Podium Festival in Esslingen Die musikalische Avantgarde in der Stadt

Von Kathrin Waldow 

Das Podium Festival geht mit einem hoch ambitionierten Programm in die zehnte Auflage. Platz für Überraschungen gibt es trotzdem reichlich. Wir stellen die Höhepunkte und die neuen Projekte vor.

Esslingen - Wie kann man klassische Musik und zeitgemäße Kontexte zusammenbringen? Wie kann man damit neue Akzente setzen und ein junges Publikum erreichen? Und wie positioniert man sich als Künstler mit klassischer Musik heute? Antworten darauf findet das renommierte und preisgekrönte Musikfestival Podium in Esslingen. „Wir sehen uns als Plattform für Künstler und Interessierte, sich mit diesen Fragen zu beschäftigen, zu experimentieren und neue Ansätze abseits der klassischen Wege zu entwickeln“, sagt Steven Walter, der künstlerische Leiter des Festivals. Für die zehnte Auflage hat er mit seinem fünfköpfigen Team ein hochkarätiges Programm zusammengestellt, das für zehn Tage die Stadt in eine große Konzertbühne verwandelt.

Die Höhepunkte

Mit dem Eröffnungskonzert zeigt sich, an wen sich das Festival richtet: „Man ist während des Festivals nicht sicher vor der Musik. Wir wollen möglichst viele Menschen ansprechen“, so Walter. Das erste Konzert am Freitag, 27. April, in der Stadtkirche St. Dionys bringt Streicher sowie elektronische Kammermusik von Kaan Bulak auf die Bühne. Beim Dunkelkonzert tags darauf steht die Frage, wie die Stadt der Zukunft aussehen kann im Vordergrund. Drei Stadtvisionäre wollen das in einem dunklen Raum mit musikalischer Begleitung besprechen. Ebenfalls am 28. April gibt das Stegreif-Orchester eine improvisierte und getanzte Interpretation der dritten Sinfonie von Johannes Brahms zum Besten.

Am Mittwoch, 2. Mai, lässt das Podium die Kooperation mit dem Bundesjugendballett wieder aufleben. Im Mittelpunkt steht „Das Mädchen mit den Schwefelhölzern“ nach H.C. Andersens Märchen des Komponisten David Lang, das vom ehemaligen Hauschoreografen des Stuttgarter Balletts, Demis Volpi, neu choreografiert wurde. Am Donnerstag, 3. Mai ,entführt der Abend „Dichter-Lieben“ musikalisch in die Literatur.

Die Spielorte

Ein Teil des Festivalkonzepts ist es, unterschiedliche Orte der Stadt zu bespielen. So finden Aufführungen in Kirchen, im Gemeindehaus am Blarerplatz, in der Württembergischen Landesbühne, im Central Theater, in Ateliers, im Eisenlager, in einer Autowerkstatt und im Jugendhaus Komma statt. Mit der deutschen Erstaufführung von Gulliver’s Dream im Neckar Forum und Livekonzerten in der Villa Nagel bespielt das Podium auch zwei neue Orte. „Das ist mit einem sehr hohen ökonomischen und logistischen Aufwand verbunden. Für uns hat sich das jedoch bewährt und es ist künstlerisch notwendig, um sichtbar zu sein“, meint Walter.

Neu im Programm

Manche Events finden unter dem Stichwort ‚bebeethoven’ statt. Dahinter steckt ein kürzlich gestartetes Förder-Programm anlässlich des Beethoven Jubiläums im Jahr 2020. Dann würde der Musiker Ludwig van Beethoven seinen 250. Geburtstag feiern. Die Idee dahinter ist, den Künstler nicht zum xten mal rauf und runter zu spielen, sondern neue, zeitgenössische Ansätze und Weiterführungen zu finden. Zwölf Künstler aus dem In- und Ausland beschäftigen sich in dem Projekt etwa mit der Frage, was Beethoven heute machen würde. Beim Podium haben sie die Gelegenheit, ihre Ideen zu präsentieren. Überraschungen sind inklusive.

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