1:0 für den VfB: Martin Harnik (gegen Jenas Torwart Koczor) Foto: Baumann

Die Fans von Carl Zeiss Jena verabschiedeten den VfB Stuttgart mit „Absteiger“-Rufen. So weit möge es bitteschön nicht kommen, hoffen die VfB-Anhänger – dabei stieß die Mannschaft sogar beim Viertligisten Carl Zeiss Jena an ihre Grenzen. 2:0, Hauptsache weiter.

Jena - „Willkommen im Paradies“, verhieß ein Transparent im Ernst-Abbe-Sportfeld, doch für beide Mannschaften ging das Versprechen nicht in Erfüllung. Für Jena nicht, weil der tapfere Tabellendritte der Regionalliga Nordost der Sensation in der ersten Runde gegen den Hamburger SV (3:2 n.V.) keine weitere Überraschung folgen ließ. Und der VfB auch nicht, weil ein Sieg über einen Viertligisten auch für den Drittletzten des Oberhauses nur schnöde Pflicht ist. Und die zu erfüllen fiel dem VfB schon schwer genug. „Wir hatten uns vorgenommen, heute nicht in Schönheit zu sterben“, sagte Martin Harnik. Das zumindest ist gelungen.

Hier gibt's die Noten für die Roten

Die nach sieben Ausfällen ersatzgeschwächte Mannschaft, in der Arianit Ferati und Philip Heise ihr Startelf-Debüt feierten, ließ wieder einmal so viele Wünsche offen, dass sie bis zum Ende um den Einzug ins Achtelfinale bangen musste. „Es war nicht einfach, wenn das ganze Stadion gegen dich brüllt. Wir sind froh, gewonnen zu haben“, sagte Timo Baumgartl und fügte selbstkritisch hinzu: „Wir hätten unsere Chancen besser ausspielen müssen.“ Wieder einmal. So fiel die Entscheidung erst in der Nachspielzeit, als Alexandru Maxim einen Handelfmeter verwandelte – Sünder Niclas Erlbeck hatte zuvor Rot gesehen. „Wir haben es nach dem 1:0 leider verpasst, schnell das zweite Tor zu machen, und dann wird es auch mal eng. Aber für uns ging es nur ums Weiterkommen“, sagte Trainer Alexander Zorniger, der mit dem Spiel seiner Mannschaft insgesamt zurecht haderte: „Wir waren später nicht mehr ganz zufrieden mit unserem Auftreten, und es passieren Dinge, die einem nicht so gefallen.“ Um es gelinde zu sagen.

Wer annahm, mit der frühen Führung im Rücken würde der VfB an Stabilität gewinnen und seine Angriffsbemühungen womöglich mit einer Prise Esprit würzen, sah sich getäuscht. Nach einem Einwurf von Florian Klein hatte Martin Harnik zwei Gegenspieler stehen lassen und trocken mit dem rechten Außenrist zum 1:0 abgeschlossen. Da waren 22 Minuten gespielt, nach der österreichischen Co-Produktion konnte es aus VfB-Sicht jetzt losgehen. Doch nichts ging los! Fehlpässe prägten das Offensivspiel, in Tornähe fehlte die letzte Konsequenz, und die Eckbälle von Maxim brachten auch nichts ein. Nur gut, dass Jena eine ganze Weile am Rückstand zu knabbern hatte.

Harnik lobt Pokal-Atmosphäre: „Endlich wieder ein ehrliches Fußballspiel“

Doch was nicht war, konnte ja immer noch klappen. Der VfB jedenfalls leistete seinen Beitrag, als Justin Gerlach den Ball über die Abwehr und dann über Schlussmann Przemyslaw Tyton lupfen konnte – allerdings auch haarscharf über das Tor (38.).

Angepeitscht vom fanatischen Publikum, das jeden Einwurf der Platzherren begeistert feierte, nahmen die Spieler des dreimaligen DDR-Meisters und viermaligen Pokalsiegers nach der Pause ihr Herz in die Hand – eine Atmosphäre ganz nach dem Geschmack von Martin Harnik. „Das war ein klasse Pokalabend. Endlich wieder ein ehrliches Fußballspiel, nicht so steril wie in der Bundesliga“, sagte der Stürmer. Dumm nur, dass nicht nur die Wände wackelten, sondern zunehmend auch der VfB. Nach einer Flanke setzte Manfred Starke zum Kopfball an, sein Gegenüber Toni Sunjic sah seelenruhig zu und hatte Glück, dass der Ball am Außennetz landete (50.). Nach einem Freistoß von Rene Klingbeil durfte Sören Eismann unbedrängt aufs Tor köpfen, Tyton hielt (56.). Und dann trieb es der VfB kunterbunt.

In einem Anfall geistiger Starre vertändelte Sunjic ohne Not den Ball gegen Marcel Bär, Baumgartl klärte in höchster Not (68.). Dann leisteten sich Daniel Schwaab, der Sechser im 4-4-2-System mit Raute, und Tyton ein Missverständnis, Jenas Maximilian Schlegel war zu überrascht, um daraus Kapital zu schlagen. Mit jeder Minute wurde deutlicher: Dieses Spiel kann noch kippen! Doch der VfB rettete sich über die Zeit. Gewonnen, weiter – mit Hängen und Würgen.

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