Dass Wohnheim des ehemaligen Plochinger Krankenhauses macht dem Neubau eines Verwaltungsgebäudes Platz. Foto: Horst Rudel

Die Neuordnung der Kreisverwaltung nimmt Gestalt an. In seiner jüngsten Sitzung hat der Verwaltungs-und Finanzausschuss des Esslinger Kreistags den Neubau einer Landratsamts-Außenstelle auf dem Plochinger Stumpenhof auf den Weg gebracht.

Esslingen/Plochingen - Der Neubau einer Außenstelle des Landratsamts Esslingen auf dem Plochinger Stumpenhof nimmt Fahrt auf. Der zuständige Verwaltungs-und Finanzausschuss des Kreistags hat am Donnerstag den Startschuss zu dem europaweiten Vergabeverfahren gegeben. Der nach den Worten des Esslinger Landrats Heinz Eininger (CDU) „sportliche Zeitplan“ sieht den Baubeginn im Mai des kommenden Jahres vor.

Bis zum März 2022 soll das bestehende Gebäude, das einst das Personal des im Jahr 2014 aufgelösten Kreiskrankenhauses Plochingen beherbergt hat, dann dem Neubau eines Verwaltungsbaus mit 225 Arbeitsplätzen gewichen sein. Parallel zu dem mehr als 5000 Quadratmeter Nutzfläche bereit haltenden Bürohaus entsteht auf dem Gelände noch ein Parkdeck mit 180 Stellplätzen sowie 156 Außenparkplätzen.

Kurzfristige Ausweichoption wird Dauerlösung

Unterm Strich wird der Landkreis Esslingen geschätzt 40 Millionen Euro in die Hand nehmen, um kurzfristig eine Ausweichoption für die dem Abbruch geweihte Verwaltungszentrale in Esslingen zu bekommen. Sobald die betroffenen Ämter vorübergehend nach Plochingen umgezogen sind, wird die Abrissbirne ihre Arbeit in den Esslinger Pulverwiesen beginnen. Das rund 40 Jahre alte Landratsamt dort macht dann Platz für einen Neubau. Dessen Kosten sind in der mittelfristigen Finanzplanung des Landkreises bisher mit rund 121 Millionen Euro veranschlagt.

Um finanziell auf der sicheren Seite zu bleiben, schreibt der Landkreis die Bauvorhaben als kombiniertes Verfahren „Planen und Bauen“ aus. Dabei gibt ein Konsortium von Architekten, Planer und Bauunternehmer bereits im Vergabeverfahren ein belastbares Angebot ab. „Der jeweilige Entwurf ist mit einem Preisschild für die schlüsselfertige Realisierung versehen“, erklärte Eininger, der auf die guten Erfahrungen verweist, die der Kreis in der jüngsten Vergangenheit mit dem Neubau des medizinischen Zentrums in Ostfildern-Ruit und der Albert-Schäffle-Schule in Nürtingen gemacht hat. Einzig die Tatsache, dass sich des engen Zeitplans wegen keine Interessenten finden, die auf den Bewerberzug aufspringen, könnte dem Bauherren noch einen Strich durch die Rechnung.

Verwaltung auf zwei Standbeinen

Der Neubau in Plochingen ist aus der Verlegenheit geboren, nachdem sich der Landkreis lange schwer getan hat, für die Dauer des Abrisses und Neubaus in Esslingen eine Interimslösung zu finden. Weil ein teurer Umzug nach Plochingen so oder so nicht zu umgehen war, hat der Kreis die Chance ergriffen, seine Verwaltung dauerhaft auf zwei Standbeine zu stellen.

Koffer packen heißt es in drei Jahren vor allem für das Dezernat II, das mit den Ämtern Gesundheit, Ordnung und Verkehr, dem Rechts- und Ordnungsamt, dem Straßenverkehrsamt, dem Ausländeramt und dem Kreismedienzentrum an den Schurwaldrand hoch über dem Neckartal ziehen wird. Dort werden die Beamten und Angestellten nicht nur ihren schon vor vier Jahren umgezogenen Kollegen aus dem Gesundheitsamt und dem Veterinäramt begegnen, die in dem mit einem Aufwand von knapp neun Millionen Euro umgebauten ehemaligen Krankenhaus Quartier bezogen haben, sondern auch auf die ebenfalls umziehenden Mitarbeiter des Dezernats für Infrastruktur mit dem Schulamt, dem Vermessungsamt, dem Hochbauamt, dem Revisionsamt und dem Kreisarchiv.

Aussicht bleibt erhalten

Wenn auch der letzte Mitarbeiter seinen Schreibtisch eingeräumt hat, dann werden auf dem Stumpenhof 500 Landkreis-Bedienstete daran arbeiten, dass es im Kreis rund läuft. Steine dürften ihnen von der Standortgemeinde keine in den Weg gelegt werden, nachdem mit einem Holzgerüst getestet worden war, dass die Aussicht vom benachbarten Albvereinsturm hinaus ins Neckartal unter dem Neubau nicht leidet.

Das 40 Jahre alte Landratsamt in Esslingen ist so weit abgewirtschaftet, dass eine Sanierung weniger sinnvoll ist als ein Neubau. Zudem platzt es aus allen Nähten. Auf der Suche nach einer Interimslösung zwischen Abriss und Neubezug hat sich das ehemalige Krankenhausgelände in Plochingen aufgedrängt. Hier wiederum fährt der Landkreis mit der Dauerlösung günstiger als mit der bisher erwogenen befristeten Lösung.
Das Rennen um den Millionenauftrag beginnt mit der Veröffentlichung der Vergabebekanntmachung. Nach zwei Sitzungen der Bewertungskommission kommt es im November zum Vergabebeschluss durch den Kreistag. Für den Mai 2020 ist der Baubeginn geplant.

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