Adolf Schäfer (6. v. links) überlebte den Krieg bei der Luftwaffe. Hier posiert er vor einem Bombenflugzeug namens Lusitania, das nach einem englischen Passagierdampfer benannt war. Dessen Versenkung war ein Grund für die USA, dem Krieg beizutreten. Foto: Harald Schmidt

Neue und spannende Erkenntnisse über den Ersten Weltkrieg erzählt Band V der „Meilensteine“

Esslingen - Von großen Zeiten, wie man damals sagte, handelt der Band V der Reihe „Plochinger Meilensteine“. Der Autor Harald Schmidt hat darin die Geschichte der Plochinger im Ersten Weltkrieg nachgezeichnet und erstaunliche Funde zutage gebracht, die im Gedächtnis der Stadt erloschen waren. Bekannt war, dass das Plochinger Johanniter-Krankenhaus als Lazarett diente, aber vergessen war, dass auch die Burgschule zum Lazarett umfunktioniert wurde. Völlig in Vergessenheit geraten war auch der Plochinger Lazarettzug. Es war ein Eisenbahnzug komplett mit Krankenabteilung, Operationsräumen und Aufenthaltsräumen, es konnte sogar während der Fahrt operiert werden.

Gestiftet hatte den Zug der Johanniterorden, der auch das Plochinger Krankenhaus betrieb. In Dienst gestellt wurde er zu Beginn des Jahres 1915. Er unternahm 115 Fahrten, um Verwundete von der Westfront zu holen und auf die Lazarette in Esslingen, Plochingen, Nürtingen und Tübingen zu verteilen. Die letzte dokumentierte Fahrt unternahm der Zug mit seinen vier Ärzten und 32 Pflegern im September 1918. Was aus ihm wurde, weiß niemand mehr.

Harald Schmidt hat auch Tagebücher von Plochinger Soldaten gefunden und von seinem Mitarbeiterstab transkribieren lassen. Siegessicher zogen sie ins Feld, doch die Stimmungslage schlug mit dem fatalen Verlauf des Krieges um. So schreibt der Malermeister Adolf Schäfer im Jahr 1917.

„Wo man hinkam, nichts als Elend und Kummer. (. . .) Was unsere Truppen durchmachten, ging schon daraus hervor, dass jeden Tag neue Deserteure in ganzen Kompanien zurückgeführt werden mussten, wegen Meuterei u. Gehorsamsverweigerungen. Aber wer konnte es jenen Familienvätern verdenken, da ja nach unserem Ermessen der Kampf aussichtslos schien, wie sich ja dann später herausstellte.“

Von den 308 Männern, die einrückten, kamen 203 zurück, die letzten 1919. Den weitesten Weg hatte dabei Karl Hild. Er war Fahrer in Damaskus gewesen und war in der Türkei interniert worden. Die Namen der 105 Toten sind noch heute außen auf den Chor der Stadtkirche geschrieben. So gut wie jeder alte Plochinger findet dort einen Verwandten.

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