Ritterabenteuer demnächst auch im großen Format: Die Playmobilfiguren kommen ins Kino. Foto: dpa

Heidi im Playmobil-Stil, Ritter im Plastikgewand und mehr: Die Hersteller der Playmobil-Spielfiguren streben in das Geschäft mit Film und Fernsehen.

Zirndorf / Annecy - Bald ist es soweit, dann erobern die kleinen Playmobilfiguren die große Leinwand: Die 80 Millionen Dollar teure Kinoproduktion „Playmobil - Der Film“ hat am kommenden Montag Weltpremiere – noch vor kleinem Publikum. Der Streifen eröffnet das traditionsreiche Festival für Animationsfilme im französischen Annecy. Der offizielle Kinostart ist für den 29. August vorgesehen.

Für die Playmobil-Entwickler – die Brandstätter Gruppe in Zirndorf bei Nürnberg – ist das aber nur ein Schritt von vielen, um sich zukünftig international auch als starke Medienmarke aufzustellen. „Aktuell produzieren wir unsere erste große TV-Serie über eine neue Ritterwelt mit dem Titel ,Novelmore‘, die im Herbst 2020 an den Start geht“, kündigte der Markenvorstand der Brandstätter Gruppe, Lars Wagner.

Zurzeit sei auch eine „Heidi“-Reihe im Playmobil-Stil in Vorbereitung, die ebenfalls nächstes Jahr erscheinen soll. Beide Produktionen sollen rund um den Globus vermarktet werden. Wagner wurde dafür im vergangenen Jahr in die Führungsriege berufen.

Lino DiSalvo, Regisseur des Playmobil-Films und zuvor Animationschef bei Disney, sagt dazu: „Mein Film ist eine Hommage an diese kreative Welt, die Playmobil geschaffen hat. Diese Marke ist für viele Menschen hochemotional, sie sind damit aufgewachsen, und ihre Kinder wachsen ebenfalls mit ihr auf.“

Erste Einblicke beim Stuttgarter Trickfilmfestival

Das mag auch der Grund gewesen sein, warum sich so viele Stars als Synchronsprecher beteiligten. Während beispielsweise in der englischsprachigen Fassung „Harry Potter“-Star Daniel Radcliffe dem Superagenten Rex Dasher seine Stimme leiht, ist das in der deutschen Version der Part von Matthias Schweighöfer.

Branchenbeobachter hatten die Playmobil-Expansion in die Film- und Medienwelt schon früher erwartet, beim Stuttgarter Trickfilmfestivalfestival 2019 trat der Hersteller als Sponsor auf und zeigte Ausschnitte aus dem Kinofilm. Die seien „nach US-Erfolgsformel zum turbulenten Abenteuer gestrickt vom früheren Disney-Animator Lino DiSalvo“, notierte der Filmkritiker dieser Zeitung, und beschrieb den Inhalt wie folgt: „Zwei Kinder geraten in die Welt der Playmobil-Figuren und müssen diese retten.“ Regisseur DiSalvo sagte bei der Präsentation einiger Sequenzen im Gloria-Kino in Stuttgart: „Bei Lego geht es ums Konstruieren, bei Playmobil ums Rollenspiel.“

Viele Spielzeughersteller können mit den Ausflügen ins Fernsehen und Kino ihre Gewinne durch das Merchandising-Geschäft deutlich erhöhen, etwa der dänische Spielzeugriese Lego. Die Verantwortlichen von Playmobil jedenfalls wollen mit ihrer neuen Strategie einem klaren Trend Rechnung tragen: Kinder verbringen zu Hause und unterwegs immer mehr Zeit mit Video-Inhalten oder Games. „Kindheit heute ist immer auch eine Medienkindheit“, formulierte es Medienwissenschaftlerin Maya Götz.

Damit Playmobil als Marke in der Lebenswirklichkeit der Kinder dauerhaft verankert bleibt, müsse sie auch in Videos und Games sichtbar sein, wie Wagner betont: „Wir möchten überall dort sein, wo sich Kinder jetzt und in Zukunft gerne aufhalten.“ Die Brandstätter Gruppe brachte Playmobil vor 45 Jahren auf den Markt. Hergestellt wird das Spielzeug in Zirndorf bei Nürnberg. Voriges Jahr wurden damit in rund 100 Ländern knapp 700 Millionen Euro umgesetzt. Das Unternehmen beschäftigt weltweit 4600 Mitarbeiter, mehr als die Hälfte davon in Deutschland.

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