Häufig zu hören, aber selten zu sehen: Die Menschen hinter den Stimmen von „Gästeliste Geisterbahn". Foto: dpa

Podcasts haben derzeit wieder Konjunktur. Viele Verlage steigen in die Audio-Formate ein - aber auch unabhängige Podcaster sind erfolgreich. So wie Gästeliste Geisterbahn, die ihr zweiwöchentliches Freundetreffen aufzeichnen. Das ist komplexer, als es klingt.

Berlin - Auf den ersten Blick würde man das nicht für ein Studio halten, in dem ein erfolgreicher Podcast produziert wird. Eher für ein Wohnzimmer - was vielleicht daran liegt, dass es ein Wohnzimmer ist, in dem aber eben auch Mikrofone herumstehen. Es gehört Nilz Bokelberg und Maria Lorenz. Und der Podcast, der hier aufgezeichnet wird, nennt sich Gästeliste Geisterbahn.

„Wir treffen uns regelmäßig und unterhalten uns über die Sachen, die wir auffällig genug fanden, sie den anderen zu erzählen“, sagt Bokelberg, den viele vielleicht noch aus seiner Zeit als Moderator beim TV-Sender Viva, mittlerweile aber eher generell als „Was mit Medien“-Person und Buchautor kennen. Mit dem „wir“ meint Bokelberg noch zwei andere Männer aus der Medienwelt: Buchautor und Blogger Markus Herrmann, kurz: Herm, und Donnie O’Sullivan, der unter anderem beim Hamburger Streaming-Sender Rocketbeans.tv moderiert. Maria Lorenz produziert den Podcast - und ist ab und an auch zu hören.

„Eigentlich ist es eine Art erzwungenes Freundetreffen“, sagt Bokelberg über den Podcast. Mit vielen Freunden schaffe man es zu selten, sich zu sehen. „Hier ist der Termin fix“, alle zwei Wochen. Und den könne man auch nicht absagen, sagt Lorenz - auch, wenn es auf der Arbeit blöd war oder man müde ist. Quasi ein Zwangsaustausch.

Geschichten aus dem Supermarkt und der Familie

„Der Podcast ist eine wunderbar einfache Form der Unterhaltung“, sagt Herrmann. „Und oftmals sind die Sachen, die wir erleben, gar nicht so verrückt, sondern oft ergibt sich das durch die verschiedenen Blickwinkel, die wir so darauf haben.“ Und Bokelberg ergänzt: „Jeder bringt Alltagsbeobachtungen mit und die werden dann von uns durch so einen Assoziationsfleischwolf gedreht, jeder guckt, was ihm dazu einfällt und daraus entstehen die absurdesten Geschichten.“ Am besten kämen etwa Erzählungen aus dem Supermarkt und der Familie an - manchmal geht es aber auch um misslungene Flirtversuche oder andere Aufeinandertreffen mit Mitmenschen.

Menschen setzen sich an Mikrofone und sprechen über Dinge - oft wird das etwas abfällig als „Laberpodcast“ bezeichnet. Herrmann kann mit dem Begriff nicht viel anfangen. „Labern klingt, als würden wir uns unterhalten und als wäre uns egal, was herauskommt. Aber uns ist wichtig, dass das am Ende unterhaltsam ist.“

Gefunden haben sich „Gästeliste Geisterbahn“ über Bokelberg. Unabhängig voneinander entstand in den Freundschaften zu Hermann und O’Sullivan die Idee, einen Podcast zu erschaffen. Zu dieser Zeit lernte Bokelberg dann auch Lorenz kennen, die sich um die technische Seite kümmern und Produzentin des Podcasts werden konnte. „So kamen wir dann irgendwann zusammen in meiner Küche.“

Selbst die Werbung ist ein Unikat

Und so ähnlich ist es bis heute geblieben - mit dem Unterschied, dass O’Sullivan mittlerweile in Hamburg wohnt und deswegen meist nur noch über Skype zugeschaltet ist, statt physisch anwesend zu sein.

Geld verdienen sei eher zweitrangig, sagt Lorenz. „Wir freuen uns, wenn was reinkommt, aber deshalb haben wir nicht damit angefangen.“ Trotzdem gibt es zu Beginn der Folgen meist Werbung - etwa für Matratzen oder Tiefkühlkost. Auch die hat allerdings ihren eigenen „Gästeliste“-Charakter: Es läuft kein regulärer Radio-Werbespot, sondern die drei erzählen eine meist fiktive und etwas alberne Geschichte, um die Produkte zu promoten. Wofür man Werbung mache, werde basisdemokratisch entschieden. „Wenn einer dabei sitzt und hat keinen Bock, dann hört man das auch und dann macht es keinen Spaß“, sagt Bokelberg. So hätte man auch schon größere Angebote abgelehnt.

Und auch, wenn man den Podcast nicht unbedingt schnell wachsen lassen wolle, sei den Machern daran gelegen, die „Gästeliste“ weiter zu entwickeln. Deshalb gebe es jetzt etwa auch mehr Live-Shows. Im Herbst gab es Aufzeichnungen in Köln, Hamburg und Berlin vor Live-Publikum. Und an diesem Samstag gibt es noch eine Silvester-Gala im Berliner Babylon - Abendgarderobe erwünscht.

Viel Unterschied zwischen Live und einer normalen Aufzeichnung gebe es nicht. Die direkte Reaktion des Publikums sei aber angenehm. „Sonst kichere immer nur ich“, sagt Lorenz - die bei den regulären Aufzeichnungen anwesend ist, aber kein Mikrofon vor dem Mund hat.

Bei der Frage nach Zielen für die Zukunft müssen alle erst überlegen. „Mein Ziel ist: Berliner Waldbühne!“, sagt Bokelberg dann und meint einen Auftritt an einem Ort, an dem rund 22 000 Menschen zuschauen könnten. Lorenz und Herrmann sind zunächst nicht ganz begeistert - nach kurzer Überzeugungsarbeit geben sich alle allerdings ein High Five auf den Plan. Ein, zwei Jahre könne das aber noch dauern.

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