Mikroplastik entsteht, wenn Kunststoff in kleine, feste Teilchen zerfällt. Diese festen und unlöslichen Teile gelangen so auch in die Umwelt und Gewässer. Wie lässt sich das vermeiden? Foto: dpa/Christoph Sator

Studien zeigen: Die kleinen Kunststoffteilchen sind inzwischen überall. Doch was sind die Hauptquellen für Mikroplastik? Und was können Politik und Verbraucher tun?

Stuttgart/Freiburg - Wenn ausgedientes Plastik in die Umwelt gelangt, zersetzt es sich nur langsam – und zerfällt dabei schließlich in winzig kleine Partikel. Zudem sind in vielen Produkten kleinste Plastikteilchen enthalten, beispielsweise in Autoreifen. In jüngster Zeit machen immer mehr Studien deutlich, dass dieses Mikroplastik überall zu finden ist – in den Gewässern des Landes und Meerestieren ebenso wie in menschlichen Stuhlproben. Eine kürzlich veröffentlichte Studie im Auftrag des WWF ergab, dass Menschen pro Woche im Durchschnitt etwa fünf Gramm Mikroplastik aufnehmen – so viel wie das Gewicht einer Kreditkarte. Was dies konkret für die Gesundheit bedeutet, müssen künftige Studien zeigen.

 

Am Freiburger-Öko-Institut forscht ein Team um Andreas Köhler zu den Ursachen des hohen Plastikaufkommens und zu den Möglichkeiten, die nachteiligen Folgen auf die Umwelt zu begrenzen. „Ein Verzicht auf massenhaften Gebrauch von kurzlebigen Kunststoffprodukten könnte die Plastikflut in der Umwelt wirkungsvoll eindämmen“, sagt Köhler. Plastikrecycling sei zwar wichtig, reiche aber nicht aus, um Mikroplastik von der Natur fernzuhalten.

Trotz des Recyclings sei die Menge an Kunststoff in den letzten 30 Jahren enorm angestiegen – und steige noch. Viele Verpackungen aus Verbundmaterialien oder mit bunten Farben seien zudem schlecht recycelbar. Hinzu kommt, dass die Nachfrage nach Recycling-Plastik bislang gering ist. Und: „Auch Ersatzmaterialien wie bioabbaubare Kunststoffe oder Baumwolltextilien verlagern die Umweltprobleme nur“, ist Andreas Köhler überzeugt.

Das Öko-Institut hat erforscht, wie ein wirkungsvoller Beitrag aussehen kann

Bei dem spendenfinanzierten Projekt „#plastikfrei leben“ des Öko-Instituts wurden explizit auch Erfahrungen von Verbraucherseite in Betracht gezogen – und die Frage, wie ein wirkungsvoller Beitrag der Verbraucher aussehen kann. So seien plastik-verpackte Fertiggerichte leicht durch unverpackte frische Lebensmittel ersetzbar, wenn „ein paar bequeme Konsumgewohnheiten umgestellt werden.“ Auch der Mikrofaserabrieb von Kleidung aus synthetischen Fasern lasse sich durch Nutzung langlebiger Bekleidung eindämmen, argumentiert Köhler.

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Allerdings seien viele Menschen durch den Konsum solcher oft günstigen Textilien und den Kauf von Convenience-Lebensmitteln „buchstäblich in der Bequemlichkeitsfalle gefangen“, heißt es im Bericht zum Projekt. „Eine Trendwende beim globalen Plastik-Desaster erfordert deshalb die Initiative vieler Menschen ebenso wie ein Handeln von Politik und Industrie“, sagt Köhler.

So sei die Politik angesprochen, gesetzliche Rahmenbedingungen für eine Belohnung des Plastikverzichts zu gestalten. Einerseits müsse die Industrie in die Pflicht genommen werden, verpackungsarm zu produzieren und zu transportieren. Andererseits müssten plastikfreie Logistik und verpackungsarmes Einkaufen steuerlich attraktiver werden, fordert Köhler.

Die größte Quelle für Mikroplastik ist der Abrieb von Reifen im Straßenverkehr

Die Plastikflut wächst jährlich weiter an: 2017 fielen in Deutschland laut Umweltbundesamt rechnerisch 226,5 Kilogramm Plastikmüll je Einwohner an. Das Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheit- und Energietechnik in Oberhausen (Umsicht) geht davon aus, dass in Deutschland jedes Jahr etwas mehr als drei Prozent des verwendeten Kunststoffs in die Umwelt gelangen, der überwiegende Teil in Form von winzig kleinen Teilchen – so genanntem Mikroplastik. Davon ist die Rede, wenn kleine Plastikteilchen kleiner als fünf Millimeter groß sind.

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Zwar sind die Quellendes Mikroplastiks zum Teil noch unbekannt. Klar ist aber so viel: Die größte Quelle für Mikroplastik ist mit einem Drittel der Abrieb von Reifen im Straßenverkehr. Dazu kommen laut Fraunhofer-Umsicht Emissionen bei der Abfallentsorgung, Abrieb im Asphalt, Verwehungen von Sport- und Spielplätzen und von Baustellen. Auch durch den Abrieb von Schuhsohlen oder von Plastikverpackungen gibt jede und jeder Deutsche jährlich um die hundert Gramm Mikroplastik in die Umwelt ab. 77 Gramm pro Kopf und Jahr sind es demnach, die sich beim Waschen von Textilien mit Kunststofffasern lösen und 19 Gramm durch die Nutzung von Kosmetika.