Ein 36-jähriger ist wegen Drogenhandels zu viereinhalb Jahren Gefängnis verurteilt worden. Im Rahmen seines Geständnisses hat der Mann auch die Namen von Mittätern, Lieferanten und Kunden offen gelegt.
Pleidelsheim - Zunächst kiffte er in der Jugend täglich, später nahm er auch härtere Drogen – und zuletzt handelte der heute 36-Jährige schließlich mit großen Mengen an Rauschmitteln – Marihuana, Kokain, Haschisch, Speed und Ecstasy. Das ist dem Mann aus Pleidelsheim zum Verhängnis geworden: Das Landgericht Stuttgart verurteilte ihn gestern zu einer Freiheitsstrafe von viereinhalb Jahren.
Wobei man von „nur“ viereinhalb Jahren sprechen kann – denn in der Wohnung des Mannes wurden auch Waffen gefunden, darunter eine geladene Halbautomatik-Pistole in der Sofaritze. Fallen die Tatbestände des unerlaubten Handeltreibens mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge sowie unerlaubter Waffenbesitz zusammen, ist vom bewaffneten Handeltreiben mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge die Rede. Die Mindeststrafe lautet dann fünf Jahre Gefängnis.
Die Staatsanwaltschaft nahm jedoch Abstand davon, alle 32 Fälle von Anfang 2015 bis zur Festnahme im Sommer 2016 mit den Waffen in Verbindung zu setzen – sondern tat dies nur bei vier. Ein Grund: Der Angeklagte legte ein Geständnis ab. Das ging so weit, dass er Mittäter, Lieferanten und Abnehmer beim Namen nannte – darunter ehemals gute Freunde. Personen, welche die Staatsanwaltschaft sonst nicht hätte ausfindig machen können. So wird gegen sieben weitere Personen ermittelt, darunter der Mann, der den nun Verurteilten überhaupt erst bei der Polizei angeklagt hatte – zur Verwunderung aller, schließlich war er selbst an dem Handel beteiligt.
„Dass in einer Strafsache mit Betäubungsmitteln so umfangreich ausgesagt wird, hatten wir lange nicht. Das ist ungewöhnlich“, betonte die Richterin. „Ohne die Aussage wären Sie bei sechs Jahren plus gelandet, so sind es vier Jahre plus“, machte sie in Richtung des Verurteilten deutlich. Und unterzieht sich der einschlägig Vorbestrafte einer Therapie, könnte er zwei Jahre früher auf Bewährung frei kommen.Der Verurteilte hatte gestanden, die Drogen von einem Kontaktmann angenommen und weiterverkauft zu haben. Im Urteil ging es um 2,4 Kilogramm Kokain, 30 Kilogramm Marihuana, 22 Kilogramm Haschisch und 5000 Ecstasy-Pillen. Die Waffe habe er besessen, da ein Tresor mit Rauschgift aus seiner Firma gestohlen worden sei, so der Pleidelsheimer. Dadurch habe er bei Dealern in den Niederlanden Schulden gehabt. Einmal habe ihn ein Trupp besucht, der Geld eintreiben wollte.
Seine Firma war insolvent gegangen, weshalb er mit dem Handel von Marihuana und Haschisch im größeren Stil begonnen hatte. Im Keller des Bruders legte er auch eine Cannabis-Plantage an. Mit dem verdienten Geld wollte er Firmen-Schulden begleichen, was er aber nicht tat. Mit der Zeit kam der Kokain-Handel hinzu, der wegen schlechter Qualität der Ware und des Tresor-Diebstahls floppte. „Das war eine Nummer zu groß für Sie“, so die Richterin.Zwar konsumierte der 36-Jährige einen Teil der Drogen selbst, eine „Sucht“ stellte ein Gutachter vor Gericht aber nicht fest. Er hob vielmehr hervor, dass der Mann trotz drei abgebrochener Ausbildungen zuletzt komplexe Arbeit in der Nanotechnologie verrichtet habe, dabei auch eigenverantwortlicher Projektleiter gewesen sei.
Die Richterin appellierte daher an den Verurteilten: „Ich möchte Ihnen eine Perspektive bieten. Bei jeder weiteren Tat werden Sie aber wieder direkt im Gefängnis landen.“ Die Verteidigerin bekräftigte, dass der Mann sein Leben auf neue Pfade lenken wolle – da Mittäter nicht gut auf ihn gestimmt sein dürften, wird er das jedoch wohl an unbekannter Stelle tun müssen.