Wilfried Gaugele (weißer Helm) erklärt die Arbeiten auf der Baustelle. Foto: Rüdiger Ott

Die Funktionsweise des Regenrückhaltebecken an der Paracelsusstraße wird bei einem Rundgang erläutert.

Plieningen - Die Stühle reichen nicht, so groß ist der Andrang. Also stellen sich einige der 25 Besucher in dem Bauleitercontainer entlang der Wand auf. Hinter ihnen hängen Bauzeichnungen, die die Ingenieure benötigen, um zu wissen, wo die Rohre zu verlegen sind. Einer der Ingenieure ist Wilfried Gaugele. Er arbeitet für die Stuttgarter Stadtentwässerung und hat zum Rundgang geladen. Er will die Arbeiten am neuen Regenrückhaltebecken an der Paracelsusstraße erklären. „Wir arbeiten sonst immer etwas im Verborgenen“, sagt er am gestrigen Donnerstagnachmittag. „Deshalb wollen wir zeigen, was wir machen und warum wir es machen.“

Das Warum ist schnell geklärt. Die EU ist schuld. Stuttgart ist verpflichtet, bis 2015 an kritischen Stellen Regenüberlaufbecken zu bauen. Plieningen ist eine kritische Stelle. Weil das Klärwerk an der Markungsgrenze zu Kemnat bei Starkregen regelmäßig voll läuft, wird das Schmutzwasser einfach ungefiltert in die Körsch geleitet. „Die anfallende Wassermenge übersteigt das System“, sagt Gaugele. Denn durch die Rohre fließt das Nass aus Fasanenhof, Plieningen und Echterdingen.

Das neue Bauwerk soll verhindern, dass die trübe Brühe in die Körsch gelangt, und das mit einem einfachen Trick. Das Becken ist 20 Meter lang, 13 Meter breit und fünf Meter tief. Schmutz aus den Abwasserrohren der Häuser sammelt sich am Boden und fließt in Richtung Klärwerk, überschüssiges und im Verhältnis dazu recht sauberes Regenwasser schwappt im Fall eines Starkregens schlicht über den oberen Rand. Der wird freilich nach Ende der Bauarbeiten nicht zu sehen sein, denn das Becken samt den Kanälen und der Überlaufschwelle wird unterirdisch angelegt.

25 rote Helme werden verteilt, nach der trockenen Theorie im Container geht es auf die matschige Baustelle. Die Arbeiter haben eine Schicht Split ausgelegt, damit die Begehung nicht gar zu schmutzig verläuft. Die Besucher stellen Fragen, und Gaugele beantwortet sie alle. Das Becken dort unten, von dem bisher nur das Fundament zu sehen ist, reinigt sich selbst, sagt er. Nach Abschluss der Arbeiten im nächsten Jahr wird eine Wiese verlegt und die Schafe können dort wieder grasen. Bäume werden nicht über dem Becken gepflanzt, die Wurzeln würden den Beton sprengen. Ein Rohr pumpt derweil gluckernd Wasser aus der Grube. Grundwasser, sagt Gaugele. Er hat die Erlaubnis, einen Liter pro Sekunde abpumpen zu dürfen. Zum Vergleich: Das Klärwerk bachabwärts ist für 1000 Liter in der Sekunde ausgelegt.

  
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