Fußballplatz Pfostenberg Foto: bra

Der Fußballverein 1911 Plochingen plant einen neuen Kunstrasenplatz auf dem Pfostenberg. Der Verein hat einige Ideen, das zu finanzieren. Aber was passiert, wenn er es nicht macht?

Rund eine Million Euro könnte es kosten, einen der beiden Fußball-Rasenplätze auf dem Pfostenberg zu einem Kunstrasenplatz umzubauen. Seit mehreren Jahren ist der Plochinger Fußballverein nun bereits im Austausch mit Planern und Behörden. Doch ohne Zuschüsse wäre das Vorhaben für den Verein mit seinen rund 400 Mitgliedern kaum zu stemmen. Eine wichtige Zusage für einen Teil der Finanzierung hat der Verein im Februar erhalten. Die Stadt möchte 285.000 Euro hinzugeben. Auch beim Württembergische Landessportbund (WLSB) wäre ein Zuschuss von 120.000 Euro möglich. Den Rest möchte der Verein aus Darlehen, mit Sponsoren und Sondermitgliedschaften finanzieren.

 

Warum das ganze? Der Pfostenberg sei „das schönste Sportgelände im Landkreis Esslingen“, sagt der Vereinsvorsitzende Uwe Öhrlich. Allerdings seien die Rasenplätze nicht das ganze Jahr über bespielbar. In den feuchten und kalten Wintermonaten trainieren die Herrenmannschaften deshalb auf einem Kunstrasenplatz am Jägerhaus in Esslingen. Denn entweder ist der Rasen in Plochingen zu weich und würde beim Bespielen kaputt gehen oder der Boden ist gefroren. In beiden Fällen wäre die Verletzungsgefahr hoch. Die Jugend trainiert über den Winter in einer Sporthalle. Optimal ist das alles nicht. Ohne einen Kunstrasenplatz befürchtet der FV, Jugendspieler an Vereine in den Nachbarorten zu verlieren. „Das ist ein realistisches Szenario“, sagt der zweite Vorsitzende Darko Cvijanovic.

Ganzjähriger Kunstrasenplatz stärkt Jugendarbeit in Plochingen

Dem Verein wäre es lieber, die Mannschaften könnten das Freigelände in Plochingen das ganze Jahr über nutzen. Das attraktivere Angebot käme auch der Jugendarbeit zugute, betont Öhrlich. Denn das Fußballspielen ist kein Selbstläufer mehr. Schon heute müssten in der Jugend häufig Spielgemeinschaften mit anderen Vereinen eingegangen werden, um noch Mannschaften zusammen zu bekommen. Inzwischen gebe es im Umkreis kaum noch Fußballvereine, die keinen Kunstrasenplatz hätten, meint Öhrlich. Reichenbach, Deizisau, Baltmannsweiler, Aichwald machten es vor.

Warum so viele Fußballvereine im Umkreis von Plochingen einen Kunstrasenplatz trotz hoher Baukosten haben, wird bei näherer Betrachtung deutlich. Oft sind nämlich dort die Kommunen die Betreiber der Sportstätten und nicht die Vereine selbst, erklärt Cvijanovic. In Plochingen ist das anders. Der Pfostenberg gehört dem FV.

Plochingen. Hier gibt es den Fußballverein 1911 Plochingen, der gerne einen Kunstrasenplatz hätte. Es gibt mehrere Fördermöglichkeiten. Foto: Johannes M. Fischer

„Das war ein verrücktes Konzept“ – Plochingen bleibt eigenständig

Kein Thema scheint die Idee mehr zu sein, den Fußballverein ins Sportzentrum am Stumpenhof zu integrieren. Dies war einst der Gedanke eines kommunalen Sportentwicklungsplans. Es ist aber schon lange still um das teure Stück Papier geworden. Unter den Vereinsverantwortlichen schienen nicht alle Ideen des Plans für große Begeisterung gesorgt zu haben. „Das war ein verrücktes Konzept“, sagt Öhrlich heute. Der FV hätte durch die Aufgabe des Pfostenbergs seine Identität verloren, erklärt er. Trotz der Nachteile wie die ungünstige Erreichbarkeit hängen die Plochinger Fußballer an ihrem idyllisch gelegenen Sportgelände auf dem Schurwald.

Doch nicht nur die Erreichbarkeit ist ein Hemmschuh. Durch die Lage im Wald haben die Fußballer viele tierische Nachbarn, die sich nicht um die Platzregeln scheren. Wiederholt haben Wildschweine das liebevoll gepflegte Grün in einen frisch umgepflügten Acker verwüstet. Ebenfalls äußerst wohl fühlen sich Maulwürfe, Wühlmäuse, Rehe und Waschbären auf dem Areal.

Kunstrasenbau im FFH-Gebiet: Hohe Kosten und Hürden

Das Sportgelände liegt in einem Flora-Fauna-Habitat (FFH). Die Planungen werden dadurch erschwert. Dort einen Kunstrasenplatz zu bauen, ist besonders aufwendig. Allein für die bisher beim Landratsamt eingereichten Untersuchungen habe der Verein rund 20.000 Euro bezahlt, erklärt Cvijanovic.

In den kommenden Wochen und Monaten möchte die Vereinsspitze nun an weiteren Finanzierungszusagen arbeiten, damit in einer der nächsten Hauptversammlungen des Vereins ein formeller Beschluss für oder gegen den Bau des Kunstrasenplatzes gefasst werden kann. Wenn die Mehrheit der Mitglieder für den Kunstrasenplatz stimmt, soll der Bau im kommenden Jahr beginnen. Ein wenig drängt die Zeit. Denn die Genehmigung des Landratsamts für den Bau des Kunstrasenplatzes liegt seit 2023 vor. Diese ist aber bis 2028 befristet. Wird bis dahin nicht mit dem Bau begonnen, müsste wohl eine neue Genehmigung beantragt werden.

Zur Geschichte des Vereins

Angebot
Die meisten der rund 400 Mitglieder des FV Plochingen spielen Fußball. Es gibt aber auch eine Cricket- und eine Tischtennisabteilung.

Spielbetrieb
Die erste Mannschaft des FV Plochingen spielt in dieser Saison in der Bezirksliga Neckar-Fils. Die zweite Mannschaft spielt in der Kreisliga A. Und für die reiferen Spieler gibt es außerdem noch eine Seniorenmannschaft.

Historie
Das Gründungsjahr steht im Namen des Vereins. 1911 begann die Vereinsgesichte mit der Gründung des Fußballclubs „Schwaben“. Zunächst wurde auf einem Platz in einem Steinbruch gespielt, bevor der Fußballverein von der Stadt das Waldstück am Pfostenberg erhielt. Das war laut Vereinschronik im Jahr 1921. Das Sportgelände haben die Vereinsmitglieder dann selbst angelegt. Im Jahr 1924 wurde der Sportplatz eingeweiht.