Vorerst bleibt es bei den stark verkürzten Öffnungszeiten im Plochinger Kinderhaus Bismarckstraße. Aber die Stadt hofft, die Personalnot bald lindern zu können. Und im Gespräch mit den Eltern ist sie jetzt auch.
Die Eltern hatten in einem offenen Brief die Situation im Kinderhaus Bismarckstraße beklagt. In der zentral beim Rathaus gelegenen Einrichtung mit sieben Gruppen werden Ein- bis Sechsjährige betreut – eigentlich von sieben bis 17 Uhr. Doch weil Personal fehlt, sind die Öffnungszeiten zwei Mal reduziert worden und decken aktuell nur den Zeitraum von 7.30 bis 13.30 Uhr ab. Sogar eine mögliche Schließung steht im Raum.
Man sei „guter Hoffnung“, dass es dazu nicht kommt, sagt Uwe Bürk, der unter anderem den Bereich Bildung und Soziales im Rathaus leitet. In den vergangenen Wochen hätten mehrere Bewerbungsgespräche stattgefunden, jetzt stünden noch Hospitationen an. Zu besetzen sind die Leitung des Kinderhauses ebenso wie ihre Stellvertretung und drei bis vier weitere Stellen. Bürk erklärt diese Personalnot mit einer Abwärtsspirale, die entsteht, wenn Mitarbeiterinnen fehlen oder länger krank sind: Dann steige die Belastung für die Kolleginnen, was wiederum zu Krankheit oder Unzufriedenheit und im schlimmsten Fall zu Kündigungen führe.
Gemeinderatsfraktionen signalisieren Gesprächsbereitschaft
Trotzdem werde zuverlässige und gute Arbeit im Kinderhaus geleistet. Das betonen auch die Eltern. „Das Alltagsgeschäft läuft wirklich toll weiter“, sagt Anne Broge, die Vorsitzende des Elternbeirats. Sie hatte in einem offenen Brief kritisiert, dass die Stadt die positiven Seiten des Kinderhauses nicht genug darstelle und nicht alles tue, um Personal zu gewinnen. Auch die mangelhafte Kommunikation mit den Eltern war ein Kritikpunkt: Sie hätten jeweils maximal vier Tage vorab, teils auch erst am Vortag von der Verkürzung der Öffnungszeiten erfahren. In dieser Hinsicht hat sich inzwischen einiges getan, nachdem rund 15 Mütter und Väter kurzerhand die offene Sprechstunde von Bürgermeister Frank Buß besucht haben. Der Rathauschef holte weitere Verwaltungsvertreter dazu und nahm sich zwei Stunden Zeit. Es sei ein sehr konstruktives Gespräch gewesen, wurde Anne Broge gesagt, die selbst nicht dabei sein konnte. Als positiv stufen die Eltern auch ein, dass sich alle Gemeinderatsfraktionen bei ihnen gemeldet und Gesprächsbereitschaft signalisiert hätten. „Da sind wir sehr froh drüber“, so Anne Broge.
Momentan bleibt es allerdings bei der reduzierten Betreuung. Eine übergreifende Lösung, bei der sich die verschiedenen Kitas in Plochingen gegenseitig aushelfen, werde bereits praktiziert, betont die Stadt. Sowohl Auszubildende als auch Erzieherinnen aus anderen Häusern würden im Kinderhaus Bismarckstraße einspringen. Allerdings stoße man dabei schnell an Grenzen, die der Pressesprecher der Stadt, Michael Mikolajczak, schildert: Diese Mitarbeiterinnen müssten sich in die Arbeitsweise der jeweiligen Einrichtung und ins Team einfinden, und es brauche Zeit, bis sie für die Kinder zur Bezugsperson würden.
Sogar die Gründung einer privaten Betreuungsgruppe ist im Gespräch
Bis tatsächlich neue Mitarbeiterinnen oder Mitarbeiter gefunden sind, werden die Eltern also wohl mit den verkürzten Zeiten zurechtkommen müssen. Sie seien alle berufstätig und auf die Betreuung angewiesen, sagt Broge, nur deshalb – und mit entsprechendem Nachweis – hätten sie ja einen Platz für die Ganztagesbetreuung bekommen. Jetzt suche man verzweifelt nach Lösungen, auch mit den jeweiligen Arbeitgebern: „Ich weiß, dass viele Eltern gerade Gespräche führen und versuchen, Stunden zu reduzieren oder ihre Elternzeit zu verlängern.“ Sogar die Gründung einer privaten Betreuungsgruppe sei im Gespräch, aber mit großem Aufwand verbunden, erklärt die Elternbeiratsvorsitzende: „Das ist nicht so einfach, da muss eine GbR gegründet werden und man braucht Räume.“
Anne Broge hofft, dass bald eine neue Leitung da ist und dass es nicht zur kompletten Schließung des Kinderhauses kommt. Diese wäre aus Sicht der Stadt wie der Eltern die schlimmste Variante. Die Stadtverwaltung hat nun vor, mit einer Art Imagevideo, in dem Kinder und Erzieherinnen zu Wort kommen, Werbung fürs „Kibi“ zu machen. Das sei schon vor dem Gespräch mit den Eltern geplant gewesen, sagt Mikolajczak. Aber es dürfte in deren Sinn sein: Die Eltern haben bereits einen Förderverein fürs Kinderhaus Bismarckstraße gegründet, eine Website erstellt (elternbeirat-kibi.de) und sie organisieren immer wieder Veranstaltungen.
Wie viele Fachkräfte für die Kinderbetreuung fehlen
Bundesweit
Die Bertelsmann-Stiftung hat im Oktober des vergangenen Jahres geschätzt, dass bundesweit mehr als 300 000 zusätzliche Fachkräfte für Kitas notwendig wären, um die bestehenden Gruppen angemessen zu besetzen und gleichzeitig genug Personal für benötigte weitere Plätze zu schaffen.
Baden-Württemberg
Der Kommunalverband Jugend und Soziales (KVJS) spricht mit Blick auf Baden-Württemberg von einem Bedarf von rund 40 000 zusätzlichen Erzieherinnen und Erzieher, wenn die benötigten Betreuungsplätze geschaffen werden. Die Fachkräfte, die derzeit ausgebildet werden, reichen laut der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft lediglich, um das in den kommenden Jahren ausscheidende Personal zu ersetzen.