Pokal-Blamage in Rostock Warum der VfB Stuttgart Schiffbruch erlitten hat

Von Heiko Hinrichsen 

Nach dem Pokal-Aus bei Hansa Rostock bemühen sich die Verantwortlichen beim VfB Stuttgart um Ruhe. Die Frage ist: Ist das Pokal-Aus beim Drittligisten Rostock ein Warnschuss zur rechten Zeit oder steckt mehr dahinter?

Rostock - Der Sonntag war längst angebrochen, als der VfB-Tross auf dem kleinen Militär- und Ferienflugplatz in Laage tief in der Nacht per Charterflieger Richtung Stuttgart abhob. Nichts wie weg hier – so hätte die Losung der Unternehmung lauten können, schließlich ist Rostock kein guter Platz für die Fußballer mit dem Brustring. Nun ist es amtlich: Der VfB hat sein Quartett an Pokal-Niederlagen beim FC Hansa zusammen. Wie bereits die Teams von 1992, 1999 und 2005 hat auch die Elf von Trainer Tayfun Korkut im Ostseestadion böse Schiffbruch erlitten. Neu ist, dass mit der 0:2(0:1)-Niederlage beim Drittligisten das Aus bereits in der ersten Runde des DFB-Pokals kam.

Bei seiner Analyse hatte Michael Reschke daher auch alle Mühe, seine Enttäuschung zu verbergen. „Es gehört zum Fußball dazu, dass man mit Rückschlägen umgehen kann“, sagte der VfB-Manager – und richtete den Blick gleich nach vorne: „Es wird uns auch dieses Mal gelingen, wieder vernünftig aufzustehen. Wir sind gefestigt und von unserem Weg überzeugt. Wir sind von einer Krise ganz weit entfernt.“

Alles nur ein Schuss vor den Bug?

Tatsächlich hatte eine tolle Vorbereitung mit acht Testspielen und sechs Siegen ohne jede Niederlage ja eine neue Euphorie rund um den Verein für Bewegungsspiele entfacht. Und so konnte der VfB bereits 59 900 Fans in seinem Stadion begrüßen, obwohl es im Test gegen Atlético Madrid formal um gar nichts ging. Jetzt folgte der Rückschlag. „Klar ist das Pokal-Aus ärgerlich. Aber wir lassen uns nicht alles zerreden“, sagte der VfB-Torhüter Ron-Robert Zieler nach der bitteren 0:2-Pleite beim Drittligisten.

An der Küste war der VfB ganz schwach in die Partie gestartet – und hatte nach einem derben Zweikampf-Patzer von Holger Badstuber durch ein Tor von Cebio Soukou (8.) und kurz vor Schluss durch einen Treffer von Mirnes Pepic (84.) von der Hansa-Kogge das erhalten, was der VfB-Mittelfeldspieler Dennis Aogo hinterher als „einen Schuss vor den Bug“ bezeichnete.

Natürlich ist trotz des Ausrutschers gegen den klaren Underdog, der seinerseits in der dritten Liga schon vier Spiele absolviert hat, beim VfB nicht alles schlecht, was vorher gut war. „Es ist jetzt nicht die Sensation der Sensationen, dass wir raus sind“, sagte Michael Reschke. „Wir wussten, dass es hier brutal schwer wird.“ Und dennoch hat der VfB im Hexenkessel Ostseestadion einige wichtige Fingerzeige bekommen. Es gilt jetzt, schnellstens an einigen Stellschrauben zu drehen, da das Auftaktprogramm in der Bundesliga am nächsten Sonntag (15.30 Uhr) in Mainz, wo man in der Vorsaison in Pokal und Liga verlor, sowie mit der anschließenden Heimpartie gegen den FC Bayern nicht von Pappe ist.

Schwache Offensivleistung

„Es ist gefährlich, wenn in der Vorbereitung alles reibungslos läuft“, resümierte Dennis Aogo. „Das schürt hohe Erwartungen. Heute haben wir gezeigt bekommen, dass alle bei hundert Prozent sein müssen – sonst reicht es nicht.“ Schließlich waren einige Defizite im VfB-Kons­trukt unübersehbar. Darunter befand sich ein im ersten Spieldrittel komplett orientierungsloser Holger Badstuber, dem es immerhin gelang, sich im Laufe der Partie zu fangen.

„Wir waren ja froh, wenn wir mal den Strafraum gesehen haben. Rein gekommen sind wir aber im ganzen Spiel nicht wirklich“, sagte Michael Reschke zur Offensivleistung seines Teams. Dem Sturm fehlte völlig der Biss – von der Abteilung Attacke kam wenig bis gar nichts. Während der in der Vorbereitung so frisch auftrumpfende Erik Thommy komplett abgemeldet war und Mario Gomez schwerfällig agierte, weil er noch nicht in Tritt ist, lief das Spiel auch an den Neuzugängen Nicólas González, der erstmals eine Brise rauer deutscher Fußballluft zu schnuppern bekam, und dem in Rostock verhinderten Regisseur Daniel Didavi ziemlich vorbei.

Und so erreichte beim VfB lediglich der BVB-Neuzugang Gonzalo Castro Topform. Der Routinier glänzte als omnipräsente Anspielstation, hatte 122 Ballkontakte und agierte auf einem anderen Niveau als sämtliche Kollegen. Ansonsten kam von den insgesamt sieben Neuen wenig bis gar nichts. David Kopacz und Borna Sosa schafften es nicht in den 18-Mann-Kader, Marc-Oliver Kempf saß auf der Bank – und Pablo Maffeo kam wie Didavi und González über Ansätze nicht hinaus.

Der Trainer bleibt ruhig

„Wir sind brutal enttäuscht und verärgert – doch das Pokal-Aus wird uns nicht umhauen“, sagte Tayfun Korkut, dem nun die Aufgabe zukommt, schnell mehr Homogenität und Offensivpower ins Team zu bekommen. Gelingt dies, könnte das bittere Pokal-Aus von Rostock der Warnschuss zur rechten Zeit gewesen sein.

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