Esra (links vorne) und ihre Mitschülerinnen fühlen sich pudelwohl in der Mädchenklasse. Foto: privat

Die Dietrich-Bonhoeffer-Schule lädt zum Tag der offenen Tür in der Mädchen-Oberstufenklasse ein.

Plieningen - Es gab eine Zeit, in der die Mädchen an der Dietrich-Bonhoeffer-Schule ein bisschen zu kurz gekommen sind. „Manchmal waren unter 180 Schülern nur drei oder vier Mädchen. Wir hatten immer einen großen Überhang an Jungen“, sagt Maria Waltner. Sie ist die Leiterin der Schule für Erziehungshilfe an der Bernhauser Straße in Plieningen. Dass die Mädchen es einst so schwer hatten, hat sie nicht einfach hingenommen.

Vor einigen Jahren hat die Schule deshalb die Geschlechtertrennung eingeführt. Für die Mädchen gibt es seither eine Oberstufen- und eine Unterstufenklasse, ebenso für die Jungen. In der Oberstufe werden Mädchen der Klassenstufe sechs bis neun unterrichtet, ihre Klassenzimmer haben sie in einer ehemaligen Wohnung an der Filderhauptstraße 14 A. „Wir haben mit zwei Mädchen angefangen, mittlerweile sind es zehn. Der Bedarf ist da“, berichtet Maria Waltner.

Wer sich ein Bild machen möchte, wie die Mädchen unterrichtet werden, den lädt die Schule am Montag, 17. Juni, zu einem Tag der offenen Tür in die Mädchen-Oberstufe ein.

Unterricht in sehr kleinen Klassen

Damit will die Schule gleichzeitig auch für ihre Arbeit werben. Denn für Maria Waltner liegen die Vorteile ihrer Einrichtung auf der Hand: „Die Leute kommen allmählich darauf, dass eine Schule für Erziehungshilfe nicht nur ein Mangel ist, sondern eine echte Chance.“ So werden die Kinder und Jugendlichen zum Beispiel in sehr kleinen Klassen von nur acht bis zehn Schülern unterrichtet. „Dadurch können wir individueller auf jeden und jede eingehen“, sagt die Schulleiterin.

Insbesondere für die Mädchen biete der Unterricht in einer eigenen Gruppe die Gelegenheit, ungestört zu lernen und einen Hauptschul- oder Werkrealschulabschluss zu erreichen. „Die Mädchen entfalten sich freier, wenn sie unter sich sind“, beschreibt Waltner ihre Beobachtungen.

Esra kann das nur bestätigen. „Mit den Jungs ist es anstrengend. Bei uns ist es ruhiger“, sagt sie. Für die 16-Jährige ist ihre Mädchenklasse ohnehin mehr als ein reiner Lernort. „Wir sind wie eine Familie“, sagt sie. Ihre Lehrerinnen Christin Landsfried und Carolin Vollmer sieht sie als Bezugspersonen. „Sie sind wie Freundinnen für mich“, sagt Esra.

Früher, als die junge Frau noch auf eine andere Schule ging, hat sie eine solche Art des Aufgehobenseins nie gespürt, erzählt sie: „Das war anders. Jetzt ist es viel besser, ich würde wieder hierher wechseln.“ Ihrem bevorstehenden Abschluss sieht sie mit gemischten Gefühlen entgegen: „Ich bin ein bisschen aufgeregt und sehr traurig, dass ich weggehe.“ Ein schöneres Kompliment kann es für eine Schule wohl nicht geben.

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