Am 21. November beginnt der dreimonatige Verkehrsversuch, bei dem unter anderem die Sch Foto: Tilman Baur

Der Bismarckplatz im Stuttgarter Westen soll umgestaltet werden. Doch aus den Reihen des Bezirksbeirats kommt Kritik. So wünschen sich die Grünen mehr Wasserelemente.

S-West - Auf der Entwicklung des Bismarckplatzes ruhen im Stuttgarter Westen viele Hoffnungen. Im Juni konnten sich Bürger direkt vor Ort ein Bild vom aktuellen Stand der Planungen machen, die das Internationale Stadtbauatelier (ISA) in den vergangenen Jahren zusammen mit den Bürgern entwickelt hat. Doch nicht alle sind damit zufrieden. Die Grünen im Bezirksbeirat zum Beispiel bemängeln, dass zu wenig Wasserelemente vorgesehen sind.

 

Das verwundert etwas, sehen die im Sommer vorgestellten Planungen doch sehr wohl „blaue“ Elemente vor, und zwar nicht zu knapp. Eine Zisterne etwa, die Wasser sammelt, das über eine Pumpe wiederverwendet werden kann. Auch eine Sprühnebel-Stele ist eine Option. Trotzdem finden die Grünen, dass die aktuelle Platzentwicklung „nicht an das Klima angepasst ist“, wie die Bezirksbeirätin Maria Flendt ausführte.

Planer sollen eingeladen werden

Konkret missfällt ihrer Fraktion, dass die Planungen ein Fontänenfeld für die Elisabethenanlage vorsehen. Stattdessen sähen sie dieses lieber auf dem Bismarckpatz selbst, entlang der Bismarckstraße. In der Elisabethenanlage wiederum solle stattdessen ein Wasserbecken her, dazu ein Matschplatz für Kinder. Gleichzeitig müsse die Stadt den Elisabethenbrunnen an der Hasenbergstraße erhalten. „Dass man den abbauen will, ist ein Witz“, so Flendt. Ob dieses wiederholte Herumdoktern an den Planungen sinnvoll ist? Schließlich beruhen diese ja auf Ideen der Bürgerschaft. „Wir haben doch bereits eine Planung. Ich kann das nicht gut finden“, kommentierte Andreas Huber (FDP). „Das ist doch alles begründet worden“, fand auch Gerhard Rupp (Die Fraktion). Er ergänzte: „Der Bismarckplatz ist auch für Veranstaltungen vorgesehen – da macht ein Fontänenfeld eher Probleme.“ Auch Ruth Schagemann (CDU) mahnte an, derlei Ideen nicht an den Planern vorbei zu diskutieren. Stattdessen solle man sie ins Gremium einladen, um direkt mit ihnen ins Gespräch zu kommen.

Maria Flendt beharrte jedoch auf ihrer Haltung. Bisher gebe es nur eine „Grobplanung“, die noch Änderungen vorsehe. „Das Thema Wasser ist noch nicht genug herausgearbeitet worden.“ Zudem behauptete Flendt, es sei „nie richtig begründet worden“, warum das eine Element hier stehe, das andere dort. Diese Begründung verlange man nun von der Fachverwaltung. Der Antrag wurde angenommen.

Während sich der Bezirksbeirat in Sachen Bismarckplatz mit Details befasst, geht die Entwicklung immerhin beim Verkehrsversuch voran. Neben der Gestaltung des Platzes, der 2023 fertig sein soll, spielt nämlich die Verkehrsführung eine herausgehobene Rolle für die Atmosphäre, die ihn einmal prägen wird. Am 21. November startet der dreimonatige Verkehrsversuch, bereits seit dem 2. November richtet die Verwaltung schrittweise Provisorien ein.

Tempo 30 in der Schwabstraße

So verengt sie die Schwabstraße auf zwei Fahrspuren, die sie mit sogenannten „Frankfurter Hüten“, baulich abtrennt. Das Tempo wird auf 30 Stundenkilometer begrenzt. Die Bushaltestellen hat man bereits verlegt: Die Haltestelle auf Seite der Elisabethenkirche nach südwärts, die auf der anderen Seite nordwärts. Ebenso hat die Verwaltung die Bismarckstraße zwischen Schwab- und Vogelsangstraße abgesperrt und die Taxistellplätze von der Bismarck- in die Schwabstraße verlegt.

Die Abbiegespur von der Schwab- in die Bebelstraße soll verlängert werden. Viele Autofahrer sind von den Provisorien noch verwirrt, wie man im Laufe der Woche beobachten konnte – dafür rücken die getrennten Hälften des Platzes durch die Verengung der Fahrspuren schon spürbar zusammen.

Zwischen dem 1. und 15. Dezember haben Bürger die Möglichkeit, ihre Beobachtungen der Stadt online, per Brief oder telefonisch zu melden. Die Stadt ist davon überzeugt, bei einer konzentrierten zweiwöchigen Beobachtungsphase eine höhere Bürgerbeteiligung zu erreichen als bei einer solchen, die sich über viele Wochen hinzieht. Zudem erlaube die Maßnahme es, früh auf Hinweise zu reagieren.