Bahnhofsgebiete sind oft schwierig. In Plochingen hat sich hier schon einiges getan. Die CDU-Wahlgemeinschaft hat eine Idee, wie es weitergehen könnte.
Das Gebiet rund um den Bahnhof in Plochingen ist seit vielen Jahren ein Problemthema in der Stadt. Es wurden schon zahlreiche Vorhaben realisiert, die den Bahnhof und das Umfeld verbesserten. Nun soll es mit dem Bahnhofsvorplatz weitergehen. Die Stadt Plochingen bereitet dazu einen städtebaulichen Wettbewerb vor. Die CDU-Wahlgemeinschaft fordert zudem, ein Expertenteam einzusetzen, das die Stadt berät. Die Fachleute sollen ehrenamtlich arbeiten.
Das Thema steht bereits in der kommenden Woche auf der Tagesordnung einer Ausschusssitzung, wo die Stadträte Verwaltungs- und Wirtschaftsthemen beraten. In dem CDU-Antrag heißt es dazu, einen Gestaltungsbeirat gebe es „zur Unterstützung von grundlegenden Planungen“ bereits in verschiedenen Städten, zum Beispiel in Kirchheim. Mit dem Bahnhofsvorplatz stünde eine grundlegende Planung an.
Reiner Nußbaum: Plochingen steht vor einer „kleinen Revolution“
Die Idee, einen Gestaltungsbeirat ins Leben zu rufen, geht indes weit über das Projekt Bahnhofsvorplatz hinaus, wie der Vorsitzende der CDU-Gemeinderatsfraktion Reiner Nußbaum versichert. Der städtebaulichen Wettbewerb – über dessen Bedeutung sich der Gemeinderat weitgehend einig ist – bleibe in den Grenzen seiner Aufgabe stehen. Es bestünden exakte Durchführungsbestimmungen, an die sich die jeweiligen Jury-Mitglieder zu halten haben. Ein Gestaltungsbeirat könne darüber hinaus der Stadt helfen, das Stadtbild zu verbessern und Fehlentwicklungen zu verhindern.
Nußbaum wirbt auch deshalb für den Beirat, weil die Stadt Plochingen seiner Auffassung nach vor einem großen Wandel steht, vergleichbar mit den 1970er Jahren, als die Marktstraße zu einer Fußgängerzone umgebaut wurde. „Wir als CDU sehen große Chancen einer umfassenden Stadtentwicklung und eine ähnliche Herausforderung wie seinerzeit bei der Schaffung der Fußgängerzone“, so Nußbaum. Der Fraktionschef spricht sogar von einer „kleinen Revolution“, die Plochingen bevorstehe.
Baden-Württemberg unterstützt Gestaltungsbeiräte
Tatsächlich werden in Baden-Württemberg solche Beiräte sogar vom Land unterstützt. „Die Qualität von Infrastrukturprojekten, Stadt- und Freiräumen ist ein wichtiger Faktor für Lebensqualität und für die Wettbewerbsfähigkeit von Kommunen“, heißt es im Ministerium für Landesentwicklung und Wohnen. Das Land unterstütze daher Kommunen auch mit Geld, die einen Gestaltungsbeirat als unabhängiges, beratendes Sachverständigengremium erstmalig einsetzen oder die Arbeit ihres Gestaltungsbeirats durch öffentlichkeitswirksame Maßnahmen begleiten wollen.
Der Gestaltungsbeirat in Plochingen soll sich laut CDU-Antrag aus vier unabhängigen und ortsfremden Fachleuten aus den Gebieten der Stadtplanung, des Städtebaus, der Architektur und der Landschaftsarchitektur zusammensetzen. Weiterhin seien je Fraktion des Gemeinderats eine Person sowie die Verwaltungsspitze als Beisitzer Teil des Gestaltungsbeirats.
Das ist auch der Unterschied zum städtebaulichen Wettbewerb. Bei einem solchen Wettbewerb greift ein exakt definierter Prozess. Anstelle eines Gestaltungsbeirates wird hier eine Jury tätig, die aus Sach- und Fachpreisrichtern besteht. Gestaltungsbeiräte arbeiten hingegen freier und sind ausschließlich beratend tätig.
Seit 2015 wurden in Baden-Württemberg 45 Kommunen mit insgesamt 1,2 Millionen Euro gefördert. Aktuell gibt es nach Auskunft des Ministeriums für Landesentwicklung und Wohnen 52 kommunale Gestaltungsbeiräte im Land, unter anderem in Kirchheim und Nürtingen.
Plochinger Bahnhofsgebäude gehört zu den größten in der Region
Mit seinen fast hundert Metern Länge gehört das Plochinger Bahnhofsgebäude zu den drei größten in der Region Stuttgart – zusammen mit denen in Bad Canstatt und in Stuttgart selbst.
Der Bahnhof in Plochingen nimmt auch eine wichtige funktionale Rolle ein: Er ist der wichtigste Bahnknotenpunkt im Kreis Esslingen. Und er hat eine lange Tradition: Bereits Ende des 19. Jahrhunderts war er ein Umsteigebahnhof, in dem täglich mehr als hundert Züge verkehrten.