Kulturamtsleiter Markus Schüch mit zwei Selbstporträts von Elisabeth Hahn Foto: pb

Elisabeth Hahn war eine Frau mit Haltung: eigenständig, unbeirrt und stets auf der Suche nach neuen Ausdrucksformen. Zwölf Jahre lang lebte und arbeitete die Malerin in Plochingen.

Unter dem programmatischen Titel „Man muss immer neue Farben und Formen sehen“ versammelt eine Schau in der Galerie der Stadt Plochingen Werke der Künstlerin Elisabeth Hahn, die nichts von ihrer Strahlkraft verloren haben. Mit dieser eindrucksvollen Retrospektive wird das Werk neu zum Leuchten gebracht.

 

Die Ausstellung, kuratiert von Ulrike Hahn und Ulrich Stolte, führt in die künstlerische Welt einer Frau ein, die sich, allen Widrigkeiten zum Trotz, immer wieder neu erfand. Elisabeth Hahn wurde 1883 in Bad Cannstatt geboren und starb 1967 in Plochingen. Große Teile ihres Werks sind in den Kriegswirren vernichtet worden. Was erhalten blieb, sind kostbare Fragmente eines vielschichtigen Oeuvres im Privatbesitz sowie in öffentlichen Einrichtungen wie der Galerie der Stadt Stuttgart.

Was gibt es in Plochingen zu sehen?

Die Ausstellung umfasst Zeichnungen, Aquarelle und Ölbilder, die das ganze Spektrum von Hahns künstlerischer Sprache zeigen: zermürbte Kriegsheimkehrer, leuchtende Stillleben, klare Porträts und fein beobachtete Landschaften. Eine Ansicht von Plochingen konnte zwar nicht aufgespürt werden, dafür aber eine Zeichnung und ein Ölgemälde vom Bau des Aichelberg-Viadukts aus dem Jahr 1936.

Besonders bemerkenswert: Einige Bilder sind beidseitig bemalt, ein Zeichen von künstlerischer Pragmatik und zugleich Zeugnis einer Zeit, in der Material und Mittel knapp waren. Auf einer Seite ein Selbstporträt, auf der anderen eine Winterlandschaft mit Blick auf den Hohenneuffen als Zwiegespräch zwischen Innenwelt und Außenraum.

Engagement für mehr Frauen in der Kunst

Kulturamtsleiter Markus Schüch hebt diese Besonderheit hervor und sieht darin mehr als nur eine technische Eigenheit. Tatsächlich offenbaren einige ihrer Arbeiten eine subtile politische Dimension. Zwischen den Kriegsjahren entstanden Bilder, die Leid und Zerstörung zeigen: zermürbte Heimkehrer, gebrochene Gesichter. Anderes wiederum deutet auf Verdrängung und Überlebensstrategien hin: heitere Blumenstillleben, geschaffen, um den Lebensunterhalt zu sichern.

Dass Hahn eine Künstlerin war, die sich auch institutionell engagierte, zeigt ihre Mitgliedschaft im Bund Bildender Künstlerinnen Württembergs, dessen Vorsitz sie unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg übernahm und zur Neuorganisation in der Nachkriegszeit beitrug. Als Schülerin von Adolf Hölzel, einem Wegbereiter der Moderne und Förderer von Künstlerinnen, gehörte sie zu jener Generation von Frauen, die sich in einer männerdominierten Kunstwelt behaupten mussten. Hölzel forderte die Stuttgarter Kunstakademie auf, Frauen wie Hahn, verstärkt zuzulassen. Diese progressive Haltung machte ihn zu einem wichtigen Unterstützer der weiblichen Avantgarde in Deutschland.

Jedes Jahr wird eine Künstlerpersönlichkeit aus Plochingen präsentiert

Mit der Retrospektive würdigt das Kulturamt Plochingen nicht nur das Werk einer fast vergessenen Künstlerin, sondern setzt auch ein Zeichen für eine lebendige Erinnerungskultur. Das neue Konzept, am Ende jedes Ausstellungsjahres eine historische Künstlerpersönlichkeit aus Plochingen zu präsentieren, hat sich bereits bewährt. Elisabeth Hahn hätte das wohl gefallen: Dass ihre Farben und Formen wieder gesehen werden und weiterwirken.

Kunst schauen

Sonderöffnungszeiten
Während des Plochinger Weihnachtsmarkts vom 28. bis 30. November ist die Galerie zusätzlich zu den üblichen Öffnungszeiten freitags 9 bis 18 Uhr, samstags 10 bis 18 Uhr und sonntags 13 bis 18 Uhr geöffnet.

Galerieführung
Die ehemalige Kulturamtsleiterin Susanne Martin bietet eine Führungen an: Freitag, 21. November, 16 Uhr. Dauer: eine Stunde ( 6 Euro pro Person), Anmeldung über Plochingen-Info, Telefon: 0 71 53 / 7005-250 oder E-Mail: tourismus@plochingen.de.

Kunstkauf
Interessenten können sich bei Ulrich Stolte, Telefon: 0171 / 4 77 16 67, E-Mail: ulrich.stolte@web.de melden.