Mit einem Prolog im Komma haben Joosten Ellée und das Podium-Team Lust auf das kommende Festival gemacht. Foto: privat

Unter dem Motto „Music for Aliens“ bietet das Esslinger Podium Festival vom 30. April bis 10. Mai auf mehr als 20 Konzerte an besonderen und in innovativen Formaten.

Die Macherinnen und Macher des Esslinger Podium Festivals waren 2009 angetreten, um Musik in neuen Formaten zum Erlebnis zu bieten. Diesen Anspruch lösen sie seither Jahr für Jahr aufs Neue ein. Podium Esslingen ist ein Markenzeichen, das weit über die Grenzen der Stadt hinaus geschätzt wird. Mit dem Festival 2026 verabschiedet sich der künstlerische Leiter Joosten Ellée vom Esslinger Publikum.

 

Und er will zusammen mit jungen und innovationsfreudigen Künstlerinnen und Künstlern vom 30. April bis 10. Mai zeigen, was dieses Festival so besonders macht. Das Jahresmotto lässt einiges erwarten: „Music for Aliens“. In mehr als 20 Veranstaltungen erzählt das Festival in spektakulär inszenierten Räumen „von der Macht der Musik und der Memes, der Faszination des Universums und dem Fremdfühlen in unserer Zeit“.

Joosten Ellée ist bekennender Fan großartiger Science-Fiction-Filme. „Das Universum und die Sehnsucht nach dem Fernen, dem Unbekannten und Geheimnisvollen haben mich schon immer total fasziniert“, verrät er. Doch das Konzept des kommenden Festivals reicht weit darüber hinaus. Die Podium-Macherinnen und -Macher wollen sich mit unterschiedlichsten Fragen unserer Zeit auseinandersetzen.

„Es geht um die Eroberung des Weltalls, um Demokratie und soziale Medien, um Einsamkeit und menschliche Nähe, um gesellschaftlich relevante Themen, die mit künstlerischen Mitteln verhandelt und auf die Bühne geholt werden, stets zusammen mit fantastischer Musik, exzellent gespielt von jungen Musikerinnen und Musikern“, erklärt der künstlerische Leiter das Festivalprinzip.

Konzerte beim Podium Festival Esslingen

„Aliens“ stehen für Podium nicht nur für das Extraterrestrische – das Festival will auch ganz alltägliche Erfahrungen von Fremdheit reflektieren. „In einer Zeit, die durch ihre soziale Kälte und Mutlosigkeit uns einander immer fremder erscheinen lässt, verkleinert Musik Entfernungen, lässt Herzen wachsen und zeigt, dass wir uns nicht nur nach mehr Nähe sehnen, sondern uns oft schon näher sind, als wir glauben“, betont Joosten Ellée.

Rund 100 internationale Musikerinnen und Musiker wollen wie gewohnt die Genregrenzen sprengen. Des Spektrum reicht von musikalisch-szenischen Produktionen über Kammermusik für zehn Celli bis hin zu großen Besetzungen mit Orchester an teilweise für die Öffentlichkeit sonst unzugänglichen Orten. Auch in diesem Jahr gibt es wieder zahlreiche Uraufführungen renommierter junger Komponistinnen und Komponisten wie Andrew Yee, Yumi Umemoto oder Georgia Koumará.

Für Joosten Ellée ist es das letzte Podium Festival als künstlerischer Leiter. Foto: Roberto Bulgrin

Vor fünf Jahren war Joosten Ellée angetreten, ein Festival für die ganze Stadt zu bieten. Diesen Anspruch hat er unlängst mit drei Stadtteilkonzerten eingelöst. Und auch beim Eröffnungstag der Klangausstellung „Musikalische Mahnmale für den Weltraum“, der am 25. April im Merkelpark Führungen, Mitmach-Angebote und Live-Musik von Elshan Ghasimi bietet, werden Schüler des Mörike-Gymnasiums mitwirken.

Im offiziellen Eröffnungskonzert am 30. April in der Stadtkirche St. Dionys spielt der Gedanke der Partizipation ebenfalls eine wesentliche Rolle. Das „Wunschkonzert“, das Lieblingsstücke von Esslingerinnen und Esslingern neu interpretiert, wird diesmal von Mitarbeitern und Patienten des Klinikums kuratiert. Und ein breit angelegtes Education-Programm soll Kindern und Jugendlichen Musik näherbringen.

Podium Festival Esslingen – das Programm

Fremdheit und Einsamkeit im Sinne des Festival-Mottos zeigen zwei musikalisch-szenische Produktionen: „Rave“ am 1., 2. und 8. Mai entwirft in einer leer stehenden Industriehalle in Oberesslingen ein Szenario, das immer kurz davor zu sein scheint, in einen Techno-Exzess zu kippen. Und die Produktion „Starchild“ nimmt das Festival-Motto am 2. Mai in der Frauenkirche wörtlicher und erkundet das menschliche Sein aus der Sicht eines außerirdischen Wesens, das weder Körper noch Zeit kennt.

Ein fulminantes Finale verspricht das Abschlusskonzert, das am 9. Mai unter dem Titel „Lichtspielscene“ im Autohaus Russ Jesinger stattfindet und von der Kulturstiftung im Rahmen des Programms „tuned. Netzwerk für zeitgenössische Klassik“ sowie vom Innovationsfonds des Landes gefördert wird.

In ungewöhnlichen Formaten wie den „Wunschkonzerten“ zeigt sich das Podium Festival nahbar. Foto: Roberto Bulgrin

Besondere kammermusikalische Formate, gespielt von jungen Musikerinnen und Musikern, sind eines der Markenzeichen dieses Festivals. Dazu zählen etwa „Holy Presence“ – ein Abend für zehn Celli am 2. Mai im Neuen Blarer, „Zeitenwende“ am 3. Mai im Esslinger Eisenlager, „Secret Music“ am 7. Mai in der Franziskanerkirche sowie „Epilog: C-Dur“ am 10. Mai im Druckhaus in der Zeppelinstraße.

Und mit der Reihe „Sneak Preview“ adaptiert das Podium Festival ein aus der Kinowelt bekanntes Format und lädt vom 5. bis 8. Mai jeweils um 17 Uhr bei freiem Eintritt in die Studiobühne der WLB zu kleinen überraschenden Veranstaltungsformaten ein, bei denen das genaue Programm vorher nicht bekanntgegeben wird und bei denen in einer sehr persönlichen Atmosphäre die Gelegenheit zum unmittelbaren Austausch mit den Künstlerinnen und Künstlern besteht.

Das Podium im Kurzporträt

Festival
 Steven Walter und Minh Schumacher haben 2009 zusammen mit anderen musikbegeisterten jungen Menschen das Podium als alternatives Kammermusikfestival gegründet. Seither hat es sich weit über Esslingen hinaus als vielseitige Plattform für Innovationen in klassischer und zeitgenössischer Musik einen Namen gemacht. Unter dem Motto „Musik wie sie will“ entstehen erlebnisnahe Formate und genreübergreifende Programme. „Podium Esslingen steht für Exzellenz im Experiment und die Lust auf ein undogmatisches Musikschaffen“, betonen die Macher. Jedes Festival hat sein ganz eigenes programmatisches Motto – in diesem Jahr „Music for Aliens“. Joosten Ellée hat die künstlerische Leitung 2021 von Steven Walter übernommen. Mit dem Festival 2026 verabschiedet er sich vom Podium.

Tickets
Der Vorverkauf für das Podium Festival 2026 läuft. „Die Ticketpreise sind gegen den allgemeinen Trend mit 15 bis 35 Euro pro Konzert und ermäßigten Preisen von acht beziehungsweise 10 Euro ausgesprochen moderat“, betont das Podium-Team. Für treue Fans gibt es Festival-Wochenend-Pässe mit besonders vergünstigten Eintrittspreisen. Nähere Informationen im Internet unter www.podium-esslingen.de