aufruf. Zum ersten Male seit fünf Jahren bietet sich den Rheinhessen wieder die Chance, ins Viertelfinale des nationalen Cup-Wettbewerbs vorzustoßen, aber die Begeisterungsfähigkeit im unmittelbaren Umfeld hält sich in Grenzen. Erst 20 000 Karten sind bislang verkauft, wobei erstaunlicherweise das Gäste-Kontingent komplett vergriffen ist.

Die Heimmannschaft kämpft indes um jeden Zuschauer. „Wir wollen eine besondere Atmosphäre herstellen – für die Leute, die da sind“, versprach Trainer Sandro Schwarz, der eine „außergewöhnliche Chance als Club“ sieht, um sich kurz vor Heiligabend eine vorgezogene Bescherung zu bereiten. Aber der gemeine „Meenzer“ hat in der Vorweihnachtszeit offenbar Besseres zu tun.

So scheint der FSV mittendrin in einem schleichenden Entfremdungsprozess, zumal sich das Image als selbst ernannter Karnevalsverein irgendwie verbraucht hat. Der langjährige Geschäftsführer Dag Heydecker empfiehlt eine differenzierte Betrachtung. Im Vorjahr lag der Besucherschnitt bei 28 600, aktuell sind es rund 28 000. „Wir haben in der vergangenen Saison in der Zuschauertabelle Platz elf belegt, lagen damit vor Leverkusen, Augsburg oder auch Hoffenheim, die eine sehr erfolgreiche Saison gespielt haben.“ Man stehe für eine Stadt mit etwa 200 000 Einwohnern eigentlich gut da, „auch wenn es einige Partien gibt, bei denen wir mit dem Zuspruch natürlich nicht glücklich sind.“

Als die Nullfünfer vor sechs Jahren von der blechernen Spielstätte am Bruchweg in die moderne Arena am Europakreisel mit ihren 34 000 Plätzen umzogen, stand das Team des damaligen Trainers Thomas Tuchel meist für gute Unterhaltung. 2011/2012 lag der Schnitt bei fast 33 000, sank dann erstmals in der Vorsaison unter die 30 000er-Marke. Hey­decker spricht von einem gewissen Gewöhnungseffekt. „Der Reiz des Neuen ist irgendwann vorüber. Das beste Marketing findet aber immer noch auf dem Platz statt.“ Man habe sicherlich nicht immer den Fußball in der Hinrunde angeboten, „dass die Leute uns die Bude einrennen“.

Mainzer Probleme bei der Außendarstellung

Rückläufige Tendenzen in der Zuschauerentwicklung gäbe es zudem auch an anderen Standorten. Heydecker verhehlt gar nicht, dass die schlechte Außendarstellung mit den Irritationen um die Entlohnung des langjährigen Präsidenten Harald Strutz und die Querelen um den bereits zurückgetretenen Nachfolger Johannes Kaluza bei der Akquise der Fans nicht förderlich waren.

Wie die Marke FSV Mainz 05 mittelfristig positioniert wird, kann aber frühestens im neuen Jahr entschieden werden, wenn am 21. Januar ein neues Oberhaupt gewählt und ab 1. Februar der ehemalige DFL-Manager Jan Lehmann als zweiter Vorstand angetreten ist.

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