Die Uni Hohenheim hat mittlerweile fast 10.000 Studenten Foto: Judith Sägesser

Die Stadt erstellt eine Art Fahrplan, wie sich die Mitte des Bezirks in Zukunft optisch entwickeln könnte.

Stuttgart-Plieningen - Im Herzen der Filder, so friedlich, so schön / liegt ein Dörflein, in welchem geboren ich bin.“ Das dichtete Wilhelm Hertig über Plieningen. Damit die „Perle der Filder“, wie der engagierte und inzwischen verstorbene Bürger seine Heimat nannte, ihren Charakter trotz des alltäglichen Wandels behält, arbeitet das Stadtplanungsamt an einem neuen Rahmenplan für die Ortsmitte. Der soll die Richtung weisen, wie Plieningen sich in Zukunft optisch entwickelt. Und die Bürger dürfen daran mitarbeiten. In seiner jüngsten Sitzung vergangene Woche befürwortete der Bezirksbeirat die Absichten mehrheitlich.

Der bestehende Rahmenplan ist aus dem Jahr 1987. Seitdem hat sich in und um Plieningen viel getan: Die Ortskernsanierung ist fast fertig, der Flughafen wurde ausgebaut, die Messe ist vom Killesberg in Sichtweite gezogen, die Uni Hohenheim hat mittlerweile fast 10.000 Studenten. Seitdem hinzugekommene Satzungen und Konzepte zur Stadtplanung verwirren den Häuslebauer zunehmend. Für den Ortskern ist nicht festgelegt, was wie gebaut werden darf. Im neuen Rahmenplan sollen alle Einzelkonzepte zu einem großen Ganzen verschmelzen und Klarheit schaffen.

Die Vertreter des Stadtplanungsamts legten dem Bezirksbeirat vergangene Woche ihre Vorstellungen dar: Der Ortskern soll als „urbanes Dorf“ gestärkt, Synergien und Vernetzung mit Universität und Landwirtschaft gefördert werden. Auch müsse man aufpassen, dass Plieningen „nicht irgendwann abgehängt wird“, sagte Susanne Frucht vom Stadtplanungsamt, mit Blick auf die Stadtbahn, die nur an der Garbe hält. Das alles sind nur erste Ideen. Wie sich das konkret für die Plieninger auswirken könnte, ist noch völlig unklar.

„Die Aufgabe überfordert die Bürger“

Erste greifbare Anhaltspunkte erhofft sich die Stadt von der Bürgerbefragung zwischen Juni und September. Mehrere Stadtplanungsbüros seien derzeit im Gespräch mit der Stadt, um die Moderation der Befragung zu übernehmen. „Unser Eindruck war, dass es Sinn macht, bereits hier die Bürgermeinung einzubeziehen“, sagte Frucht bei der Präsentation. Rechtlich vorgeschrieben ist das indes nicht.

Die Bürger sollen der Stadtverwaltung sagen, was Plieningen für sie ausmacht. Welche Ecken sie besonders schätzen, welche Wege sie gerne gehen, welche Gebäude ihnen wichtig sind. So erfährt die Stadt „wo wir den historischen Kern erhalten müssen und wo wir eventuell nachverdichten können“, sagte Frucht.

Manchem Bezirksbeirat war bei der Vorlage nicht klar, wie groß die Einflussmöglichkeiten der Bürger sein werden. „Ich habe den Eindruck, hier sollen die Bürger über Dinge befinden, bei denen das Amt sich schwertut“, sagte Thomas Plagemann (Grüne). Diese Aufgabe würde die Bürger zwangsläufig überfordern.

„Wurmfortsatz in Stuttgart“

Dem sei keineswegs so, es sollen lediglich die Wünsche der Bürger berücksichtigt werden, entgegnete Susanne Frucht. „Es geht nicht darum, ihnen den Plan in die Hand zu drücken und zu sagen: ‚So, jetzt machen Sie es mal.‘“

Carl-Christian Vetter (CDU) beklagte den über Jahrhunderte schleichenden wirtschaftlichen Niedergang des Orts. Plieningen solle nicht zum „Wurmfortsatz in Stuttgart“ verkommen. Das vergleichsweise niedrige Durchschnittsalter der Einwohner und die Attraktivität für Familien sprächen eigentlich für eine positive Entwicklung des Stadtbezirks.

Silvia Auwärter-Carstensen (SPD) warnte mit Blick auf das von der Deutschen Bahn geplante Betonwerk auf den Plieninger Feldern vor einer „sukzessiven Zerstörung von Lebensqualität“ durch das Projekt Stuttgart 21. Dem müsse in Plieningen ein Riegel vorgeschoben werden. Die Stadträtin Helga Vetter (CDU) merkte an, dass „Plieningen immer ein Straßengarten war und nie ein Ortszentrum hatte“. Ihrer Meinung nach solle man nicht versuchen, etwas wiederherzustellen, was es so historisch nie gegeben habe.

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