Nick Schaude präsentiert Kaffeekapseln samt Verpackung, die auf den Kompost dürfen Foto: Jan Reich

Immer mehr Kaffeetrinker nutzen die praktischen Kaffeekapseln – viele von ihnen allerdings mit schlechtem Gewissen. Denn ökologisch sind die Produkte aus Alu oder Plastik nicht. Jetzt haben zwei Jungunternehmer aus Winnenden Kapseln entwickelt, die zu 100 Prozent biologisch abbaubar sind.

Winnenden - Die meisten Kunststoffe werden noch immer aus Erdöl hergestellt, zum Teil bestehen sie auch aus krebserregenden Substanzen. Aber es gibt auch neue Kunststoffe, die aus nachwachsenden Rohstoffen entwickelt wurden und vor allem bei der Verpackung von Lebensmitteln und bei Kinderspielzeug an Bedeutung gewinnen. Ein solcher Kunststoff wird jetzt für die Kaffeekapseln verwendet, die Nick und Wulf Schaude auf den Markt gebracht haben.

Doch der Reihe nach: „Die Idee entstand bei uns zu Hause am Kaffeetisch“, sagt Nick, der in Winnenden (Rems-Murr-Kreis) aufgewachsen ist. Die Brüder und die Eltern waren sich einig, „dass Kaffeekapseln im Prinzip genial“ seien: „Jeder bekommt seinen Lieblingskaffee und es geht sehr schnell.“ Jedoch: „Nachhaltig sind die Kapseln nicht“, weiß der 28-Jährige. Der Gedanke ließ die Brüder nicht mehr los: Sie besuchten die großen Kunststoff- und Kaffeemessen, außerdem wegen der Pumpen auch Messen für Maschinenbau.

Bei immer neuen Tests ging auch einiges schief, einmal explodierte ein Kapsel regelrecht in der Maschine. Vier verschiedene Biokunststoffe wurden ausprobiert, am Ende machte einer das Rennen, der aus Polymilchsäure besteht (aus Zuckerrüben) und aus Kalziumkarbonat (Kreide). Die Kapseln sind so stabil, dass sie den hohen Druck von 20 Bar in der Maschine aushalten, ohne zu brechen. Auf dem Kompost sind sie allerdings binnen vier Wochen komplett verrottet. Dieses Ergebnis bescherte dem jungen Unternehmen das weltweit erste Keimling-Siegel für Kaffeekapseln. Diese europäische Zertifizierung fordert, dass sich das Produkt binnen zwölf Wochen zersetzen muss und garantiert, dass der Kunststoff tatsächlich biologisch abbaubar ist.

Nick und Wulf Schaude tauften ihr Produkt beanarella – nach englisch bean, wie (Kaffee-)Bohne. Und sie standen vor einem weiteren Problem: Für ihre speziellen beanarella-Kapseln benötigten sie spezielle Maschinen. In einem Ort bei Como in Norditalien fanden sie einen Familienbetrieb, der solche Maschinen für sie entwickelte und inzwischen in Serie baut. Mehr als 10 000 sind bereits verkauft worden. „Wenn man den Markt insgesamt anschaut, ist das gar nichts, aber unsere Entwicklung ist fantastisch“, lächelt Nick.

2011 gründeten die Brüder in der Schweiz die Swiss Coffee Company AG. Die Eltern, Karin und Klaus Schaude, leben schon seit ein paar Jahren dort, Nick zog nach einem Aufenthalt in Spanien ebenfalls dorthin und ist Geschäftsführer des Unternehmens. Sein Bruder Wulf, der einige Zeit als Pilot arbeitete, lebt inzwischen in den USA. Doch ihre Heimat sieht die Familie immer noch in der Region Stuttgart. Kein Wunder, dass die zweite Präsentation von beanarella (nach München) jetzt in Esslingen stattfand. Im Einkaufszentrum Das ES konnten Passanten beanarella verkosten.

„In einer Kaffeebohne sind bis zu tausend verschiedene Aromen enthalten“, sagt Nick – „das ist mehr als beim Wein.“ In sofern steht er voll und ganz hinter den blumigen Beschreibungen der fünf verschiedenen beanarella-Kaffeesorten. Da geht es um fruchtige Noten und körperreiche Fülle, um die karamellisierte Limettennote oder einen mandelartigen Körper: „Da haben uns die Fachleute unserer Rösterei geholfen“, sagt Nick Schaude. Die Turm Handels AG sei die älteste Rösterei der Schweiz mit hoher Reputation und viel Erfahrung. Mit deren Hilfe will Schaude „den besten Kaffee der Welt aus der Kapsel machen“. Selbstverständlich enthalten die mit einem dünnen Flies abgedeckten Kunststoffbehälter nur fair gehandelten Biokaffee. Zu den bisher fünf Sorten sollen dieses Jahr noch zwei weitere kommen.

Natürlich will Geschäftsführer Schaude wissen, wie der Kaffee den Kunden schmeckt. Und so hat er mehrfach inoffizielle Blindverkostungen arrangiert. Bei der Auswertung seiner Strichlisten habe beanarella deutlich vor dem Marktführer gelegen. Schaude führt das darauf zurück, dass in beanarella-Kapseln mehr Inhalt ist als in den meisten anderen und außerdem der Wasserdruck in seinen Maschinen höher ist als in anderen. So konnte das Start-Up-Unternehmen im vergangenen Jahr die Verkaufszahlen verdoppeln: „Und an Weihnachten hatten wir die bisher mit Abstand besten Zahlen.“

Jetzt bastelt Nick Schaude am Vertrieb. Noch dieses Jahr werde es Kapseln und Maschinen in Bio-Supermärkten geben, verspricht der Jungunternehmer, in Verhandlungen steht er außerdem mit Edeka und Rewe.

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