Im Podcast „Clitoria’s Secrets“ klären eine Stuttgarter Gynäkologin und ihre Freundin über Themen der Frauengesundheit auf. Vom Talk über die Vaginalflora, Endometriose, Sex oder Verhütung erscheint bald die 100. Folge.
Sehe ich untenrum normal aus? Warum schmerzen manchmal meine Brüste? Wie genau läuft so eine Krebsvorsorgeuntersuchung ab? Diese oder ähnliche Fragen haben sich alle Frauen schon mal gestellt. Haben sie sie auch offen ausgesprochen? Selten. Katrin Gross und Ronja Hoffmann tun es – und dies so, dass jedermann mithören kann. Seit 2018 haben die beiden Freundinnen einen eigenen Podcast. In „Clitoria’s Secrets“ geht es um die Frauengesundheit und um typisch gynäkologische Aufklärungsthemen wie Brustkrebs, die Pille, um Zyklus-Apps und Familienplanung, um Schwangerschaftsdiabetes, Endometriose oder das HPV-Virus.
Nicht jede Frau hat das Privileg, eine Freundin fragen zu können
Die Themenauswahl kommt nicht von ungefähr. Katrin Gross ist Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe am Stuttgarter Marienhospital. Im Frühjahr 2023 hat sie ihr Buch „100 Fragen an deine Frauenärztin“ veröffentlicht. Schon während ihres Medizinstudiums an der Universität Tübingen leitete sie einen Arbeitskreis für Sexualaufklärung – und redete mit Mitbewohnerin Ronja Hoffmann mit Vorliebe über typisch Weibliches. „In der WG haben wir über vieles gesprochen, aber es hat sich herauskristallisiert, dass mich vor allem die gynäkologischen Themen interessieren“, sagt Gross. Dann fügt Hoffmann hinzu: „Andere haben das Privileg nicht, eine Freundin fragen zu können.“ Daraus ist die Idee zum Podcast entstanden.
Seit 2018 produzieren die beiden Frauen „Clitoria’s Secrets“. Die Ärztin steuert das Fachwissen bei, ihre Mitstreiterin, die heute im Bereich Projektmanagement arbeitet und in Nürnberg lebt, bringt die journalistische Erfahrung und das Podcast-Know-how mit. Aufgezeichnet wird daheim bei der einen oder der anderen. Nahezu 100 Folgen sind so bereits entstanden. Manches ist durchaus sehr intim. So erzählt Katrin Gross (35) von der Vasektomie ihres Ehemannes, also dessen Sterilisation durch die Durchtrennung der Samenleiter, von der Geburt ihrer zwei Kinder oder ihrer eigenen Eileiterschwangerschaft. Ronja Hoffmann (33) spricht unter anderem über das Thema künstliche Befruchtung. Es geht um weibliche Selbstbefriedigung, um Vaginalfürze, um Scheidenausfluss; Dinge, über die die meisten Frauen nicht öffentlich zu sprechen wagen. Vieles ist schambehaftet. „Das hat ganz viel mit unserer Gesellschaft zu tun, mit dem Patriarchat“, sagt Gross.
Sie betont, dass selbst beim Facharztbesuch selten bis gar nicht ausführlich über vermeintlich heikle Themen gesprochen werde. „Es ist nicht vorgesehen, dass solche Gespräche in der Praxis stattfinden“, sagt Gross. Es fehle schlicht die Zeit, vergütet werde das Ganze auch nicht. Hinzu kommt: „Die Themen werden gar nicht von den Frauen in die Praxis getragen.“ Allein die exponierte Lage auf dem Untersuchungsstuhl trage nicht dazu bei, dass Frauen sich öffneten. Deswegen ist den beiden Macherinnen die Enttabuisierung ein Anliegen, auch bei politischen Themen wie Abtreibung. Das Medium Podcast sei dafür bestens geeignet, denn den Gesprächen könne jede und jeder kostenfrei über die bekannten Plattformen lauschen – und dies total anonym. „Ich kann in der Bahn sitzen und mir etwas über Vulvageruch anhören“, sagt Hoffmann.
Sexualität und Lust von Frauen stößt auf das größte Interesse
Die Freundinnen sehen sich als Feministinnen. Ihr übergeordnetes Ziel: Frauen ermutigen, über sich, ihren Körper und ihre Bedürfnisse zu reden. Manche Folge könne um die 15 000 Downloads vorweisen. Aufs größte Interesse stießen Beiträge zur Sexualität und Lust von Frauen. Die Hörerschaft ist jung, zwischen 20 und 37, zu 85 Prozent weiblich. Ablehnende Kommentare seien sehr selten. „Der überwiegende Teil schreibt uns: Danke, ich habe viel gelernt“, sagt Hoffmann.
Aktuell herrscht bei „Clitoria’s Secrets“ Themenstau. „In letzter Zeit erhalten wir sehr viele Nachrichten mit Themenwünschen“, sagt Gross. Etwa alle zwei Wochen erscheint eine neue Folge, dafür wird jeweils intensiv recherchiert. „Wir haben einen hohen Anspruch. Wir wollen kein weiterer Laber-Podcast sein“, sagt Hoffmann. Welche Projekte in Zukunft noch anstehen, da halten sich die zwei jedoch bedeckt – und grinsen vielsagend. Nur so viel: Es gebe Ideen, auch für andere Medien. Katrin Gross sagt: „Wir haben einfach Lust. Wir brennen für unsere Themen.“