Wer bei Rudi Schad (links), Rebecca Gayer und Reiner Raab einkauft, erlebt eine Entdeckungstour. Hier finden sich Eier, Pömpel und Cordhüte. Foto: Judith A. Sägesser

Rudi Schad will seinen Gemischtwarenladen unbedingt behalten. Ob ihm das gelingt, ist noch offen.

Plieningen - Das Hufeisen soll ihm Glück bringen. Rudi Schad hat es vor sieben Jahren geschenkt bekommen, als er seinen eigenen Laden an der Plieninger Filderhauptstraße eröffnet hat. Seit sieben Jahren also hängt das Hufeisen über dem Türrahmen in „Rudis Haus-und-Garten-Markt“. Dass es bleiben darf, hängt auch davon ab, ob es Rudi Schad weiterhin Glück bringt. Und das ist zurzeit fraglich. Der Mann, Anfang 50, fühlt sich nämlich seit ein paar Wochen vom Pech verfolgt.

Das Gebäude, in dem Rudi Schad wirtschaftet, soll verkauft werden. Er ist bisher nur Mieter, habe aber vom Hausbesitzer ein Kaufangebot erhalten. Ob er darauf eingehen wird, kann er noch nicht sagen. Bis Jahresende könne er darüber nachdenken, sagt Rudi Schad. Kauft er nicht, bedeutet dies wohl das Ende für den Laden.

Rudis Markt ist anders. Er ist eine Fundgrube. Von der Briefmarke über Hausmacher Nudeln bis hin zu Vitaminen für Brieftauben – ein Einkauf wird in diesem Gemischtwarenladen zur Entdeckungstour. „Wir sind ein Tante-Emma-Laden“, sagt Schad. Zu ihm kämen viele ältere Leute, die bei ihm das Wichtigste finden würden. Seien es Eier, sei es eine Packung Mehl, seien es Gummistiefel oder Teppichklopfer.

Der Laden ist ein Risiko

So kurios Rudi Schads Sortiment ist, so kurios hat er es auch in die Verkaufsregale verstaut. Eine thematische Ordnung ist eher die Ausnahme. Hier steht der Karottensalat im Glas neben den Vogelhäuschen. Es gibt Besonderheiten wie Gießaufsätze, Cordhüte und Ausstecherle-Formen, die aussehen wie Hände oder Füße. Vorhängeschlösser sowieso, aber auch Pferdebalsam und Schnürsenkel. Rudi Schad sagt dazu nur: „Ja, wir haben ein breites Sortiment.“ Und noch viel wichtiger: „Wir sind alle Berater.“ Mit alle meint er sich und seine beiden Mitarbeiter Rebecca Gayer und Reiner Raab.

Die Uhr an der Wand über dem Hufeisen bellt. Es ist ein Uhr mittags. Vielleicht hat Rudi Schad sie für Luna aufgehängt. Luna ist seine Hündin, die immer da ist. Genauso wie der Chef selbst. Er sagt, er sei seit fünf Jahren nicht mehr im Urlaub gewesen. Er ist gelernter Einzelhandelskaufmann, hat viele Jahre für Raiffeisen gearbeitet, später für eine Bäckerei. Bis er sich eben vor sieben Jahren selbstständig gemacht hat.

Rudi Schad ist unentschlossen, ob er den Laden kaufen soll. Mit Sorge denkt er an die mauen Umsätze der jüngeren Zeit. Die große Baustelle in Plieningens Mitte und die kleine an der Schafstraße habe er finanziell deutlich gespürt. Er erinnert daran, dass erst vor wenigen Monaten eine Reihe von Geschäften entlang der Plieninger Filderhauptstraße geschlossen hat. Seiner Meinung nach ist der Standort ein Risiko. „Wenn ich den Laden jetzt kaufe und die Läden weiter sterben, bin ich in zwei Jahren hinüber“, sagt Rudi Schad.

In letzter Zeit schaut er öfters zum Hufeisen über dem Türrahmen. Manchmal fasst er den Glücksbringer auch an. „Das hier ist mein Werk“, sagt er und lässt den Blick über die Nudeln, Öle und Pömpel schweifen. „Ich werde kämpfen“, seine Finanzen prüfen – und ein bisschen auf die Wirkungskraft des Hufeisens vertrauen.

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