Der Platz an der Mittnachtstraße wird kaum genutzt. Kommendes Frühjahr soll er durch einen Markt belebt werden – noch im Weg sind die Kunstobjekte Foto: Eva Funke

Auch der Stuttgarter Norden soll jetzt seinen Markt bekommen – an der Stadtbahnhaltestelle in der Mittnachtstraße.

S-Nord - Kopfsteinpflaster, Bänke zum Ausruhen unter schattigen Bäumen, ein Brunnen: Der Platz unterhalb der Stadtbahnhaltestelle an der Mittnachtstraße lädt dazu ein, sich dort aufzuhalten. Doch nur ein paar Tauben und junges Paar nehmen die Einladung an. Und irgendwie wirkt der Platz recht trostlos. Damit soll es vom kommenden Frühjahr an vorbei sein. Geplant ist dort der erste Markt im Stuttgarter Norden. An acht bis zehn Ständen soll es dann Blumen, frisches Obst, Gemüse, Käse und vielleicht auch Fisch geben – und zwar zunächst immer freitags von 11 bis 18 Uhr.

Sämtliche Fraktionen dafür

Um den attraktiven, aber kaum genutzten Platz zu beleben, plädiert der Bezirksbeirat Nord seit langem für einen Markt an der Mittnachtstraße, „Vor etwa zwei Jahren hab ich die Idee in den Bezirksbeirat gebracht. Sämtliche Fraktionen haben sie befürwortet und einen entsprechenden Antrag bei der Stadtverwaltung gestellt“, sagt Bezirksvorsteherin Sabine Mezger. Weil in anderen Bezirken wie Mönchfeld Märkte nicht gelohnt haben und wieder eingestellt worden sind, sollten im Norden vorher Studenten analysieren, ob es im Nordbahnhofviertel überhaupt Bedarf für einen Markt gibt. Passiert ist nichts – bis Thomas Lehmann kam. Der 48-Jährige hat vor knapp einem halben Jahr die Geschäftsführung der Stuttgarter Marktgesellschaft übernommen – und damit hat es einen Rucker getan. Eine Analyse braucht es seiner Meinung nach nicht: „Der Standort ist in Ordnung. Dadurch, dass der Platz direkt an der Stadtbahnhaltestelle liegt, steigen dort viele Berufstätige ein und aus, die noch schnell einkaufen möchten“, ist der Manager überzeugt. Ob es acht oder zehn Stände werden, das hängt davon ab, ob die bunten zu Sitz- und Kunstobjekten umgestalteten Baumstämme weg können. Bezirksvorsteherin Mezger: „Die sind in keinem guten Zustand und müssen in Ordnung gebracht werden. Vielleicht können sie anschließend irgendwo anders aufgestellt werden.“

Außer Discountern kaum Einkaufsmöglichkeiten

Anwohner und Geschäftsleute stellen fest, dass ein Markt an dem Platz längst fällig ist: „Früher hatten wir hier ein halbes Dutzend Gemüsegeschäfte. Alle sind sie weg. In den meisten anderen Stadtbezirken gibt es ja auch Märkte“, sagt Sevda Yilmaz. Die 58-jährige ist Inhaberin des Haar-Studios Nord und würde regelmäßig an den Ständeneinkaufen. „Ein Markt ist ja immer auch ein sozialer Ort, an dem man sich trifft und mit einander redet“, meint ihre Kundin Sophia Engler. Die 33-jährige Projektleiterin lebt im Stuttgart-Nord und kritisiert, dass es außer den Discountern kaum Einkaufsmöglichkeiten in der Gegend gibt. Irina Keller findet einen Markt zwar auch wünschenswert, doch hat die 43-Jährige Bedenken: „Die Menschen im Nordbahnhofviertel haben doch gar nicht das Geld, um auf einem Markt einkaufen zu können“, fürchtet sie, meint aber schließlich: „Einen Versuch ist es wert.“ Und eine Stadtbahnkundin bedauert, dass der Markt erst im nächsten Frühjahr kommt.

Bis März dauert es noch, weil der Herbst laut Lehmann ein schlechter Zeitpunkt für die Eröffnung ist. Denn bei feucht-kalten Wetter besteht die Gefahr, dass die Kundschaft ausbleibt und die Marktbeschicker dann das Handtuch werfen. Außerdem müssen für das Vorhaben noch Interessenten gewonnen werden. „Das ist Aufgabe unserer Marktaufseher“, sagt Lehmann. Sie durchforsten die Wartelisten nach Beschickern mit einem geeigneten Angebot und schreiben sie dann an.

Für Lieferwagen gibt es unterhalb der Kleinestraße auch Parkmöglichkeiten. Mezger: „Der Wermutstropfen für die Anwohner ist, dass dann während der Marktzeit am Freitag etwa fünf Stellplätze wegfallen.“ Die Bezirksvorsteherin kann sich auch vorstellen, dass es dort einen Imbisswagen mit Maultaschen oder anderen Spezialitäten gibt.

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