Wegen eines Liquiditätsmangels hat die Paulus Wohnbau GmbH in Pleidelsheim Insolvenz in Eigenverwaltung angemeldet. Angehende Wohnungsbesitzer brauchen aber nicht um ihr Geld zu fürchten. Begonnene Projekte werden beendet.
In der Ortsmitte von Pleidelsheim klafft eine große Baulücke. Wo früher einmal der Bauhof war, sollten eigentlich Wohnungen entstehen und zudem ein Supermarkt einziehen, um die örtliche Nahversorgung zu sichern. Wann das der Fall sein wird, ist derzeit aber noch unklar. Und das liegt nicht nur daran, dass die Baugenehmigung noch nicht vorliegt. Der Grund ist vor allem, dass die Paulus Wohnbau Insolvenz in Eigenverwaltung angemeldet hat. „Wir haben aktuell Liquiditätsprobleme“, erklärt Geschäftsführer Erwin Paulus. Und das wiederum liege daran, dass der Wohnungsverkauf nur sehr schleppend laufe. „Derzeit haben wir 360 Wohnungen im Bau, in denen hohe Eigenmittel stecken. Stark die Hälfte der Wohnungen ist verkauft“, so Paulus.
Kunden müssen keine Angst um ihr Geld haben
Mit den Banken sei das so geregelt, dass es – je nachdem, wie viel verkauft sei – Rückflüsse gebe. Wenn sich der Verkauf wie jetzt in die Länge ziehe, fehlten diese Rückflüsse bei der Liquidität. „Wir haben mit den Banken verhandelt. Nicht alle wollten gleich mitziehen, doch jetzt, nach zwei Wochen, gibt es entsprechende Signale. Wir werden wohl über die nächsten anderthalb Jahre die Mittel komplett zurückbekommen und können so die begonnenen Projekte fertigstellen, selbst wenn jetzt ein Jahr lang gar nichts verkauft werden sollte.“ Nicht betroffen seien die Kunden, die auf im Bau befindliche Wohnungen bereits Abschlagszahlungen geleistet hätten, versichert der Unternehmer. „Keiner verliert Geld, und auch die Handwerker werden bezahlt. Das läuft über getrennte Projektkonten. Im Zweifelsfall kann der Kunde auch zurücktreten und bekommt dann sein Geld zurück.“
Dass der Verkauf nur schleppend läuft, führt Paulus vor allem auf zwei Dinge zurück: „Die enorm gestiegenen Bauzinsen und ein gestiegenes Sicherheitsbewusstsein der Banken.“ So gebe es Kunden, die errechnet hätten, dass sie sich die Raten leisten könnten und denen trotzdem ein Kredit verweigert worden sei.
Immer mehr Vorschriften verteuern das Bauen
Als Paulus Wohnbau Mitte der 1990er Jahre gegründet wurde, waren die Zinsen allerdings noch deutlich höher als die heutigen vier bis fünf Prozent, und es war auch nicht ungewöhnlich, dass von den Banken eine Eigenkapitalquote von 30 Prozent verlangt wurde. Warum ist jetzt die Nachfrage so gering, obwohl die Wohnungsnot gestiegen ist? „Die Leute haben sich ein Stück weit an die extrem niedrigen Zinsen gewöhnt“, so Paulus. Und natürlich seien auch die Baukosten enorm gestiegen. Nicht nur durch höhere Handwerkerlöhne, sondern auch durch mehr Vorschriften. „Wir müssen heute in Decken viel mehr Eisen verbauen als früher. Da war bei einer Spannweite von sechs Metern ein Riss von drei Millimeter Breite genehmigt, heute lassen Gerichte maximal anderthalb Millimeter zu.“ Das bedeute, dass man beispielsweise in einer Tiefgarage für den Stahl mit Mehrkosten von 100 000 bis 150 000 Euro rechnen müsse. Auch erhöhte Anforderungen an den Schall- und Wärmeschutz machten sich bei den Baupreisen bemerkbar. „Jede Vorschrift im Einzelnen ist sicher sinnvoll, aber in der Summe macht das sehr viel aus.“ Zudem habe die Bürokratie zugenommen: „Heute brauchen Sie zum Bauen einen Geologen, einen Brandschutzgutachter und vieles andere, woran man früher gar nicht gedacht hat.“
Vor allem fertige Wohnungen dürften gefragt sein
Die Kaufzurückhaltung betreffe alle Wohnungstypen gleichermaßen, sagt Paulus. Wobei Seniorenwohnungen schon immer von den meisten erst nach der Fertigstellung gekauft worden seien. Das Wohnbauunternehmen könne zwar in den sechs bis neun Monaten, die das Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung dauere, keine großen neuen Projekte angehen, weil ein Sachwalter darauf achte, dass nicht für Unnötiges Geld ausgegeben werde. Doch er gehe ohnehin davon aus, dass vor allem nahezu fertige Wohnungen nachgefragt würden, je mehr der Wohnungsdruck steige.
In dem 18-Familienhaus, das derzeit in Höpfigheim entsteht, seien 13 Wohnungen bereits verkauft, der Rohbau sei zur Hälfte fertig. Wegen des schwierigen Untergrunds sei man hier etwas in Verzug. Innerhalb der nächsten zwei bis vier Wochen könne aber wohl weitergebaut werden. Und auch für die Pleidelsheimer Ortsmitte besteht noch Hoffnung. „Wenn wir die Baugenehmigung haben, finden wir unter Umständen auch einen Investor für den Lebensmittelmarkt“, ist Paulus optimistisch.
Auch der Pleidelsheimer Bürgermeister Ralf Trettner bleibt trotz der Insolvenz gelassen: „Warten wir’s mal ab; so schnell schießen die Preußen nicht.“ Alle Wohnungsbaufirmen hätten Höhen und Tiefen, und jetzt die Pferde zu wechseln, bringe nichts. Das Projekt solle umgesetzt werden – mit der Firma Paulus.
Die Paulus Wohnbau GmbH
Gründung
Gegründet wurde das Unternehmen im Jahr 1995 als Paulus Wohnbau und Immobilien GmbH von Edith Paulus. Im Jahr 2007 wurden daraus die Paulus Wohnbau GmbH und die Paulus Immobilien GmbH. Letztere ist von der Insolvenz nicht betroffen.
Besonderheiten Die Paulus Wohnbau GmbH hat sich auf Baulückengrundstücke in Orts- und Stadtkernen im Großraum Stuttgart sowie in den Kreisen Rems-Murr, Heilbronn und Ludwigsburg spezialisiert, wo sie Eigentumswohnungen und Seniorenwohnanlagen erstellt. Derzeit befinden sich 360 Wohnungen noch im Bau.
Team
Insgesamt 36 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter arbeiten derzeit für das Unternehmen. Das Ziel der Insolvenz ist laut Erwin Paulus, sämtliche Arbeitsplätze zu erhalten.