Plastikfrei in Steinenbronn Ein Laden belohnt den umweltfreundlichen Einkauf

Von Caroline Holowiecki 

Aileen (l.) und Marina Mummert wollen den Verzicht auf Plastik unterstützen. Foto: Carline Holowiecki
Aileen (l.) und Marina Mummert wollen den Verzicht auf Plastik unterstützen. Foto: Carline Holowiecki

Wer Käse und Wurst in der eigenen Dose mit nach Hause nehmen will, findet in den Mummerts Verbündete. Die Betreiber zweier Lebensmittelmärkte haben aber noch eine ganz andere Methode, Plastik nach und nach auszumustern.

Steinenbronn - Mit Plastikboxen gegen Plastiktüten. Klingt absurd, ist aber ein recht neues Nachhaltigkeitsprojekt der Familie Mummert. Diese betreibt zwei Edeka-Filialen in Steinenbronn und Dettenhausen. Marina Mummert (64) und ihre Tochter Aileen (36) haben dem Plastikmüll den Kampf angesagt. Wie, das haben sie dieser Tage der grünen Landtagsabgeordneten Thekla Walker erklärt, die mit Mitgliedern des Ortsverbands Schönaich/Steinenbronn/Waldenbuch in der Gegend auf Tour war und in der Filiale in Steinenbronn Halt gemacht hat. Das Herzstück des Kunststofffrei-Konzeptes: die Fleisch-, Wurst-, Käse- und Fischtheke. Seit dem Umbau des Marktes 2017 werden Kunden ermuntert, Frischhalteboxen mitzubringen, damit Schimmelkäse, Schinken oder Schweinshaxe nicht in Tütchen gehüllt werden müssen. Erlaubt ist jede Art von Behältnis, eines ist aber wichtig: Aus hygienischen Gründen dürfen die Verkäufer es nicht hinter die Theke nehmen. Also bleibt die Schüssel auf der Theke stehen, der Verkäufer wiegt die Ware und hebt sie mit Besteck ins eigene Gefäß. Ein Wermutstropfen bleibt für Aileen Mummert: Auf die beschichtete Papierunterlage auf der Waage kann sie nicht verzichten, „aber wir fragen den Kunden, ob es in Ordnung ist, wenn wir das Papier bei seinem nächsten Artikel weiterverwenden“. Erst danach kommt es in die Tonne. „Wir sind die Einzigen in der Region, die das machen“, glaubt sie.

Leider bleibt ein Wermutstropfen

Um der Kundschaft das alles schmackhaft zu machen, haben sich die Frauen etwas Besonderes überlegt: die Baumsparkarte. Für jeden umweltfreundlichen Einkauf an der Bedientheke erhält der Kunde einen Stempeldruck auf sein Kärtchen. Hat er zehn gesammelt, pflanzen die Mummerts einen Baum. Im Frühjahr sind die ersten 200 Bäumchen in Dettenhausen gesetzt worden – gemeinsam mit der vierten Klasse der Schönbuchschule und dem Förster. Einen dreistelligen Betrag haben die Mummerts dafür investiert. „Wir sind von der Idee überzeugt und wollen regional etwas tun“, erklärt Aileen Mummert.

Plastikfreie Gemüseabteilung

Und sie wollen noch mehr Plastik sparen. So gibt es an den Kassen nur noch Papiertüten, und auch beim Obst und Gemüse werden die letzten Plastiktüten aufgebraucht, dann setzen sie auf Papier. „Der eine oder andere sagt zwar, er habe die Plastiktüten immer als Müllbeutel verwendet“, erzählt Marina Mummert, im Großen und Ganzen komme die Umstellung auf Öko aber gut an. Mehr noch: „Die Kunden haben das gefordert“, stellt Aileen Mummert klar.

Noch bringen wenige Kunden ihre Behältnisse zum Einkaufen mit. Es dauere eine Weile, bis sich alle dran gewöhnt haben, vermutet Aileen Mummert. Auch sie bekennt, dass sie bisweilen an ihre Grenzen stößt, etwa bei der Umstellung von Shampoo auf Haarseife. „Alltag ohne Plaste is’ schwer“, sagt die gebürtige Potsdamerin.

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