Plflegeheime auf den Fildern Pflege wird etwa zehn Prozent teurer

Von Leonhard Fromm 

Das Land schreibt für Pflegeheime von 2019 an Einzelzimmer vor. Experten rechnen damit, dass dadurch die monatlichen Kosten für Bewohner von Einrichtungen wie dem Haus Sonnenhalde in Musberg steigen werden.. Foto: Norbert J. Leven
Das Land schreibt für Pflegeheime von 2019 an Einzelzimmer vor. Experten rechnen damit, dass dadurch die monatlichen Kosten für Bewohner von Einrichtungen wie dem Haus Sonnenhalde in Musberg steigen werden.. Foto: Norbert J. Leven

In fünf Jahren werden auch auf den Fildern in Pflegeheimen die Doppelzimmer abgeschafft – das treibt die Kosten in die Höhe.

Filder - Um etwa zehn Prozent verteuern sich voraussichtlich die Kosten für Pflegeheimplätze in den kommenden Jahren. Der Grund: Von 2019 an schreibt das Land Einzelzimmer vor. Dadurch fallen von rund 90 000 Heimplätzen im Südwesten etwa 18 000 weg. Ein Beispiel dafür ist das Wohn- und Pflegezentrum St. Vinzenz in Plattenhardt, wo nach vierjährigem Umbau noch 200 von zuvor 279 Plätzen übrig bleiben.

„Die Gebäudekosten müssen entsprechend auf weniger Bewohner umgelegt werden“, erklärt der Einrichtungsleiter Hans Vogel. Das 1961 errichtete und 1974 und 1978 erweiterte Haus der Keppler-Stiftung habe zwar ohnehin saniert werden müssen, aber auch die Anpassung an die vor drei Jahren erlassene Landesheimbauverordnung habe eine zentrale Rolle gespielt.

Zahl der Bewohner sinkt

Aktuell hat das Caritas-Haus in vier Gebäuden noch 239 Bewohner, mit Abschluss des Umbaus sinke die Zahl bis Januar auf 200, sagt Vogel. In geringem Umfang werde es weiterhin Doppelzimmer geben, weil dies baulich nicht anders zu machen sei. Vogel, der den Schwund per Aufnahmestopp regelt, setzt dann auf eine Übergangsklausel, die das Land bis 2034 im Bestand bewilligt.

Diese Option zieht auch Klaus Ziegler, dessen Wohngemeinschaft für Senioren (WGfS) 133 Bewohner betreut, davon rund 40 Prozent in Doppelzimmern. „Unsere drei Häuser in Filderstadt sind alle relativ neu und auf modernem Standard, da können wir uns schon betriebswirtschaftlich keinen Umbau leisten“, sagt der Geschäftsführer privatwirtschaftlichen Einrichtung. Was bis 2034 sein wird, kann er noch nicht sagen. Nach seiner Beobachtung mögen die Senioren aber eher die Doppelzimmer, weil ihnen Geselligkeit wichtiger sei als Intimsphäre. Das gelte für Demente und Bettlägerige erst recht. Auch fragten Paare immer wieder gezielt nach Doppelzimmern.

Die Angehörigen sind das Problem

Vogel, dessen Haus früher sogar Vier-Bett-Zimmer hatte, die gern genutzt wurden, bestätigt diese Einschätzung: „Das Thema der Senioren ist ja eher Einsamkeit.“ In der Schweiz kenne er Häuser, die deshalb Mehrbettzimmer sogar aktiv bewerben. Das Problem, darin sind sich die Betreiber einig, sind die Angehörigen, die oft von sich selbst als aktive, ruhebedürftige Menschen ausgingen und deshalb das Einzelzimmer für ihre Eltern geradezu forderten. Die grün-rote Regierung sei mit der bundesweit schärfsten Verordnung deren Interessen gefolgt.

Arndt von Boehmer, AWO-Geschäftsführer in Stuttgart, der landesweit zwölf Häuser betreibt, bestätigt dies. Sein Haus Sonnenhalde in Musberg hat nach einem Um- und Teilneubau 2004 auf der Basis der alten Vorgaben 68 Einzel- und 16 Doppelzimmer, was 100 Plätzen entspricht. Ihn ärgert mangelnde Planungssicherheit. Er setzt deshalb auch auf die Übergangsregelung bis zum Jahr 2034. Für Musberg rechnet von Boehmer vor, dass die täglichen Gebäudekosten je Heimplatz aktuell bei 11,23 Euro liegen. Wenn 16 Plätze entfallen, erhöht sich die Umlage auf 13,37 Euro pro Tag, was Mehrkosten von monatlich 65 Euro ausmacht.

Anstieg im Schnitt bei zehn Prozent

Im St. Vinzenz wird dieser Investitionskostensatz nach dem Umbau von 6,05 Euro auf zwölf bis 17 Euro pro Tag steigen. Ein Heimplatz im Land kostet im Schnitt (Pflegestufe II) monatlich circa 3000 Euro. Laut Bundesverband privater Pflegeanbieter machen Investitions- und Gebäudekosten daran ein gutes Drittel aus. Entsprechend steige der Heimpreis durch diese Landesvorgabe im Schnitt um zehn Prozent.

Lesen Sie jetzt