Bibliotheksleiterin Alexandra Frisch und die mitbetreuende Lehrerin Julia Pech (von links) räumen erste Bücher ein. Foto: Karin Ait Atmane

Die Stadtbücherei Plochingen bekommt trotz der klammen Finanzlage einen Ableger – denn das Gymnasium bezahlt, auch fürs Personal.

Allen digitalen Tools zum Trotz: Bücher sind und bleiben in der Schulbildung wichtig. Das Gymnasium Plochingen plant in Kooperation mit der Plochinger Stadtbücherei eine neue Schulbibliothek. Dafür braucht es auch neues Personal, wobei die Stadtbücherei schon 2024 um eine Stelle aufstocken durfte. Die Entscheidung war damals im Gemeinderat nicht unumstritten, eine weitere Aufstockung kommt für die Stadt aktuell nicht infrage: Das muss die Schule übernehmen.

 

Die Räumlichkeiten sind schon vorhanden. Im neuen Fachbau des Gymnasiums wartet ein rund 140 Quadratmeter großer Raum mit leeren Regalen, der künftig zur nicht-öffentlichen Zweigstelle der Stadtbücherei werden soll. Diesem Konzept hat der Verwaltungsausschuss zugestimmt, schließlich bleibt die Stadt von den Kosten verschont.

Wer kümmert sich um die neue Plochinger Bücherei?

Der Büchereiableger soll Medien zum Lernen zur Verfügung stellen, aber auch ein Ruhe- und Rückzugsraum sein sowie ein Lernraum für Einzel- und Gruppenarbeit. Mit Öffnungszeiten täglich von 9 bis 14 Uhr, freitags bis 13 Uhr, wird diese „Bib“ deutlich offener und zugänglicher als ihre Vorgängerin, die mit Beginn der Sanierungen am Gymnasium geschlossen wurde. Die geplante 40-Prozent-Stelle reiche für diese Öffnungszeiten und das Arbeitspensum, das dahintersteht, allerdings nicht aus, sagt Alexandra Frisch, die Leiterin der Plochinger Bücherei – auch dann nicht, wenn man die Schulferien abziehe. Folglich sind mitbetreuende Lehrkräfte und Ehrenamtliche, beispielsweise Eltern, gefragt, um die Zeiten abzudecken. Auch eine Bibliotheks-AG ist geplant, allerdings sind die Schülerinnen und Schüler ja während der Öffnungszeiten im Unterricht.

Bücher bleiben wichtig

Rund 25 000 Euro im Jahr sind für die Personalstelle kalkuliert, das ist aus Sicht des Gymnasiums das maximal Mögliche. Man brauche auf jeden Fall eine Fachkraft, betont Frisch, die die Stelle für interessant, aber auch anspruchsvoll hält. Denn die betreffende Person müsse eigenständig arbeiten und auch mit der zentralen Systematik vertraut sein, zumal die Zweigstelle die gleiche Datenbank wie die Zentrale nutzen wird. Bei den Medien sei das Ziel, so Frisch, „dass wir keinen Doppelbestand haben, sondern uns ergänzen“. Für die Erstausstattung ist ein Betrag von einmalig rund 28 000 Euro angesetzt, den ebenfalls die Schule aufbringt.

Neben Nachschlagewerken, Lernhilfen und Lehrwerken sind auch Zeitschriften und weiteres „unterrichtsunterstützendes Material“ vorgesehen. Das sei auch heute noch wichtig, bestätigt Schulleiter Heiko Schweigert. „Bücher sind nach wie vor relevant und werden auch genutzt“, sagt er. Google und KI-Tools seien letztlich „nicht zuverlässig und liefern immer wieder falsche Ergebnisse“.

Der Ausweis gilt auch für die Plochinger Stadtbibliothek

Die Büchereizweigstelle hat aber auch die allgemeine Leseförderung im Blick, weshalb beispielsweise Jugendliteratur oder Mangas in den Regalen stehen sollen. Eine Fernleihe zwischen der zentralen Stadtbücherei am Marktplatz und der Filiale im Gymnasium ist geplant. Zudem gelte das Prinzip „ein Ausweis für alles“, sodass die Gymnasiasten auch jederzeit direkt in der Zentrale etwas ausleihen können.

Wann der Ableger im Gymnasium starten kann, hängt vor allem davon ab, wie schnell die benötigte Fachkraft gefunden wird. Der Wunsch wäre, mit dem kommenden Schuljahr zu beginnen, sagt Alexandra Frisch.