Sebastian Hoeneß und Fabian Wohlgemuth formen eine Siegermannschaft, doch der Stuttgarter Weg ist noch nicht zu Ende, meint unser Sportredakteur Carlos Ubina.
Da ist das Ding. Atakan Karazor reckt den DFB-Pokal in den Berliner Nachthimmel und erfüllt damit die Sehnsucht des VfB Stuttgart. Nach 18 Jahren (Meisterschaft 2007) gibt es wieder einen Titel zu feiern – und nach 1954, 1958 und 1997 gewinnt der Fußball-Bundesligist zum vierten Mal den nationalen Cupwettbewerb.
Es ist ein historischer Triumph, der mit dem 4:2 über Arminia Bielefeld einen sportlichen Prozess krönt. Vor zwei Jahren spielte der VfB noch in der Relegation und verhinderte den Abstieg in die zweite Liga nur knapp. Jetzt stehen die Stuttgarter wieder für ein attraktives Spiel, das nicht nur schön anzusehen ist, sondern auch Erfolge bringt.
Das ist zunächst das große Verdienst von Sebastian Hoeneß und Fabian Wohlgemuth. Mit Hoeneß als Trainer hat der VfB einen Aufschwung genommen, der den Fans ein dauerhaftes Gefühlshoch beschert. Mit Wohlgemuth als Sportchef hat sich die Kaderplanung in einer Weise entwickelt, die kurzfristig Siege bringt und mittelfristig Perspektiven bietet. Zuerst die Teilnahme an der Champions League und nun der Pokalgewinn, verbunden mit der Qualifikation für die Europa League, sind Ausdruck der neuen Stärke.
Doch hat der VfB zwischen diesen beiden Höhepunkten mit dem neunten Tabellenplatz nur eine durchschnittliche Ligasaison gespielt. Die sportliche Leitung tut also gut daran, die Spielzeit weiter aufzuarbeiten – unabhängig vom Glücksrausch im Olympiastadion. Der Mannschaft mangelte es an Konstanz und ein wenig auch an Qualität, um höheren Ansprüchen in mehreren Wettbewerben zu genügen.
Diese Punkte sollen nun angegangen werden. Der Kader soll – und muss – verstärkt werden, um Stillstand zu verhindern. Nicht in der Breite wie im Vorjahr, als sich die Stuttgarter für die ungewohnte Zusatzbelastung in der Königsklasse aufstellten, sondern diesmal in der Spitze. Der VfB benötigt weitere Spieler, die das Team führen und voranbringen. Auch dazu dient der Pokalgewinn. Die internationale Bühne ist gesichert, es steht mehr Geld für Transfers zur Verfügung – und der VfB erstrahlt in neuem Glanz.