Die Enge belastet die Mitarbeiter des Mittagstisches bei ihrer Arbeit. Foto: Ines Rudel

Weil immer mehr Menschen das Angebot eines günstigen Mittagstisches wahrnehmen, benötigt die Arbeiterwohlfahrt (AWO) eine größere Küche. Fündig geworden ist sie bisher nicht.

Plochingen - Weil immer mehr Menschen das Angebot eines günstigen Mittagstisches wahrnehmen, benötigt die Arbeiterwohlfahrt (AWO) eine größere Küche. Fündig ist sie bisher nicht geworden. „Wenn sich bis Jahresende nichts tut, hören wir schweren Herzens auf“, kündigt die Vorsitzende Renate Sinn nun an. Das Grafsche Haus sei stets nur als Übergangslösung verstanden worden, sagt die Vorsitzende. Inzwischen koche die AWO aber bereits seit sechs Jahren dort. Die steigende Zahl der Essen mache ein weiteres Engagement dort unmöglich.

Für viele Menschen ist der Mittagstisch ein wichtiger Termin im Wochenkalender. Für ein bis zwei Euro werden im Grafschen Haus vor allem Menschen mit geringem Einkommen montags, mittwochs und freitags mit einem mehrgängigen Menü aus gespendeten Lebensmitteln versorgt. Als sie angefangen hätten, seien rund dreißig Personen regelmäßig gekommen, berichtet die AWO-Vorsitzende. Inzwischen seien es doppelt so viele Besucher. Neben Flüchtlingen kämen in jüngster Zeit auch immer häufiger Senioren mit kleinem Budget an den Tisch der AWO. Von den sechzig Besuchern zahlten vielleicht fünf Gäste mehr als den geforderten Mindestpreis.

Enge sorgt für Frustration

Doch die wachsende Armut ist es nicht, die für Frustration unter den rund zwanzig Ehrenamtlichen der AWO sorgt. Vielmehr belastet sie die räumliche Situation. Das 1604 gebaute Grafsche Haus, Teil des historischen Ensembles rund um den Marktplatz, verfügt nur über eine kleine Küche. Das Geschirr muss von Hand vorgespült werden. Die 38 Sitzplätze sind oft belegt, sodass Gäste auf einen freien Platz warten müssen. Hinzu kommt, dass die Essensräume nur über eine steile und enge Treppe zu erreichen sind. Gerade für betagtere Gäste sei dies ein echtes Hindernis, wie Renate Sinn erklärt.

In der Vergangenheit seien bereits mehrere Alternativstandorte im Gespräch gewesen – beispielsweise das alte Feuerwehrmagazin. Doch die Stadt habe die Räume anderweitig nutzen wollen. Der Gemeinderat habe entschieden, dass er die Räume für die Schulentwicklung brauche. Seitdem sei dort aber nichts mehr geschehen, so Sinn. Ebenfalls im Sande seien die Bemühungen verlaufen, das ehemalige Restaurant in der Stadthalle zu nutzen. „Das war unser letztes heißes Eisen“, erinnert sich die Vorsitzende. Doch dann sei ihr von der Stadt überraschend mitgeteilt worden, dass die Räume für ein neues Konzept mit Seminarräumen gebraucht würden. „Wir haben nie wieder etwas davon gehört.“

Hoffnung ruht auf dem Gemeindehaus

Inzwischen sei die AWO in Gesprächen mit der evangelischen Kirchengemeinde. Das Gemeindehaus gegenüber der Stadthalle verfüge über eine große Küche und einen großen Saal, der auch barrierefrei über einen Aufzug zugänglich sei. Nach anfänglichem Zögern stimmten sie die jüngsten Signale aus dem Kirchengemeinderat optimistisch, so Sinn. Allerdings sei bis jetzt noch nichts entschieden.

Die Stadt habe in den vergangenen Jahren ebenfalls nach einem neuen Standort für den Mittagstisch gesucht, wie Plochingens Bürgermeister Frank Buß erklärt. Die Bemühungen seien bisher jedoch nicht von einem Erfolg gekrönt gewesen, berichtet der Schultes. Es werde aber weiter nach einer tragfähigen und langfristigen Lösung gesucht, die mit einem vertretbaren Aufwand realisiert werden könne. Bis eine bessere Lösung gefunden sei, stelle die Stadt das Grafsche Haus weiter kostenlos für den AWO-Mittagstisch zur Verfügung.

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