Der Gewa-Tower in Fellbach steckt trotz Verkaufs immer noch in der Klemme. Foto: Hans-Dieter Wolz

Die Auszahlung des Kaufpreises für den 107 Meter hohen und erst halb fertigen Wohnturm stockt. Für die teilweise Rückzahlung der Finanzierungsanleihe an die Geldanleger ist ein neuer Termin festgelegt worden.

Fellbach - Selbst Monate nach der Übernahme des halb fertigen Pleite-Wohnturms in Fellbach durch die CG-Gruppe des Investors und Bauunternehmers Christoph Gröner ist beim Gewa-Tower immer noch der Wurm drin. Nach wie vor haben die Gläubiger der längst abgelaufenen Finanzierungsanleihe über 35 Millionen Euro kein Geld zurückerhalten. Die Auszahlung des Kaufpreises an den Insolvenzverwalter soll jetzt am 1. März stattfinden. Erst danach werden die Geldanleger erstmals eine Quote aus ihren Anteilen zurückerhalten. Nach dem Verkauf des Rohbaus an die CG-Gruppe können die Anleihezeichner mit einer Auszahlung von etwa 40 Prozent ihrer Geldanlage rechnen, nachdem sie zwischenzeitlich sogar mit einem Totalverlust rechnen mussten.

Investor und Insolvenzverwalter arbeiten „vernunftgeleitet“ zusammen

„Die Komplexität der Abwicklung hat es erforderlich gemacht, dass der Insolvenzverwalter einen neuen Zahlungstermin für den Kaufpreis mit dem Investor vereinbart hat. Dieser neue Zahlungstermin ist der 1. März“, schreibt der gemeinsame Vertreter der Anleihegläubiger, der Rechtsanwalt Gustav Meyer zu Schwabedissen, an seine Klienten. Die Kaufvertragsparteien seien sich einig, dass nicht der Insolvenzverwalter an der Verzögerung schuld ist. Daher haben sie vereinbart, den Kaufpreis rückwirkend vom 10. Januar zu verzinsen. Weswegen sich der Geldfluss genau verzögert hat, erläutert der Rechtsanwalt nicht. Er sagt aber: „Der neue Termin ist nach meiner Einschätzung das Ergebnis einer vernunftgeleiteten Zusammenarbeit zwischen dem Insolvenzverwalter und dem Investor.“

Schwabenlandtower soll ab Frühjahr fertig gebaut werden

Die CG-Gruppe will den jetzt so genannten SLT 107 Schwabenlandtower ab Frühjahr fertig bauen, wenn eine entsprechende Baugenehmigung durch die Stadt Fellbach erteilt worden ist. Er ist 107 Meter hoch und hat 34 Stockwerke, die auf praktisch gleicher Fläche von 10 500 Quadratmetern jetzt Platz bieten sollen für 192 Mietwohnungen statt bisher für 66 große, teils luxuriöse Eigentumswohnungen. Das Hotel am Sockel des Hochhauses soll noch um ein Stockwerk höher werden und dann auf 4000 Quadratmetern Fläche 164 Zimmer anbieten. Dafür ist die Baugenehmigung schon vorhanden.

Es wird erwartet, dass das Bauamt der Stadt im März oder April die neuen Pläne für den Tower absegnet. Schließlich hat der Gemeinderat diese bereits im vorigen Jahr gutgeheißen und eine Stellplatzsatzung aufgestellt, die pro Wohnung rechnerisch nur ungewöhnlich niedrige 0,8 Parkgelegenheiten in der Tiefgarage verlangt.

Wohnturm entwickelt sich zum 109-Millionen-Euro-Projekt

Christoph Gröner hat den halb fertigen Tower samt Hotel für 15 Millionen Euro zuzüglich einer weiteren Million unter einigen Bedingungen aus der Insolvenz der Esslinger Firma Gewa herausgekauft. Bereits erworbene Eigentumswohnungen hat er zum Preis der bisherigen Kaufpreisraten plus eines Aufgelds von fünf Prozent ebenfalls übernommen und dafür weitere zehn bis 13 Millionen Euro ausgegeben. Nach früheren Angaben aus dem Jahr 2017 hätte es damals 27 Millionen Euro gekostet, Wohnungen und Hotel fertigzustellen. Dieses Geld war nicht vorhanden. Diese Baukosten dürften sich inzwischen deutlich gesteigert haben. Der Schwabenlandtower soll, wenn er fertig gestellt und voll vermietet ist, für 109 Millionen Euro an eine Vermögensverwaltungsgesellschaft oder Versicherung gehen.