Die alte Albauffahrt wird noch einige Jahre genutzt werden müssen. Foto: /Horst Rudel

Während der öffentlichen Erörterung für das Planfeststellungsverfahren des neuen Albaufstiegs der A 8 ist das Regierungspräsidium in Gruibingen massiv kritisiert worden. Hat die Behörde die Alternativtrasse nie ernsthaft geprüft?

Gruibingen - Die Vorbehalte sind umfangreich. Beim Erörterungstermin zum Planfeststellungsverfahrens in der Gruibinger Sickenbühlhalle sah sich das Regierungspräsidium Stuttgart (RP) an diesem Donnerstag massiver Kritik seitens des Naturschutzbundes (Nabu), der Bürgerinitiative A 8 Drackensteiner Hang sowie sonstiger Teilnehmer ausgesetzt. Vor rund 120 Besuchern wurden unter anderem die jeweiligen Vor- und Nachteile der sogenannten K- und E-Trasse erörtert. Am Nachmittag ging es zudem um Fragen des Immissionsschutzes, der Wasserwirtschaft, des Bodenschutzes und des Natur- und Landschaftsschutzes. Mehr als 3000 Einwendungen waren gegen die bisherigen Pläne beim RP eingegangen.

Die Bürgerinitiative Drackensteiner Hang (Drackis) betonte, dass die von ihr favorisierte K-Trasse günstiger und umweltfreundlicher sei. Die E-Trasse, die vom Regierungspräsidium favorisierte Variante, sei dagegen „ein unverzeihliches Vergehen an den zukünftigen Generationen“, erklärte der Vorsitzende der Bürgerinitiative, Michael Danner.

Rechtsanwalt Karsten Sommer: Das ist ein unfairer Umgang

Für die E-Trasse des Regierungspräsidiums müssten zwei Tunnel gebaut werden sowie zwei Brücken. Die K-Trasse der Drackis hingegen komme mit einem Tunnel und einer Brücke aus. Darüber hinaus müsste bei dieser Variante das aus der Sicht der Umweltschützer ökologisch wertvolle Gosbachtal nicht mit einer Brücke überbaut werden. „Die E-Trasse würde das Gosbachtal in seiner jetzigen Qualität zerstören“, mahnte Danner.

Gemeinsam mit dem Nabu hat die Bürgerinitiative den Rechtsanwalt Karsten Sommer beauftragt, die beiden Organisationen beim Erörterungstermin zu vertreten. Der Anwalt brachte eine ganze Reihe an Einwendungen sowohl gegen die bisherigen Pläne des Regierungspräsidiums als auch gegen das Verfahren vor. Ein Kern seiner Kritik ist, dass das RP die jüngsten Vorschläge der Bürgerinitiative, die sogenannte K-Variante, nie ernsthaft geprüft habe. Punkte, die für diese Lösung sprächen, seinen vom Regierungspräsidium nicht weiter aufgegriffen worden. „Das ist ein unfairer Umgang, so geht das nicht“, ärgerte sich Sommer.

Naturschutzverbände könnten Klage anstrengen

Hinzu komme, dass die Planfeststellungsbehörde im selben Haus sitze wie der Vorhabenträger. „Man versichert sich gegenseitig, dass die Unterlagen okay sind“, vermutet Sommer. „Wir werden sehr genau hinschauen, wie sich die Behörde verhält“, kündigte er an. Mit dem bisherigen Verhalten zwinge das Regierungspräsidium die Naturschutzverbände geradezu, ein Klageverfahren anzustreben, meinte der Nabu-Rechtsanwalt und erntete dafür den Applaus des Publikums.

Sollte es zu einem Klageverfahren kommen, könnte der 600-Millionen-Euro-Autobahnausbau weiter auf sich warten lassen. Ursprünglich wollte man bereits im Jahr 2021 mit den Bauarbeiten beginnen und 2027 fertig sein. Ob dieser Plan auch angesichts des sich fortsetzenden Widerstandes gehalten werden kann, ist allerdings äußerst fraglich.

Bürgermeister und Landrat drängen auf rasche Umsetzung

Eine weitere Verzögerung wollen verschiedene Bürgermeister angrenzender Kommunen ebenso wie der Landkreis Göppingen unbedingt vermeiden. Immerhin wird seit den 90er-Jahren über einen Ausbau des jetzt vierspurigen Albaufstiegs diskutiert. Wegen der häufigen Staus weichen viele Autofahrer auf die umliegenden Land- und Kreisstraßen aus, was die Anwohner der dortigen Kommunen entsprechend belastet.

Deshalb sprach sich der Göppinger Landrat Edgar Wolff (Freie Wähler) während des Vormittages auch für eine rasche Weiterführung der Planungen aus. „Es handelt sich um den letzten Flaschenhals der längst sechsspurig ausgebauten A 8“, betonte er. Immer wieder neue Diskussionen brächten niemanden näher an das Ziel einer Verbesserung der Verkehrssituation. Ähnlich sah das der Gruibinger Bürgermeister Roland Schweickert. „Es ist an der Zeit, dass eine Entscheidung getroffen wird. Die Autofahrer stehen ständig bei uns und kommen nicht weiter“, klagte er.

Eine Entscheidung fällt erst später

Für die Zuhörer waren bis zur Mittagspause noch lange nicht alle entscheidenden Punkte abgehakt. Kai Reichensberger aus Westerheim (Alb-Donau-Kreis) war vor allem gekommen, um sich zu informieren. „Was untergeht, ist der Autofahrer“, kritisierte er. Es werde viel über Umweltschutz oder Baufragen geredet. Eine Diskussion, welche Lösung für die Autofahrer am sinnvollsten wäre, werde nicht geführt. Insbesondere stört Reichensberger, dass bei Hohenstadt bisher keine Auffahrt in Richtung Stuttgart geplant ist.

Ebenfalls im Publikum saßen Tobias Daubenschüz und Nico Schweizer, beide aus Drackenstein. Es sei „beschämend“, welche Folgen die E-Trasse für die Umwelt habe, meinte Daubenschütz. Er sei ein Befürworter der K-Trasse. Nico Schweizer hatte nach vier Stunden den Eindruck, das Regierungspräsidium denke nicht ernsthaft über eine Alternative zu seinen bisherigen Planung nach. „Es wird nicht fair gespielt“, sagte er. Einig sind sich die beiden Zuhörer darin, dass eine Lösung schnell kommen sollte.

Nach dem heutigen Erörterungstermin wird laut Regierungspräsidium zu einem späteren Zeitpunkt darüber entschieden, ob und gegebenenfalls welche Veränderungen an den bisherigen Planungen vorgenommen werden.

  
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