Die krachende Insolvenz von Thomas Cook zeigt: Reiseveranstalter müssen zu einer umfassenden Absicherung der Kundengelder verpflichtet werden, fordert Thomas Wüpper.
Berlin - Ob Terroranschläge, Naturkatastrophen oder Pleiten – viele Urlauber vergessen schlechte Meldungen und Erfahrungen rasch, wenn die nächsten Reise-Schnäppchen locken. Das zeigt die Erfahrung. Und so hofft mancher in der Touristikbranche, dass auch über die krachende Insolvenz von Thomas Cook bald Gras gewachsen ist. Doch diese Hoffnung ist trügerisch.
Allein die Abwicklung der Ansprüche von Hunderttausenden geschädigter Kunden wird einige Jahre dauern. Diese Mega-Pleite hat das Vertrauen in die Touristikbranche und ihr wichtigstes Leistungsversprechen, die Pauschalreise, bis ins Mark erschüttert. Über Jahrzehnte haben die Anbieter damit geworben, dass ihre Kunden rundum abgesichert seien.
EU-Recht schreibt eine funktionierende Absicherung vor
Nun müssen die entsetzten Geschädigten erfahren, dass der Sicherungsschein nur begrenzten Schutz bietet, weil die Haftungssumme auf 110 Millionen Euro begrenzt ist, was bei großen Veranstaltern viel zu wenig ist. Davon profitiert haben Anbieter durch niedrigere Versicherungsprämien, getäuscht und geschädigt wurden die Kunden. Hier haben nicht nur die Unternehmen und ihre Verbände auf ganzer Linie versagt, sondern auch die Politik.
Das EU-Recht schreibt eine funktionierende Absicherung vor. Auch deshalb muss die Haftungslücke endlich ohne weiteren Verzug geschlossen werden. Die Veranstalter müssen zu umfassender Absicherung der Kundengelder verpflichtet werden, ohne Wenn und Aber. Und diese Verpflichtung sollte endlich auch für Airlines gelten, die bei Flugbuchungen das Geld teils ein Jahr im Voraus kassieren und wo bis heute jegliche Absicherung fehlt, obwohl bereits bei den Pleiten von Air Berlin und zuletzt Germania viele Kunden die Anzahlungen verloren haben. Es wird allerhöchste Zeit, dass die Politik die Verbraucher besser schützt.